Finanzen + Vorsorge Letzte Chance für ein gutes Rating

Am 1. Januar 2007 treten die verschärften Kredit­regeln endgültig in Kraft. Viele Unternehmer sind jedoch immer noch nicht darauf vorbereitet. Wie Chefs den Endspurt in Sachen Bonität meistern - und was die finanzielle Fitnesskur der Firma bringt.

Der Blick auf seine Finanzzahlen gehört für Martin Herrenknecht zum Alltag – ist aber nicht immer Anlass zur Freude. Denn jeder neue Riesenbohrer, den der badische Unternehmer für den Bau von U-Bahn- oder Auto-Tunneln in alle Welt verkauft, verschlechtert seine Bilanz. Die vier Meter hohen Vortriebsmaschinen, von denen Herrenknecht bis zu 20 gleichzeitig baut, kosten zweistellige Millionenbeträge. Weil sie oft erst im Jahr nach der Bestellung ausgeliefert werden, bleiben sie so lange in der Abschlussrechnung stehen. „Je mehr wir wachsen, desto schwerer wird unsere Bilanz“, erklärt Finanzvorstand Kurt Stiefel.

Was gut fürs Geschäftsergebnis ist, kann unter den neuen Kreditvergaberegeln – kurz: Basel II – ­jedoch ein K.o.-Kriterium für die Zinskonditionen sein. Denn Banken wollen schlanke Bilanzen. Weil Herrenknecht das schon während der Basel-II-Vorbereitungen ahnte, lässt er seine Zahlen seit 2003 jährlich von Euler Hermes Rating prüfen.

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Auf deren Rat hin hat er konsequent an Finanz- und Führungsstruktur gefeilt, ein Reporting aufgebaut und die Kommunikation mit den Banken verbessert. Faktoren, die auch in deren Bonitätsprüfung einfließen. Seine aktuelle Rating-Note: „BBB“, im Zeugnisdeutsch „befriedigend“ – trotz Zugehörigkeit zur krisenanfälligen Baubranche.

Vorbereiten, bewerten, profitieren

Anders als Herrenknecht ist fünf Monate vor dem offiziellen Start von Basel II ein Drittel aller Unternehmen noch nicht fit für die neuen Kreditvergaberegeln. Gleichwohl glaubt eine Mehrheit, dass Basel II bereits gilt. Das sind zentrale Ergebnisse der sechsten Umfrage „Excellence Barometer 2006“ (ExBa) unter 350 Firmenchefs, die von der Deutschen Gesellschaft für Qualität, dem Marktforschungsunternehmen Forum und impulse aufgelegt wird.

Die ExBa-Ergebnisse alarmieren: Viele Unternehmer wissen wenig von Basel II, andere nehmen es nicht ernst, und ­einigen ist der Vorbereitungsaufwand zu groß. „Die Firmen vergeben eine riesige Chance“, stellt Forum-Chef Roman Becker fest.

Doch ist es noch nicht zu spät. „Wer sich jetzt vorbereitet, kann sich noch bis Jahresende fit für ein gutes Rating machen und erntet bei der nächsten Investition den Lohn durch niedrige Zinsen“, erklärt Bernd Rödl, Geschäftsführer der Beratungs­firma Rödl und Partner. Damit Firmen prüfen können, wo es derzeit noch hapert, bietet impulse zusammen mit dem renommierten Institut für Rating und Corporate Finance (IRCF) der International School of Management in Dortmund einen kostengünstigen Rating-Kurzcheck an. „So wissen die Unternehmer nach wenigen Minuten, wie die Banken derzeit ihre Kreditwürdigkeit bewerten und wo sie sich verbessern können“, sagt Rudolf Schüller, Vorstandsmitglied des IRCF.

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