Finanzen + Vorsorge Opfer von Anlagebetrügern sollen abwarten

Nach der Razzia gegen eine weit verzweigte Bande von Anlagebetrügern sorgen sich die Opfer um ihre Einlagen. Doch zur Eile besteht kein Anlass, sagt ein Experte. Die mutmaßlichen Täter sitzen inzwischen in U-Haft.

Zwei Tage nach der bundesweiten Razzia gegen mutmaßliche Anlagebetrüger um die Frankfurter Immobiliengruppe S&K ist das genaue Ausmaß des Schadens weiterhin unklar. Man rechne mit tausenden Geschädigten, sagte Ober-Staatsanwältin Doris Möller-Scheu am Donnerstag in Frankfurt. Schätzungen von Anwaltsbüros, die von bis zu 100.000 Geschädigten berichteten, könne man nicht nachvollziehen.

Die Amtsgerichte in Frankfurt und Hamburg nahmen die sechs Hauptverdächtigen in Untersuchungshaft, darunter auch die beiden Gründer der Gruppe S&K. Den sechs Männern im Alter zwischen 31 und 70 Jahren wird Untreue sowie gewerbs- und bandenmäßiger Betrug mit Kapitalanlagen vorgeworfen. Sie sollen über ein Schneeballsystem die Anleger um mehr als 100 Mio. Euro geprellt und das Geld mit einem extrem aufwändigen Lebensstil verprasst haben. Die beiden Beschuldigten aus Hamburg sollen in den nächsten Tagen zu Befragungen nach Hessen gebracht, sagte die Oberstaatsanwältin. Insgesamt wird gegen 50 Verdächtige ermittelt.

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Für die Opfer im Anlagebetrugskandal um die Frankfurter Immobiliengruppe S&K besteht aus Sicht des Verbraucherschutzes kein Grund für hektische Aktivitäten. „Man muss nicht sofort zum Anwalt rennen. Erst einmal gilt es, Ruhe zu bewahren und die Entwicklung der Geschehnisse zunächst zu beobachten“, sagte der Kapitalmarktexperte Markus Feck von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Vorsicht bei der Anwaltsuche

Derzeit seien viele Anwaltsbüros unterwegs, um in dem Fall mit mehreren tausend Geschädigten neue Mandanten zu gewinnen. Für die Geschädigten sei nicht ganz einfach zu erkennen, wer ihre Interessen besonders gut vertreten könne und ob bei den mutmaßlichen Betrügern überhaupt etwas zu holen sei, das den Aufwand rechtfertige. „Ich warne vor Kanzleien, die eine Garantie aussprechen, dass man sein Geld auf jeden Fall zurückbekommt“, sagte Feck. Das könne zum jetzigen Zeitpunkt niemand seriös beurteilen. „Ein schönes Urteil nutzt wenig, wenn dann nichts zu holen ist. Das Verfahren ist einfach kein Selbstläufer“, warnte der Fachanwalt.

Nach den bundesweiten Durchsuchungen vom Dienstag und Mittwoch bei mehreren Firmen unter anderem in Frankfurt, Hamburg und München verfüge derzeit die Staatsanwaltschaft Frankfurt über die besten Informationen, so Feck. Die Justiz habe auch Vermögenswerte gesichert, die später unter den Geschädigten verteilt werden könnten. „In einigen Wochen ist es sicher sinnvoll, über einen Anwalt Einsicht in die Ermittlungsakte zu verlangen“, sagte der Verbraucherschützer. Auf dieser Grundlage müsse dann das weitere Vorgehen geplant werden. Verjährungsfristen drohten vorerst nicht, da die Verdachtsmomente gerade erst bekanntgeworden seien.

Eine allgemeine Empfehlung zur Anwaltswahl könne er nicht geben, erklärte der Experte. Die großen, auf Anlageschutz spezialisierten Kanzleien könnten möglicherweise durch den Abgleich vieler Fälle besser im Thema sein und zudem Insider-Informationen eher erlangen als Einzelkämpfer. „Auf der anderen Seite standardisieren diese Kanzleien die Fallbearbeitung, so dass die persönliche Betreuung des Mandanten im Einzelfall zurücktritt.“

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