Finanzen + Vorsorge Offenheit zahlt sich aus

Wer Kapitalgeber detailliert informiert, kommt leichter an Geld. Euler Hermes und impulse haben drei Unternehmer ausgezeichnet. Die Strategien der Sieger.

Großer Bahnhof Mitte Mai in Frankfurt: Im Auditorium des Commerzbank-Hochhauses traf sich viel Prominenz – darunter Commerzbank-Vorstand Martin Blessing und Dieter Weidemann, Präsident der Vereinigung hessischer Unterneh­merverbände.

Im Mittelpunkt standen aber drei mittelständische Firmen: Messebauer Klaus Lünnemann GmbH, die Textilgruppe Peppermint-Holding GmbH und der Büromöbelhersteller Sedus Stoll AG. Sie wurden für die „Beste Finanzkommunikation im Mittelstand“ geehrt.

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Vorbehalte abbauen

Den Wettbewerb hatte der Kreditversicherer Euler Hermes gemeinsam mit impulse und weiteren Partnern ausgelobt. Er richtete sich an nicht börsennotierte Mittelständler und wurde in drei Kategorien vergeben – je nach Größe der Unternehmen. 70 Firmen reichten ihre Unterlagen ein.

Die Initiatoren wollen mit dem Wettbewerb das Bewusstsein von Unternehmern für eine professionelle Kommunikation mit Banken und anderen Kapitalgebern schärfen. „Leider haben viele Mittelständler hier immer noch Vorbehalte“, klagt Gert Schloßmacher, Vorstand von Euler Hermes. Die Folgen: Verschlossene Unternehmer kommen nur schwer an Kapital und müssen ungünstige Konditionen in Kauf nehmen. „Eine partnerschaftliche und offene Finanzkommunikation ist deshalb die Basis für den Zugang zu einer optimalen Finanzierung“, sagt Schloßmacher.

Von den Preisträgern können Unternehmer einiges lernen. Zum Beispiel von Klaus Lünnemann, der in der Kategorie „Kleiner Mittelstand“ siegte: Der Firmenchef verhilft seinen Kunden zu einem gelungenen Auftritt bei Messen und Kongressen. In den vergangenen Jahren brummte das Geschäft. Lünnemann investierte in neue Gebäude sowie in Digital- und Textildruckmaschinen, um mit der wachsenden Nachfrage Schritt zu halten.

Doch seine Banken wollten die Finanzierung nicht sofort übernehmen – schließlich war das kleine Unternehmen für viele Institute noch ein unbeschriebenes Blatt. „Und wir hatten kaum Sicherheiten“, berichtet Lünnemann. Nachdem er alle Zahlen auf den Tisch gelegt hatte, konnte
der Unternehmer seine Geldgeber schließlich doch überzeugen.

Finanzkommunikation ist seither Chefsache: Lünnemann und seine Frau Theresia kümmern sich persönlich darum. Einmal pro Quartal bekommen Kapitalgeber eine Gewinn- und Verlustrechnung, eine Zwischenbilanz, eine betriebswirtschaftliche Auswertung mit einem Plan-Ist-Vergleich und eine Prognose für die kommenden Monate. Zudem telefoniert der Unternehmer regelmäßig mit Banken und Leasing-Gesellschaften. „So können wir Fragen direkt beantworten«, sagt Lünnemann. »Und wir wissen immer, welche Themen und Details für die Geldgeber besonders interessant sind.“

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Bonität heben

Dieses Vorgehen hat auch die Wettbewerbs-Jury überzeugt: „Wir waren beeindruckt vom ausführlichen, in allen Details akkuraten betriebswirtschaftlichen Berichtswesen“, lobt Stephan Paul, Professor für Finanzierung und Kreditwirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum.

Wie wichtig ein direkter Draht zu Kapitalgebern ist, hat auch Ingeborg Neumann erkannt, die den Preis in der Kategorie „Mittlerer Mittelstand“ gewann. Zu ihrer Peppermint-Holding GmbH gehören mehrere Textilproduzenten und -veredler. Schon die Branche lässt Kapitalgeber besonders vorsichtig werden, hat die Unternehmerin beobachtet. Schließlich sind deutsche Unternehmen hier seit Jahrzehnten auf dem Rückzug. Wegen hoher Lohnkosten in Europa produziert die Mehrheit heute in Asien.

GmbH-Chefin Neumann steuert gegen, indem sie mit einer detaillierten Finanzkommunikation bei den Kapitalgebern um Vertrauen wirbt. „Nur so können wir sicher sein, auch in kritischen Situationen immer Zugang zu Kapital zu haben.“Im Alltag sieht das so aus: Alle Kapitalgeber
erhalten eine Jahresplanung. Hinzu kommt für jeden Finanzdienstleister ein Quartalsreport. Wer noch detaillierter im Bild sein möchte, erhält
außerdem einen Monatsbericht. „Jeder bekommt genau die Informa­tionen, die er sich wünscht“, bescheinigt Jury-Mitglied Paul.

Einen hohen Anspruch an die Kommunikation mit Kapitalgebern hat auch Carl-Heinz Osten, Finanzvorstand des Büromöbelherstellers Sedus Stoll AG, der den Preis in der Kategorie »Große Unternehmen« ent­gegennahm. Er verfolgt bereits seit Jahren vor allem ein Ziel: Das Rating seines Unternehmens zu verbessern, um leichter an Kapital zu kommen. Deshalb liefert Osten den Banken die richtigen Argumente: Er verschickt einmal monatlich Informationen über Auftragseingang und Umsatz sowie einen Plan-Ist-Vergleich.

Ostens Kommunikationskonzept ging auf. So hob die Commerzbank die Rating-Note zwischen 2003 und 2005 von 4 auf 2,2 an. Inzwischen kommt Sedus Stoll auf der Skala
der großen Rating-Agenturen dem A-
Bereich nahe. Und Finanzchef Osten hat es jetzt mit zufriedenen Kapital-gebern zu tun: „Wir informieren so detailliert, dass noch nie jemand weitere Angaben verlangt hat.“

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