Finanzen + Vorsorge Nur jeder zweite Anleger steht zu Prokon

Ein Offshore-Windpark

Ein Offshore-Windpark© F. Schmidt - Fotolia.com

Bis zum Montag sollten die Anleger der Windenergie-Firma Prokon ihre Treue bekunden. Doch nur etwa die Hälfte der Investoren hat zugestimmt, ihr Kapital länger im Unternehmen zu lassen. Das weitere Schicksal des Unternehmens bleibt unklar.

Prokon hat die selbst aufgelegte Messlatte gerissen. Dennoch bleibt das weitere Schicksal des Windanlagen-Finanzierers unklar. Nach einem am Dienstagmorgen auf der Internet-Seite des Unternehmens veröffentlichten Zwischenergebnis reagierten bisher (Stand: 09.00 Uhr) gut 60 Prozent der Anleger auf den Aufruf des Unternehmens, sich zum Halten ihrer Genussrechts-Anteile zu verpflichten. Von 75.329 Inhabern meldeten sich demnach 46.020. Davon stimmten 39.398 einer verlängerten Kündigungsfrist zu, die 728 Millionen Euro Kapital vertreten. 6.622 Anleger mit knapp 102 Millionen Euro Kapital kündigten ihre Genussrechte.

Damit hat Prokon das selbstgesteckte Ziel verfehlt. Das Unternehmen hatte am 10. Januar erklärt, dass bis zu diesem Montag 95 Prozent der Anleger eine Erklärung abgeben sollten, nach der sie ihre Genussrechte zunächst behalten und nicht kündigen würden. Andernfalls würde das Unternehmen Insolvenz anmelden.

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Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hatte das Vorgehen von Prokon scharf kritisiert und als Erpressung bezeichnet. Ein Insolvenzrechtsexperte warnte Anleger davor, auf Ansprüche zu verzichten. “Anlegern, die nicht rechtzeitig ihre Rechte sichern, steht in einem Insolvenzverfahren aufgrund des Nachrangs der Genussrechte nicht einmal eine Insolvenzforderung zur Verfügung”, sagte der Berliner Rechtsanwalt Christoph Kaltmeyer “Wallstreet Online”.

Muss Prokon Insolvenz anmelden?

Doch ob es wirklich zu einem Insolvenzverfahren kommt, ist offen. In der vergangenen Woche hatte Prokon-Chef Carsten Rodbertus unter Berufung auf einen Insolvenzrechtler erklärt, dass eventuell die Voraussetzungen für eine Insolvenz doch nicht gegeben seien. Das Unternehmen, das in erneuerbare Energien investiert, ist fast vollständig durch Genusskapital finanziert. Nachdem es in eine Liquiditätsklemme geraten ist, kann es gegenwärtig weder die Zinsen auf die Genussrechte noch gekündigte Papiere auszahlen. Das seien aber eventuell keine offenen Forderungen gegen das Unternehmen im Sinne des Insolvenzrechts.

Diese Frage soll nun durch Rechtsgutachten geprüft werden. Das Unternehmen aus dem schleswig-holsteinischen Itzehoe ist telefonisch für Medien nicht erreichbar und beantwortet keine schriftlichen Anfragen.

Bundesregierung will Verbraucherschutz stärken

Die Bundesregierung will aus den Vorgängen um Prokon Konsequenzen ziehen. „Die aktuelle Debatte um Prokon zeigt, dass der Verbraucherschutz im Bereich des Finanzmarkts gestärkt werden muss“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustiz- und Verbraucherschutzministerium, Ulrich Kelber, dem „Handelsblatt“ (Dienstag).

„Die Finanzaufsicht Bafin sollte möglichst schnell in die Lage versetzt werden, Finanzprodukte zu verbieten oder den aktiven Vertrieb zu untersagen, sofern diese die Finanzmarktstabilität gefährden oder unverhältnismäßige Risiken für Anleger bergen“, sagte der SPD-Politiker. Es spreche viel dafür, dass kein Finanzprodukt und kein Finanzvertrieb von der Regulierung ausgenommen wird.

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