Finanzen + Vorsorge Nur fürs Protokoll

Anlageberater müssen Gespräche mit Privatkunden jetzt protokollieren. Eigentlich zum Schutz der Anleger. Mancher nutzt das Formular aber, um sich selbst abzusichern. Was Kunden beim Ausfüllen beachten sollten.

Das Bild links zeigt die erste Seite des Beratungsprotokolls. Wenn Sie auf den Ausschnitt klicken, öffnet sich ein neues Fenster mit der Gesamtansicht des Bogens. Wir haben diese und die weiteren Inhalte des Protokolls genauer unter die Lupe genommen und zeigen Ihnen nun, worauf Sie im Beratungsgespräch achten sollten:

Nicht unnötig angeben

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Auf den ersten Seiten des Beratungsprotokolls werden meist Vorkenntnisse des Anlegers abgefragt. Hier sollte man nicht so tun, als wäre man Experte, warnen Juristen. Mit diesen Fragen definieren die Berater nämlich die Risikoklassen und leiten daraus ab, wie viel sie über Risiken aufklären müssen. Bank oder Fondsvermittler könnten sich, wenn ein riskantes Geschäft schiefgegangen ist, darauf berufen, dass der Kunde als „professioneller Anleger“ die Risiken doch selbst hätte erkennen müssen.

Nicht übermütig werden

Die Frage nach der persönlichen Risikoneigung ist der wichtigste Teil von Beratung und Protokoll: Kein Anleger sollte sich unter „Risikobewusst“ einsortieren, nur weil das schneidiger klingt als „Konservativ“. Kreuzt ein Berater sämtliche Risikotypen an, um anschließend Produkte aller Art vermitteln zu können, ist das Protokoll sogar ungültig. So hat es der BGH jedenfalls in einem Urteil für eine Versicherungsberatung entschieden (25.10.2007, Az.: III ZR 100/06).

Möglichst klare Regeln aufstellen

Das Feld „Weitere Anliegen“ können Kunden nutzen, um Anlagerichtlinien im Protokoll zu verankern. Die Pflichtdokumentation kann bei späteren Beratungsfehlern als Beweismittel vor Gericht dienen. Anleger können zum Beispiel festlegen, wann der Vermögensverwalter bei Verlusten spätestens die Reißleine ziehen und verkaufen soll. Oder welche Produktarten der Anleger in jedem Fall ausschließen möchte.

Festhalten, was gesagt wurde

Anleger sollten sich nicht damit zufriedengeben, dass man ihnen dicke Packen Papier zu allen möglichen Anlageformen in die Hand drückt. Das Gesetz sieht vor, dass der Berater ihnen die „wesentlichen Punkte“ des Produkts erklärt, das er später verkauft: die Funktionsweise sowie spezielle Risiken nämlich. Im Protokoll sollte man gemeinsam die einzelnen Punkte festhalten. Allerdings nur diejenigen, über die man auch wirklich gesprochen hat.

Bei den Kosten nicht abwimmeln lassen

Finanzvermittler müssen Kunden auf ihre Provisionen hinweisen. Banken versuchen aber oft, durch Ausflüchte um die Auskunft herumzukommen. Im Gespräch heißt es dann: „Das ist sehr unterschiedlich.“ Oder: „Das wirkt sich bei Ihnen gar nicht aus.“ Anleger sollten unbedingt auf Kostentransparenz bestehen: An der Höhe der Provision lässt sich ablesen, ob ein Produkt empfohlen wird, weil es passt. Oder weil es dem Berater Geld bringt.

Auf keinen Fall unterschreiben

Viele Beratungsprotokolle sehen am Ende ein Unterschriftenfeld vor – mitunter gepaart mit Klauseln, mit denen der Anleger bestätigt, der Berater habe alles richtig gemacht und er billige die Anlagestrategien. Verbraucherschützer und Aufsichtsbehörde BaFin raten, Protokolle nicht zu unterschreiben, sonst würden sie zum Freibrief für die Bank. Im Gesetz ist keine Kundenunterschrift vorgesehen. Juristen zufolge können Anleger eine neue Ausfertigung verlangen, falls der Berater das Protokoll falsch ausgefüllt hat. Was dabei hilft: eine Kopie. Auf die sollten Kunden bestehen.

Hinweis

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 11/2010.

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