Finanzen + Vorsorge Neue EU-Regeln schützen Verbraucher bei Immobilienkrediten

Die Fassade eines modernen Mehrfamilienhauses.

Die Fassade eines modernen Mehrfamilienhauses.© Ralf Gosch - Fotolia.com

Ein Haus- oder Wohnungskauf ist oft die größte Anschaffung im Leben. Da muss der Kredit genau passen. Viele Europäer übernehmen sich dabei. Die EU will den Kunden nun besser schützen: Mehr Informationen und das Recht auf vorzeitige Rückzahlung sollen helfen.

Verbraucher müssen in der EU künftig schon vor Abschluss eines Immobilienkredits umfassend über Risiken und Kosten aufgeklärt werden. Die vorzeitige Rückzahlung des Darlehens soll leichter möglich sein. Kann ein Kunde den Kredit nicht mehr bedienen, soll der Anbieter zu dessen Gunsten eine Lösung suchen, um ihn vor hohen Schulden zu bewahren. Diese Regeln zum Verbraucherschutz hat das EU-Parlament am Dienstag in Straßburg beschlossen. Anbieter müssen zudem die Kreditwürdigkeit von Kunden genau prüfen.

Die EU zieht damit die Lehren aus der jüngsten Vergangenheit. Geplatzte Immobilienblasen hatten etwa Spanien und Irland in die Krise gestürzt. Mit dem Votum ist das Gesetz beschlossen, die Standards werden voraussichtlich von April 2015 an gelten. Die EU-Staaten, die den Kompromiss ausgehandelt hatten, müssen ihn nur noch formal annehmen.

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Laut Beschluss müssen Banken künftig ihre Kunden genau über die spätere Zins- und Tilgungslast aufklären. Damit Käufer Kredite besser vergleichen können, müssen die Anbieter ein einheitliches europäisches Informationsblatt nutzen. Darin ist eine Gegenüberstellung von Festzinskrediten und Darlehen mit variabler Verzinsung Pflicht. Auf diese Weise hätten Kunden eine bessere Wahlmöglichkeit zwischen einem variablen oder dem in Deutschland üblichen langfristigen stabilen Festzinssatz, hieß es.

Kredite sollen besser vorzeitig zurückgezahlt werden können

Zugleich können Kunden Darlehen leichter vorzeitig zurückzahlen. Wer die Summe vor Ablauf der vereinbarten Laufzeit abbezahlen will, für den wird es bisher oft teurer, denn dafür werden meist Entschädigungszahlungen fällig. Diese sollen künftig eingeschränkt werden – bleiben aber erlaubt.

Die Anbieter von Baukrediten werden mehr kontrolliert, etwa von den Aufsichtsbehörden. Sie benötigen eine Zulassung für ihre Tätigkeit und müssen sich in einem Register eintragen. Damit will die EU verhindern, dass Berater Kunden zu unverantwortlich teuren Krediten überreden. Jeder Kunde hat ein garantiertes Rücktrittsrecht.

Der zuständige EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier begrüßte die Einigung: „Viel zu oft nehmen Verbraucher Hypothekenkredite auf, ohne sich der Risiken bewusst zu sein, die damit verbunden sind.“ Die neuen Regeln sollen eine verantwortungsvolle Kreditvergabe fördern.

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