Finanzen + Vorsorge Risiko eines Crashs ist gering

Beruhigt Aktienanleger: Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz Gruppe

impulse: Steigende Zinsen, taumelnde Hedgefonds, labile
US-Immobilienmärkte, und weltweit steigt die Angst vor einem
Börsencrash. Sollten Anleger deshalb jetzt schnell Kasse
machen, Herr Heise?

Heise: Nein, das sehe ich nicht. Der generelle
Aufwärtstrend an den Finanzmärkten ist intakt. In der Tat
gehen vom US-Immobilienmarkt wegen fauler
Hypothekenkredite heftige Schockwellen aus. Weitere
Auswirkungen auf die Aktienbörsen sind unwahrscheinlich.
Diese haben die Anleger wieder etwas vorsichtiger werden
lassen und die Risikowahrnehmung erhöht.

Anzeige

Was macht Sie so sicher?

Die Konjunktur in den Vereinigten Staaten und in Europa ist in
einer guten Verfassung. Sie wird durch die Probleme am US-
Immobilienmarkt nicht wegbrechen. Das Wachstum ist stabil.
Die Unternehmen haben restrukturiert und schreiben gute
Gewinne. Sie haben ihre Kapitalbasis verbreitert. In Europa
sehen wir sinkende Insolvenzzahlen. Daher gibt es auch keinen
Grund, warum an den Börsen sehr hohe Risikoaufschläge
verlangt werden sollten.

Und die Hedgefonds? Geht von ihnen keine Gefahr für die
Stabilität an den Finanzmärkten aus?

Manche Hedgefonds können durchaus selber in Gefahr sein.
Das Beispiel Armaranth zeigt aber, dass selbst bei großen
Verlusten eines Hedgefonds das internationale
Wirtschaftssystem nicht erschüttert wird. Hedgefonds haben
auch die Funktion, Risiken auf viele Investoren zu verteilen.

Die Börsen fürchten höhere Zinsen. Wie geht es hier
weiter?

Höhere Zinsen sind in der Vergangenheit häufig ein Grund für
Turbulenzen an den Börsen gewesen. Doch zurzeit droht kein
starker Anstieg. In den USA dürften die Zinsen sogar bald
wieder sinken.

Werden die Aktienmärkte trotzdem nochmal einbrechen?

Die Schwankungen werden an den Aktienmärkten größer sein
als im Jahr 2006. Aber ein erneuter Einbruch an den
internationalen Börsen zeichnet sich bisher nicht ab.

Wie sollten sich die Anleger verhalten?

In Schwächephasen zukaufen, auch wenn das Timing immer
schwierig ist. Auf mittlere Sicht ist man an den
hiesigen Börsen gut aufgehoben. Deutsche Standardwerte
bieten gute Performance-Chancen. Bei US-amerikanischen
Dividendenpapieren schlagen höhere Ertragschancen, aber
auch mehr Risiken zu Buche. Und bei Wertpapieren aus
Schwellenländern oder Rohstoffwerten hat man immer auch
ein Dollar-Risiko.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...