Finanzen + Vorsorge „Positive Auslese“

Risikokapital für junge Unternehmer und Mezzanine-Töpfe für etablierte Mittel­ständ­ler: Der Markt für Kreditalternativen boomt (s. impulse-Ausgabe 7/2006). Ein Interview zum Thema mit Albrecht Hertz-Eichenrode, Vorstandschef der Hannover-Finanz.

impulse: Herr Hertz-Eichenrode, der Markt
für Eigenkapital belebt sich zurzeit an vielen
Stellen. Ist der Mittelstand reif für die neuen Angebote?

Hertz-Eichenrode: Er wird immer reifer. Tatsächlich haben sich viele Unternehmer lange Jahre sehr stark gegen
Private Equity, also Fremdbeteiligung am Kapital, gestemmt. Allmählich sind dort Aufweichungserscheinungen
festzustellen. Vor allem, weil eine jüngere Unternehmergeneration
kommt, die auch bereit ist, mit modernen
Finanzierungsinstrumenten zu arbeiten und dafür andere Herren ins Haus zu lassen.

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Zur gleichen Zeit bieten Banken immer häufiger Mezzanine-Programme an statt klassischer Kredite. Ein guter Weg?

Das ist völlig richtig. Zurzeit werden die Unternehmen geradezu vollgepumpt mit Mezzanine-Kapital. Das hilft
sicherlich bei der Expansionsfinanzierung. Aber Mezzanine ist kein langfristiges Instrument. Die neuen Programme
sind ja über den Kapitalmarkt finanziert, das heißt, sie müssen nach rund sieben Jahren zurückgezahlt werden.

Sie sehen den Mezzanine-Trend mit Skepsis?

Aus Sicht des Unternehmers ist es völlig verständlich, sich
dafür zu entscheiden. Der Test wird allerdings kommen,
wenn es mal schwierig wird und ein Unternehmer dann
möglicherweise seine Handlungskontrolle verliert. Dann
wird er viel schlechter dastehen, als wenn er eine echte Eigenkapitalfinanzierung hätte. Denn dann hat er einen Eigenkapitalinvestor
als Partner, der mit ihm im Boot sitzt.

Auch Risikokapitalgeber müssen aussteigen, um Renditen für ihre Investoren zu erwirtschaften. Wie lange bleiben Sie Ihren Unternehmen treu?

Im Schnitt etwa acht Jahre. Dabei kommt uns aber zugute, dass wir einen Evergreenfonds haben, der nicht nach einer festen Laufzeit abgewickelt wird. Dadurch gibt es keinen
Druck, unbedingt verkaufen zu müssen. Wenn der Markt nicht stimmt oder es Sinn macht, länger investiert zu bleiben, ist das kein Problem.

Die Anforderungen, damit ein Investor einsteigt, sind bei reinem Eigenkapital höher als bei vielen Mezzanine-Programmen. Wo investieren Sie?

Unternehmen, die Finanzinvestoren überzeugen, stellen
ganz klar eine positive Auslese dar. Dabei geht es nicht unbedingt
um Zahlen der Vergangenheit. Das wichtigste Kriterium
für uns ist ein überzeugendes Management. Außerdem
steigen wir nur noch bei etablierten Firmen ein, weil
wir in frühen Phasen zu schlechte Ergebnisse hatten. Das
Venture-Capital-Geschäft beherrschen andere besser.

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