Finanzen + Vorsorge Metropolen hui, Osten pfui

Deutschland ist geteilt - auf dem Wohnungsmarkt. Während westdeutsche Großstädte boomen, schwingt über dem Osten die Abrissbirne. Schon warnen Immobilienunternehmer vor wahren Geisterstädten. Ihre Forderung: günstigerer Baugrund und Steuervorteile.

Der Wirtschaftsaufschwung ist auch im deutschen Wohnungsbau angekommen. Das Wachstum bei den Investitionen konzentriert sich jedoch auf einige Ballungszentren, berichtete der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). In vielen anderen Regionen schrumpft die Bevölkerung in den nächsten Jahren, was zu mehr Leerstand und großen Problemen für die Gemeinden führen könnte.

GdW-Präsident Axel Gedaschko sprach von einer guten Entwicklung der Branche. Das zeige sich an steigenden Investitionen und mehr Neubauten, sagte er in Berlin. Der GdW erwartet in diesem Jahr die Fertigstellung von 178.500 neuer Wohnungen in Deutschland nach 165.000 im vergangenen Jahr. Für seine rund 3000 Mitglieder mit sechs Millionen Wohnungen und 13 Millionen Mietern prognostiziert der Verband bei den Investitionen 2011 ein Plus von 6,7 Prozent. 2010 waren es 4,0 Prozent nach jahrelangem Rückgang bis 2005 und anschließender Stagnation.

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Sachsen-Anhalt ist das Schlusslicht

Es sei „eine eindeutige Trendumkehr in der Markteinschätzung der Unternehmen“ festzustellen, sagte Gedaschko. Der Anstieg bei neu gebauten Wohnungen sei „bitter notwendig“, gehe er doch von einem niedrigen Niveau aus. Aus Sicht der Branche sind bis 2015 jährlich 200.000 neue Wohnungen nötig, um den Bedarf zu decken.

In den Regionen München, Köln/Bonn, Rhein/Ruhr, Stuttgart, Hamburg, Rhein-Main und Berlin. Gerade in München, Hamburg und im Rhein-Main-Gebiet seien Wohnungen für kleine und mittlere Einkommen schon jetzt Mangelware. Ein ganz anderes Bild biete sich in weiten Teilen Ostdeutschlands, sagte Gedaschko. Den größten Leerstand bei den GdW-Wohnungen gebe es in Sachsen-Anhalt (12,9 Prozent) vor Sachsen (10,9 Prozent) und Thüringen (8,7 Prozent). Im Westen hat das Saarland mit 7,1 Prozent den höchsten Leerstand.

Angesichts sinkender Einwohnerzahlen werde sich dieser Trend fortsetzen. Im Zeitraum 2008 bis 2025 erwarte das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung einen Rückgang um 640.000 Haushalte in Ostdeutschland und 155.000 im Westen. Viele Städte und Gemeinden müssten deshalb ihre Infrastruktur „intelligent schrumpfen“, sagte der GdW-Präsident.
Gedaschko appellierte an die Bundesregierung, trotz Sparzwangs die Kürzungen bei der Städtebauförderung von rund 560 Mio. Euro (2010) auf 266 Mio. Euro (2012) rückgängig zu machen.

„Wenn wir keine Geisterstädte haben wollen“, sollte der Staat den Abriss leerstehender Wohngebäude mit 55 Euro pro Quadratmeter unterstützen, wie vom Land Sachsen im Bundesrat vorgeschlagen. Die Unternehmen müssten zugleich verpflichtet werden, dieses Geld in den Kommunen zu reinvestieren.
GdW-Präsident sieht aber auch einen Teil des Problems bei den Kommunen. Die Kämmerer wollten ihre Grundstücke zu Höchstpreisen losschlagen. Wenn Investoren keinen günstigen Baugrund bekämen, könnten sie auch keine Häuser für Mieter mit kleineren Einkommen bauen.

Hilfe auch bei Wärmedämmung gefordert

Ähnlich enttäuscht von der Bilanz 2010 ist Lukas Siebenkoten, Direktor des Deutschen Mieterbundes. 160.000 neu gebaute Wohnungen im vergangenen Jahr seien viel zu wenig, nahe am historischen Tiefstand. Bei Neuabschlüssen lägen die Mieten in Großstädten „zum Teil 20 bis 40 Prozent höher als die Mieten in bestehenden Mietverhältnissen“. Daraus leitet er ab: „Wir brauchen hier eine verstärkte Förderung des Neubaus, unter Umständen auch zusätzliche steuerliche Anreize.“

Doch 2006 hatte die Bundesregierung die Eigenheimzulage abgeschafft. Das beschleunigte den Abwärtstrend beim Wohnungsneubau seit Mitte der 1990er Jahre noch einmal. Als Ergebnis des Wiedervereinigungsbooms entstanden damals in einem Jahr rund 600.000 Wohnungen. 1989 war es zwar nur gut die Hälfte, aber auch immer noch fast doppelt so viele wie 2010.

Wie der Mieterbund hofft der GdW auf Hilfe des Staates, nicht nur beim Stadtumbau Ost, sondern auch bei der Wärmedämmung von Gebäuden. Das vom Bundeskabinett beschlossene Sanierungsprogramm sieht für 2012 bis 2014 jährlich 1,5 Mrd. Euro vor. In diesem Jahr sind es 936 Mio. Euro. Gedaschko wünscht sich schon jetzt Zusagen für die Jahre danach. So werde auch den Mietern am stärksten geholfen. Denn die Heizkosten haben sich im vergangenen Jahrzehnt verdoppelt, die Nettokaltmieten stiegen lediglich um 14 Prozent.

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