Anzeige Lettlands Regierung will den Euro – Bevölkerung bleibt skeptisch

Geld, Münzen, Taschenrechner

Euro-Geldscheine und Münzen© Gina Sanders / Fotolia

2014 will Lettland den Euro einführen. Die Kriterien erfüllt der Staat nach Angaben der Regierung bereits seit letztem Jahr. Jetzt haben auch die EU und EZB das Reifezeugnis erteilt. Die Menschen in dem baltischen Land bleiben aber skeptisch.

 

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Stolz nahm der lettische Ministerpräsident Valdis Dombrovskis kürzlich die Einladung zur Aufnahme in die weltführende Organisation der Industriestaaten OECD entgegen. Doch Dombrovskis hat noch größere Ziele und wartet auf das endgültige Signal der EU: Er will sein Land 2014 in die Eurozone führen. In der Bevölkerung trifft er dabei auf wenig Rückhalt. Angesichts der Schuldenkrise in der Währungsunion fragen sich viele Letten, ob das Land nicht zum Verlierer der Eurozone werden könnte.

Nachdem die EU-Kommission und auch die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch dem baltischen Staat ein positives Zeugnis ausstellten, hat das letzte Wort nun der EU-Ministerrat, in dem die Mitgliedstaaten vertreten sind. Das „Ja“ der EU-Finanzminister wird am 9. Juli erwartet.

Lettland wäre der zweite baltische Staat in der Eurozone. Estland hat seit 2011 den Euro, Litauen peilt die Mitgliedschaft für 2015 an. Dass er von einer Zustimmung zur Einführung des Euro ausgeht, begründet der Regierungschef mit eindeutigen Zahlen. Lettland erfülle bereits seit September 2012 die Zielwerte und werde sie auch in Zukunft nachhaltig verfolgen, gibt er sich selbstbewusst.

Geringe Zustimmung in der Bevölkerung

Doch bereits mehrfach äußerten sich die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) besorgt über die hohen ausländischen Guthaben in Lettland, die rund die Hälfte aller Bankeinlagen ausmachen. Zudem ist  die Zustimmung der Letten zu den Beitrittsplänen gering: In Umfragen befürworten trotz Informationskampagnen weiterhin nur etwas mehr als ein Drittel der gut zwei Millionen Letten die Euro-Einführung.

Die Letten fürchten vor allem Preissteigerungen nach dem Währungswechsel. Viele haben zudem eine sentimentale Bindung an die heimische Währung Lats. Seit knapp 20 Jahren ist der Lats ein Symbol für die 1991 wieder errungene Unabhängigkeit nach dem Zerfall der Sowjetunion, der Lettland nach dem Zweiten Weltkrieg wider Willen angehörte.

„Wenn wir ein europäisches Land sein und uns selbst als Europäer erkennen wollen, dann brauchen wir ohne Frage den Euro“, argumentiert hingegen der lettische Komponist Peteris Vasks.

Kein Referendum über den Beitritt

Auch Russland spielt eine Rolle – das Verhältnis zum großen Nachbar gilt als angespannt. „Es ist eine Wahl zwischen Rubel oder Euro“, umschreibt es die konservative Europaparlamentarierin Sandra Kalniete.

Angesichts der Krise in der Währungsunion fragen sich aber viele, ob Lettland nicht zum Verlierer der Eurozone werden könnte. Das kleine Land im Baltikum hat während der eigenen Krise harte Opfer erbracht und eisern gespart. Es gehört zu den ärmsten EU-Mitgliedern – 40 Prozent der Bevölkerung sind von Armut bedroht. Dennoch muss es nach dem Beitritt womöglich für reformunwillige Euro-Krisenstaaten im Süden Europas aufkommen.

Doch den Ministerpräsidenten bringt das nicht von seinem Kurs ab,  Forderungen nach einem Referendum über den Beitritt weist er zurück. Auch Vorbehalte, dass Lettland an Souveränität verliere, lässt er nicht gelten. Der Lats sei bereits seit 2005 an den Euro gebunden, erklärt Dombrovskis. Mit dem Euro könne Lettland endlich an dem Tisch sitzen, an dem entschieden wird. Der Euro werde zudem den Handel vereinfachen, das Zinsniveau senken und für mehr Investitionen sorgen, wirbt der Regierungschef.

Ursprünglich wollte Lettland bereits 2008 den Euro einführen, scheiterte damals aber an der damals zu hohen Inflation und der Wirtschaftslage. Nun aber fühlt sich das Land bereit – und hofft auf eine Einladung zur Euro-Feier aus Brüssel.

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