Finanzen + Vorsorge Nur das Beste für Angestellte und Umwelt

Draußen ist es klirrendkalt. Und da gibt es Leute, die in einem Büro ohne Heizung arbeiten müssen. Das klingt zunächst wie moderne Sklavenhalterei. Ist es aber nicht. Wer unter diesen Umständen arbeitet, hat sein Büro in einem Passivhaus.

„Ich würde sofort wieder ein Passivhaus bauen“, sagt Hans Lamparter aus Weilheim an der Teck. „Wir haben ein optimales Klima, immer die gleiche Raumtemperatur und trotzdem frische Luft.“ Er hat für sein Ingenieur- und Vermessungsbüro ein solches Haus bauen lassen und war damit vor zwei Jahren einer der ersten. Der Clou: Ein Passivhaus kommt ohne Heizung und Klimaanlage aus. Dafür hat es eine Umwälzanlage, die ständig frische Luft ansaugt, transportiert und wieder ablässt. Die Fensterscheiben sind dreifach gedämmt, die Wände gut isoliert. Die Ausrichtung des Hauses gegen die Sonne erwärmt das Haus genauso wie die Wärme, die von elektrischen Geräten abstrahlt. „Für den Notfall haben wir allerdings eine Gasheizung“, sagt Lamparter. Und im Jahr 2000 lagen die Kosten dafür für die 1.200 Quadratmeter Nutzfläche bei nur 600 Euro.

Die Energieeinsparung gegenüber einem herkömmlichen Gebäude, ist enorm. Bisher lag der Energieverbrauch bei 130 Kilowatt pro Quadratmeter pro Jahr. Niedrigenergiehäuser, die durch die Energieeinsparverordnung jetzt zum Standard werden, verbrauchen nur noch 70 Kilowatt pro Quadratmeter pro Jahr. „Bei deren Weiterentwicklung, den Passivhäusern, liegt der Verbrauch bei 11 Kilowatt pro Quadratmeter pro Jahr“, erläutert Lamparter. Strom erzeugt er mit der Photovoltaikanlage auf dem Dach. Und die Solaranlage erwärmt zu 93 Prozent das Wasser. Das tut der Umwelt gut und spart Heiz- und Energiekosten.

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Trotzdem schätzen Experten die Zahl der Bürogebäude dieser Art auf nur ein rundes Dutzend in Deutschland. Matthias Frost, Architekt in Köln, ist ebenfalls ein Verfechter der Passivhausbauweise. „Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist noch nicht so groß“, weiß er. Als Gründe führt er hohe Investitionskosten und eine breite Skepsis gegenüber dem Neuen an. Doch Frost, Lamparter und der Informationsdienst Ideen zu Energie und Umwelt des Bundeswirtschaftsministeriums sind sich einig: Energiesparende und umweltfreundliche Gebäude werden sich in den kommenden Jahren durchsetzen.

Mehr Informationen zum Thema:

BINE, ein vom Bundesministerium für Wirtschaft geförderter Dienst mit Informationen und Ideen zu Energie und Umwelt

www.solarbau.de

Passiv Haus Institut Darmstadt

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