Finanzen + Vorsorge „Offene Immobilienfonds gefährdet“

Alexandra Merz ist als Geschäftsführerin der Fondsrating-Agentur Scope Group für offene Fonds zuständig.

impulse: Mit dem zur Deutschen Bank gehörenden Grundbesitz-Invest wurde erstmals ein offener Immobilienfonds geschlossen. Ist das der Anfang vom Ende dieser Art von Fonds?

Merz: Nein. Offene Immobilienfonds haben ihre Existenzberechtigung und sind für Anleger eine interessante An-lageform. Die Schließung bis Anfang
Februar ist aber ein Tabubruch, der allen Fonds schaden kann.

Anzeige

Dadurch sind also auch andere offene Immo-Fonds gefährdet?

Ja. Denn viele Anleger wussten überhaupt nicht, dass so etwas möglich und erlaubt ist. Die nächsten Monate werden zeigen, wie viele Anleger bei anderen Immobilienfonds aussteigen.

Was war die Ursache für die Flucht der Anleger und für die Schließung?

Die Bewertungen stimmten nicht mehr mit der Realität überein. Immobilien werden bisher nach dem Ertragswertverfahren bewertet. Das hat den Vorteil, dass kurzfristige Preistendenzen – positive wie negative – ausgeglichen werden.

Und welche Nachteile?

Wenn die Sachverständigen Entwicklungen als kurzfristig einschätzen, diese aber tatsächlich länger anhalten.

So wie bei Grundbesitz-Invest?

Richtig. Der deutsche Immobilienmarkt verzeichnete in den vergangenen vier Jahren hohe Leerstände und damit Mietausfälle. Die Bewertungen wurden durch die Angleichungen unrealistisch, und man reagierte zu spät auf den sich ändernden Markt.

Wie lässt sich das verhindern?

Sofort sollte festgelegt werden, dass
sich die Sachverständigen, die den Wert
der Immobilien festlegen, abwechseln müssen.

Welche Vorteile hat das?

So wird sichergestellt, dass ein Sachverständiger nicht zwei Jahre hintereinander vor derselben Immobilie steht. Die neue Einschätzung durch einen anderen Experten vermeidet Fehleinschätzungen über mehrere Jahre.

Sonst soll sich nichts ändern?

Doch. Auch andere Bewertungsverfahren sind in der Diskussion. Das braucht jedoch Zeit. Denn Prospektänderungen oder sogar neue Gesetze gibt es nicht von heute auf morgen.

Weitere Meldungen aus dem Ressort Finanzierung + Vorsorge können Sie in der impulse-Ausgabe 02/2006, Seite 110, nachlesen.

Neugierig geworden, aber noch kein Heft-Abonnent? Dann Geschenk auswählen und online abonnieren

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...