Finanzen + Vorsorge Lettland will 2014 den Euro

Lettland will in die Eurozone - und hat die Aufnahme zum 1. Januar 2014 beantragt. Die Regierung des baltischen EU-Landes betont die wirtschaftlichen Vorteile. Doch die Bevölkerung steht dem Vorhaben kritisch gegenüber.

Lettland will 2014 der Eurozone beitreten und seinen Lats gegen den Euro tauschen. Dafür hatte das baltische Land in der vorigen Woche einen Konvergenzbericht über die Euroreife beantragt.

EU-­Kommission und Europäische Zentralbank müssen nun prüfen, ob Lettland die Maastricht­-Kriterien erfüllt. Erhält Lettland grünes Licht, kann es zum Jahreswechsel die europäische Gemeinschaftswährung einführen.

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„Vertrauensbeweis für den Euro“

„Ich bin davon überzeugt, dass dieser Schritt nicht nur Lettlands Reputation stärken und die wirtschaftlichen Entwicklung unseres Landes beschleunigen wird, sondern auch ein Zeichen für die neuerlich wieder zunehmende Stärke der Eurozone ist“, sagt Ministerpräsident Valdis Dombrovskis. Auch EU-Währungskommissar Olli Rehn wertet den Antrag Lettlands als „Vertrauensbeweis für den Euro“.

Mit dem Euro will die Regierung in Riga die wirtschaftliche Sanierung krönen. Lettland war im Sog der weltweiten Finanzkrise Ende 2008 an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geraten. Der Zusammenbruch konnte nur durch internationale Kreditzusagen über 7,5 Milliarden Euro abgewendet werden.

Staatshaushalt stabilisiert sich

Inzwischen hat sich der Staatshaushalt wieder stabilisiert. Durch eine strikte Finanzpolitik mit massiven Ausgabenkürzungen musste Finanzminister Andris Vilks letztlich nur 60 Prozent der Hilfen in Anspruch nehmen und konnte bereits Ende 2012 den Kredit vollständig zurückzahlen – drei Jahre früher als vereinbart.

Doch die Bevölkerung, die vom Aufschwung bisher nur wenig gemerkt hat, ist davon nur bedingt überzeugt. Umfragen zufolge befürworten nur etwas mehr als ein Drittel der gut 2 Millionen Letten den Euro-Beitritt. Viele fürchten Preissteigerungen, haben eine sentimentale Bindung an den Lats oder wollen nicht für reformunwillige Euro-Krisenstaaten im Süden Europas aufkommen müssen, nachdem sie selbst ohne größeres Murren harte Opfer erbracht haben.

Drastische Lohnkürzungen und Massenentlassungen

Bezahlen mussten vor allem die schwächer gestellten Bürger mit drastischen Lohnkürzungen, Steuererhöhungen und Massenentlassungen im öffentlichen Dienst sowie deutlichen Einschnitten im Sozialwesen. Seitdem prägen hohe Arbeitslosigkeit und starke Abwanderung die kleine Baltenrepublik, die das zweithöchste Armutsrisiko in Europa besitzt und zu den ärmsten EU-Mitgliedern gehört.

Die Wirtschaft, die zwischen 2008 und 2010 um mehr als 20 Prozent an Leistung verlor, läuft mittlerweile wieder auf vollen Touren. In den vergangenen beiden Jahren legte das Bruttoinlandsprodukt um jeweils über fünf Prozent zu und soll 2013 der Prognose der EU-Kommission zufolge weiterhin deutlich stärker wachsen als im restlichen Europa.

Umbruch auch in Litauen

Auch das benachbarte Litauen erlebte einen ähnlichen Umbruch. Anstatt den Sturz durch eine Abwertung der seit mehreren Jahren an den Euro gebundenen Währungen zu bremsen, entschieden sich beide Länder für strikte Sparmaßnahmen – auch um das Euro-Ziel nicht zu gefährden.

Anders als Lettland, das nach eigenen Angaben seit September 2012 die Maastricht-Kriterien erfüllt, überschreitet Litauen den Inflations-Zielwert und peilt deshalb erst 2015 an, der Währungsunion beitreten. Estland hat bereits seit 2011 den Euro.

Wachstum stark exportgetrieben

Getrieben wird das Wachstum in Lettland vor allem von Exporten, die seit Anfang 2010 für eine konjunkturelle Erholung sorgen. Das Land wickelt mehr als 65 Prozent seines Außenhandels mit dem Ostseeraum ab. Deutschland ist dabei der zweitgrößte Handelspartner und ein wichtiger Investor – derzeit sind etwa 1000 deutsche Unternehmen vor Ort aktiv.

Die Wirtschaft würde vom Wegfall der Wechselgebühren profitieren, betont Regierungschef Dombrovskis. Die Gemeinschaftswährung werde Lettland zugleich attraktiver für ausländische Investoren machen und das Zinsniveau senken – dies könne man am Beispiel Estlands sehen.
Dort habe der Euro für mehr Investitionen, Arbeitsplätze und Wohlstand gesorgt, verweist er auf die Erfahrungen des Nachbarlands.

Aufklärungskampagnen sollen Bevölkerung überzeugen

Mit einer Aufklärungskampagne will die Regierung die Bevölkerung nun bis zum Sommer vom Euro überzeugen. Ein vielfach gefordertes Referendum hingegen lehnte sie ab: Lettland habe sich schon mit dem EU-Beitritt 2004 verpflichtet, den Euro einzuführen, wenn es die Kriterien dafür erfülle. Bestätigen soll dies nun der Prüfbericht.

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