Finanzen + Vorsorge Milchpreis auf Fünfjahreshoch – doch für viele Bauern reicht es nicht

Aus Protest gegen die Preise verschütten Bauern die Milch ihrer Kühe.

Aus Protest gegen die Preise verschütten Bauern die Milch ihrer Kühe. © BDM

Der Preis, den die Bauern für ihre Milch bekommen, ist derzeit so hoch wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr. Grund zum Jubeln ist das für viele Landwirte trotzdem nicht: Ohne Subventionen sei Milchviehhaltung oft ein Minusgeschäft.

Alle zwei Monate geht es für Albert Fuchs ums Geld. Dann trifft sich der unterfränkische Landwirt mit seiner Molkerei und feilscht darum, was er für die Milch seiner Kühe erhält. Doch sein Verhandlungsspielraum sei gering, erzählt der 46-Jährige mit der rauen Stimme und den kräftigen, braun gebrannten Armen. „Das orientiert sich an den umliegenden Molkereien.“

In seinem Betrieb im unterfränkischen Gaukönigshofen – 60 Kühe, 60 Hektar Ackerland – fasst die ganze Familie mit an, das spart Personalkosten. Trotzdem seien die Einnahmen durch den Verkauf der Rohmilch nach wie vor viel zu niedrig. „Nur der Milchpreis würde die Kosten nicht decken.“

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Auch Futter und Strom werden teurer
Dabei zeigt der Trend eigentlich nach oben. Sogar die preisbewussten Discounter hatten im Winter die Preise erhöht, auch im Export läuft es gut. 36,51 Cent erhielten deutsche Bauern im Juni durchschnittlich für ein Kilogramm Milch (1,02 Liter). Das ist so viel wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr, wie der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bestätigte. Der Milchindustrie-Verband spricht von einer sehr positiven Entwicklung. „Die Nachfrage ist gut, wir haben gute Absatzmöglichkeiten“, sagt Geschäftsführer Eckhardt Hauser. „Seit Juni haben wir bereits weitere Preissteigerungen gehabt.“

Doch bei den Landwirten herrscht keine Sektlaune. „Es ist für viele Milcherzeuger noch zu wenig“, sagt Hans-Jürgen Seufferlein, milchpolitischer Sprecher des Bayerischen Bauernverbandes. Denn die Kosten für Futter und Energie seien ebenfalls stark gestiegen. Der BDM hatte einst 40 Cent pro Liter Milch als Ziel ausgegeben – doch auch das wäre aus Sicht von Sprecher Hans Foldenauer heute nicht mehr genug. Er verweist auf ein Gutachten, das die Milcherzeugungskosten für das vergangene Jahr auf 51 Cent pro Kilogramm Milch in Süddeutschland bezifferte, im Norden und Osten lagen die Kosten demnach bei 43 beziehungsweise 45 Cent. Das heißt: Ohne „Agrargelder“ – die Subventionen aus dem EU-Haushalt – sei ein Milchbetrieb nicht zu führen, sagt Foldenauer. „Die Bauern sind auch in guten Jahren davon abhängig geworden.“

Um die Verteilung des Geldes tobt dementsprechend ein harter Kampf. Kommende Woche beschäftigen sich die Agrarminister von Bund und Ländern in Würzburg mit der Umsetzung der Reform der EU-Agrarpolitik. Die Milchbauern beobachten die Ministerrunde jedoch noch aus einem weiteren Grund aufmerksam, denn auch der Milchmarkt ist Thema des Treffens. Das Milchquoten-System der EU läuft 2015 aus – dann steht es den Bauern frei, wie viel Milch sie produzieren. Bauernverband und BDM fordern Instrumente, um bei einem plötzlichen Preiseinbruch gegensteuern zu können.

Neue Märkte lassen hoffen
Der BDM kritisiert zudem eine zu große Marktmacht der Molkereien – die säßen in den Verhandlungen mit einzelnen Bauern einfach am längeren Hebel. Die Milchindustrie gibt den Vorwurf weiter und verweist auf den Kostendruck des Handels: „Milch ist ein sehr preissensibles Produkt. Da zählt der Preis an der Ladentheke“, sagt Geschäftsführer Hauser.

Hans-Jürgen Seufferlein – neben seinem Amt beim Bauernverband auch Geschäftsführer des Verbands der Milcherzeuger Bayern – sieht die Bauern aber auf dem besten Weg zu einer stärkeren Rolle: „Das Ungleichgewicht ist nach wie vor da, aber was die Gesamtnachfrage angeht, ist das Problem wie vor 20, 30 Jahren nicht mehr gegeben.“ Der Markt sei globaler, es gebe neue Absatzmöglichkeiten, zum Beispiel mit laktosefreier Milch in China. „Wenn Aldi Zicken macht, dann bedienen wir halt einen anderen Markt.“

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