Finanzen + Vorsorge Mit Bürgen borgen

Wer kein Geld hat, bekommt auch keines. Doch Bürgschaftsinstitute springen ein, wenn Sicherheiten fehlen.

Laute Klänge gehören für Marcel Fery zum Tagesgeschäft. Doch
als der Mitgründer und Vorstand der Berliner Beschallungsfirma
TSE vor einigen Jahren den Gerätepark erneuern wollte,
wurden die Töne bei den Verhandlungen zur Finanzierung
immer leiser.

„Den Wert von Lautsprechern und Bühnenelementen konnte
die Bank nicht einschätzen“, erinnert sich der Unternehmer.
Privates Vermögen hatte er immer in die Firma gesteckt. Und
eine Blanko-Zusage war dem Geldgeber zu riskant. Der kannte
trotzdem eine Lösung: Die Bürgschaftsbank Berlin-Brandenburg
solle für mögliche Verluste geradestehen. Ein halbes Jahr später
hatte Fery die Haftungszusage in der Hand – und rund eine
halbe Million Euro in der Tasche: „Ohne Bürgschaft hätte ich
den Kredit nicht bekommen.“

Anzeige

Hier finden Sie eine Übersicht über die Angebote der Bürgschaftsbanken und ihre Konditionen (PDF).

Die landesweit tätigen Bürgschaftsbanken, die oft von
Kammern, Banken und Freiberufler-Organisationen getragen
werden, verstehen sich als Selbsthilfeeinrichtungen der
Wirtschaft. Mit ihren Zusagen sichern sie bis zu 80 Prozent der
Ausfallrisiken ab – rund 7.000 Unternehmen kamen dadurch im
vergangenen Jahr an Kredite in Höhe von 1,6 Milliarden Euro.

Neben diesem Kerngeschäft vermitteln die Institute in einigen
Bundesländern zusätzlich Eigenkapital- Beteiligungen. Und dank
sogenannter „Bürgschaften ohne Bank“ sagen sie teilweise
auch schon eine Unterstützung zu, noch bevor Unternehmer
den passenden Geldgeber gefunden haben.

Eine Bank muss im Boot sein

„Eine definitive Zusage gibt es aber immer nur, wenn auch eine
Bank mitmacht“, erklärt Hans-Herbert Strombeck, Vorsitzender
des Dachverbands der Bürgschaftsbanken und Chef des
nordrhein-westfälischen Instituts. Außerdem reiche ein
Formular allein nicht aus, um an die Unterschrift zu kommen:
„Wir prüfen jeden Antrag in einem Ausschuss und kommen
dazu häufig auch vor Ort vorbei“, sagt der Verbandschef –
mangelhafte Konzepte und allzu schwache Schuldner will man
dadurch aussortieren. Sind die Unterlagen vollständig und
aktuell, nimmt die Prüf-Prozedur in der Regel zwischen zehn
Tagen und vier Wochen in Anspruch.

Künftig werden die Bürgschaftsbanken zudem vermehrt
verpflichtende Beratungen einführen, kündigt Strombeck an:
„Vor allem Gründern wollen wir so helfen, Rechnungswesen
und Betriebsorganisation zu verbessern.“ Neben einem
obligatorischen Gespräch direkt nach der Zusage will man nach
einem Jahr erneut darüber sprechen, wie sich der Betrieb
entwickelt hat.

Schließlich sind die Dienste der Bürgschaftsbanken auch nicht
umsonst zu haben: Zur Bearbeitungsgebühr kommt eine
jährliche Provision, solange die Haftungszusage bestehen bleibt.
Die Höhe variiert leicht von Bundesland zu Bundesland, im
Schnitt wird jedoch jährlich etwa ein Prozent der
Bürgschaftssumme fällig. Für Veranstaltungstechniker Marcel
Fery spielen solche Kosten allerdings nur eine Nebenrolle: „Die
Konditionen fallen nicht ins Gewicht“, sagt der Unternehmer.
„Für mich zählt allein, dass ich überhaupt das Geld
zusammenbekomme.“

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...