Finanzen + Vorsorge Rentengeschenke von Union und SPD: Sind die Jungen die Dummen?

Mehr Geld für Rentner: Union und SPD verhandeln derzeit über ein "Rundum-sorglos-Paket".

Mehr Geld für Rentner: Union und SPD verhandeln derzeit über ein "Rundum-sorglos-Paket".© KfW

Noch ist nichts entschieden. Doch eines steht fest: Wenn all das kommt, was Union und SPD bei der Rente planen, wird es teuer. Profitieren dürften vor allem Ältere, bezahlen wohl die Jüngeren.

Das Prinzip ist bekannt: Die Jungen zahlen für die Alten. In der Rentenversicherung nennt man das Generationenvertrag. Ein notariell beglaubigtes Schriftstück dazu gibt es nicht. Doch der Grundsatz hat gleichwohl Gewicht: Es geht um Treu und Glauben. Die Jungen sollen für ihren späteren Ruhestand darauf vertrauen können, dass auch die folgende Generation vergleichbar dafür gerade steht.

Das ist ein äußerst schwieriger Balanceakt – nicht zuletzt deshalb, weil es aus demografischen Gründen immer mehr Alte, aber immer weniger Junge gibt. Kamen vor 20 Jahren noch vier Erwerbsfähige auf einen Rentner, wird sich das Verhältnis bis 2030 voraussichtlich auf zwei zu eins verschlechtern. Und die Menschen beziehen wegen der steigenden Lebenserwartung immer länger Rente, zuletzt im Schnitt 19 Jahre. 1970 waren es nur 11 Jahre.

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Union und SPD streben Renten-rundum-sorglos-Paket an

Im umlagefinanzierten Rentensystem gehen Wohltaten für die einen fast immer zulasten der anderen. Gut besichtigen lässt sich das bei den aktuellen Koalitionsverhandlungen von Union und SPD. Beide Seiten streben eine Art Renten-rundum-sorglos-Paket an: mehr Rente für ältere Mütter, Rente ohne Abschlag schon mit 63 für langjährig Beschäftigte, mehr Rente für Erwerbsgeminderte, Garantierente für Geringverdiener, Angleichung der Ost-Rentenwerte ans Westniveau.

Warum den Koalitionären in spe Rentenfragen so sehr am Herzen liegen, wird deutlich, wenn man das Wählerverhalten vom 22. September genauer unter die Lupe nimmt. Die treuesten Wähler für Union wie für SPD fanden sich auch diesmal wieder im Senioren-Lager: Laut dem Meinungsforschungsinstitut infratest dimap wählten in der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen 45 Prozent die Union, bei den plus 70-Jährigen waren es 54 Prozent.

Bei der SPD waren die Werte mit 29 und 28 Prozent nicht so hoch. Doch keine andere Altersgruppe wählte häufiger sozialdemokratisch. Nun wollen sich Union und SPD offensichtlich erkenntlich zeigen: „Die große Koalition bedankt sich bei ihren Wählern“, höhnt der „Spiegel“ über die „große Seniorenkoalition“. Die „Zeit“ kritisiert „Vorbereitungen zur Auszahlung einer beachtlichen Summe Schweigegeld“. Und schreibt: „Der Verdacht lautet auf Veruntreuung der Zukunft, gemeinschaftlich geplant von den Volksparteien CDU/CSU und SPD.“

Rentenpläne würden 20 Milliarden Euro kosten – pro Jahr

Unterm Strich summieren sich die Kosten für all die Rentenpläne langfristig auf etwa 20 Milliarden Euro – pro Jahr. Das ist mehr als eine aktuelle Monatsausgabe der Rentenkasse. Selbst wenn nicht alles umgesetzt wird: Das Geld fällt nicht vom Himmel. Bezahlen muss der Beitrags- oder der Steuerzahler. Wer, das ist noch nicht entschieden. Es zeichnet sich aber ab, dass die Beitragszahler zur Kasse gebeten werden.

Dann würde zunächst die gesetzlich vorgeschriebene Absenkung des Rentenbeitrags Anfang 2014 von 18,9 auf 18,3 Prozent ausfallen. Das bringt der Rentenkasse sechs Milliarden Euro, für Arbeitnehmer und Arbeitgeber fällt die Entlastung aus. Da die Rentenrücklagen von aktuell 31 Milliarden Euro schneller aufgebraucht wären, würde die Rentenversicherung bald teurer. Auch die rund 20,5 Millionen Ruheständler bekämen den Verzicht auf Beitragssenkung zu spüren: durch eine geringere Rentenerhöhung.

CSU-Vorstoß zur verbesserten Mütterrente

Die verbesserte Mütterrente, für die CSU-Chef Horst Seehofer die Trommel besonders laut schlägt, soll eine Gerechtigkeitslücke schließen. Die entstand paradoxerweise unter Mithilfe von Seehofer selbst. Er war damals Staatssekretär bei Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU), unter dessen Regie den Beschluss fiel, dass Frauen für nach dem 1. Januar 1992 geborene Kinder drei statt einen Rentenpunkt erhalten.

Ein Rentenpunkt entspricht heute im Westen gut 28 Euro im Monat, im Osten knapp 26 Euro. Frauen, die ihren Nachwuchs vor dem 1. Januar 1992 zur Welt brachten, bekommen bis heute nur einen Punkt – ohne dass das große Diskussionen ausgelöst hätte. Mit dem Zuschlag wollte der Gesetzgeber damals einen Anreiz zur Steigerung der Geburtenrate geben. Erst im zurückliegenden Wahlkampf bekam das Thema Schwung.

SPD-Plan: Rente mit 63 für langjährig Beschäftigte

Der Vorstoß zur Aufbesserung der Mütterrente – das Programm kostet mindestens 6,5 Milliarden Euro pro Jahr – ist Teil der Diskussion um die Vermeidung von Altersarmut geworden. Doch das Geld wird nicht nur Frauen mit Minirenten zugutekommen, sondern allen Frauen mit Kindern – also auch der gut situierten Zahnarztgattin. Die SPD tut sich schwer damit.

Fragezeichen wirft andererseits auch der SPD-Plan auf, langjährig Beschäftigte bereits mit 63 Jahren ohne Abschlag in Rente gehen zu lassen – nach 45 Versicherungsjahren. Für junge Menschen ist das Programm eher Utopie. Experten schätzen die Kosten der abschlagfreien Rente mit 63 auf gut vier Milliarden Euro. Nicht zuletzt würde dies die – auf der Beitragsseite – langfristig entlastende Wirkung der Rente mit 67 schmälern. Auf Kosten der Jungen.

1 Kommentar
  • raba 13. November 2013 14:35

    Das mit den 45 versicherten Jahren ist vollkommen richtig und wir hatten dies auch schon.
    Wenn ein Student erst mit 30 anfängt zu arbeiten, verdient er erstens mehr und zweitens kann er dann auch länger arbeiten bis er 45 Jahre voll hat.
    Also, was soll die Hetze !

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