Finanzen + Vorsorge Riskante Verbindung

Privater Wohlstand und Erfolg der Firma sind bei Unternehmern eng verknüpft. Besser wäre es, beides voneinander zu trennen, raten Experten.

Natürlich hängt Möbeltischler Hans Schäfers an seiner Firma – aber so sehr? Das hätte er nicht vermutet. „Als ein Schulfreund von mir plötzlich starb, stand seine Frau vor dem Nichts“, erzählt er. „Das war für mich der Anlass, mal meine eigenen Finanzen zu sortieren.“ Also legte der 63-Jährige Kontoauszüge, Versicherungen und Kreditverträge einem Profi vor. Das Ergebnis der Bestandsaufnahme war so unangenehm, dass der Westfale nicht möchte, dass jemand seinen wirklichen Namen erfährt. Fast sein gesamtes Vermögen steckt in dem Zehn-Mann-Betrieb. Nicht nur das: Selbst mit seinem Wohnhaus haftet er für die Firma, ein Großteil seiner Rente soll später aus einer Pensionszusage kommen, die von der Schreinerei zu zahlen ist. Der Mann, der seit fast 40 Jahren Kanzleien, Restaurants und Wohnhäuser möbliert, ist ernüchtert: „Ginge meine Firma morgen pleite, wäre ich mittellos.“

Vielen Unternehmern geht es ähnlich: Lebensunterhalt und Altersvorsorge sind so eng an den Betrieb gekoppelt, dass sie ohne die Firma mit leeren Händen dastünden. Wenn der Ruhestand näherrückt, verwandelt sich der bisherige Lebensmittelpunkt in ein Wohlstandsrisiko. „Das ist häufig ein schleichender Prozess“, sagt Rolf Mählmann, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer der Kanzlei Hansaberatung in Bremen. Gründer haften fast immer privat fürs Geschäft. Viele seiner Mandanten hätten sich später ein ordentliches Privatvermögen erarbeitet. „Wenn dann aber Verluste auszugleichen sind, bürgen sie oft wieder mit allem, was sie besitzen.“

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Dann hängt alles mit allem zusammen: Die Banken besitzen eine Grundschuld fürs Eigenheim und ein Pfandrecht auf die Lebensversicherung. Der Unternehmer hat großzügige Gesellschafterdarlehen an den eigenen Betrieb verteilt und sich verpflichtet, in der Krise weiteres Geld nachzuschießen. Und Produktions- und Lagerhallen sind möglicherweise für andere Mieter als die eigene Firma kaum zu gebrauchen. „In einer solchen Situation heißt das oberste Gebot: privates Vermögen abtrennen und Haftungen auflösen“, sagt Mählmann.

Werte erhalten und sichern

Vermögensberater setzen dann an drei Punkten an: „Als kritisch erweisen sich immer wieder die Themen Haftung, Liquidität und Risikostreuung“, sagt Klaus Kuder von Wilhelm von Finck Deutsche Family Office, einer Tochter der Deutschen Bank, die rund 100 Unternehmerfamilien berät. „Gestandene Unternehmer sollen und werden ihre Einstellung in diesen Dingen selten ändern“, sagt Kuder. „Aber es gibt ein großes Interesse daran, Verquickungen überhaupt einmal transparent zu machen.“

Die Verquickung in Haftungsfragen ist die häufigste – und nur vermeintlich offensichtlich: Möbeltischler Hans Schäfers etwa war erstaunt, wie viele Versprechen er irgendwann einmal gemacht hatte, ohne je darüber nachzudenken, dass Haus und Hof längst der Bank gehören. Inzwischen hat er einen guten Teil der Sicherheiten ohne Probleme gelöscht – sein Wohnhaus etwa gehört ihm nun ohne Einschränkungen. Ein erster Schritt in Sachen Entflechtung.

„Viele Unternehmer haben ihr Leben lang Bürgschaften unterschrieben und darin nie ein Problem gesehen“, sagt Manfred Steinborn, Steuerberater und Geschäftsführer der Kanzlei THP Treuhandpartner in Krefeld: „Spätestens wenn der Senior den Betrieb übergibt, muss man ihn in allen Verträgen aus der Haftung entlassen.“ Denn dann steht dem Risiko kein unternehmerischer Ertrag mehr gegenüber.

Chefs sollten Sicherheiten, die in der Vergangenheit nötig waren, um einen Kredit zu bekommen, zurückfordern, wenn sich die Lage ändert. „Das kostet zwar viel Mühe, etwa beim Reporting, das Banken dann zu Recht einfordern. Aber als gestandener Unternehmer kann man viele Kredite auch ohne Privathaftung verhandeln“, sagt die Vermögensverwalterin Claudia Rankers aus Flörsheim bei Frankfurt. „Der Aufwand lohnt sich, denn er schafft Freiheit fürs Privatvermögen.“ Das ist oft regelrecht arrestiert. Mit Grundschulden belastete Immobilien und abgetretene Versicherungen lassen sich ohne Zustimmung der Bank nicht verkaufen oder kündigen. Problematisch sind auch abgetretene oder verpfändete Wertpapierdepots. Ein aktives Vermögensmanagement ist da kaum mehr möglich.

Trotz solcher Probleme sind Konstruktionen gängig, bei denen einerseits private Depots als Sicherheiten für Firmenkredite herhalten, Chefs aber zugleich in die Firmenkasse greifen, wenn sie Geld brauchen – oder umgekehrt großzügige Kredite an die eigene Firma verteilen, wenn der Betrieb mal klamm ist. Das ist verständlich: Über solche Gesellschafterdarlehen lässt sich flexibel Geld ins Unternehmen stecken und auch ohne steuerliche Konsequenzen wieder entnehmen, sagt Rankers. Wenn die strengen Formalien beachtet werden.

Im Ernstfall aber muss sich der Chef als sein eigener Gläubiger ganz hinten anstellen: „Ein Gesellschafterdarlehen in der Krise aus dem Unternehmen herauszulösen ist fast unmöglich“, warnt Steuerberater Steinborn: „Das Geld ist dann meistens weg.“ Und das ausgerechnet, wenn auch andere Einkommensquellen, allen voran die Firmengewinne, versiegen. „Gerade in schlechten Zeiten brauchen Unternehmer liquides Privatvermögen, auf das sie temporär als Betriebsmittel für das Unternehmen zurückgreifen können“, sagt Vermögensverwalter Kuder – Geld, das etwa aus Mieteinnahmen, Dividenden oder Zinserträgen stammen kann.

Das klingt nicht zufällig nach einem Plädoyer für eine breit gestreute Vermögensanlage, die weniger anfällig macht für Schwankungen und Schwächephasen. Bei Unternehmern heißt Risikostreuung aber noch mehr: „Es geht auch um Entscheidungsdiversifikation“, sagt Kuder. „Die meisten Unternehmenslenker sind es gewohnt, in ihren Betrieben Gremien zu schaffen, die sie beraten, selbst wenn sie am Ende trotzdem allein entscheiden. Für das Privatvermögen sollte man ähnliche Plattformen schaffen.“ Heißt: Die Familie gehört mit an den Tisch. „Wer einen gewissen Wohlstand erreicht hat, muss verantwortlich damit umgehen“, sagt Kuder. „Der Patriarch muss auch selbst frühzeitig Klumpenrisiken vorbeugen.“ Denn so gut Firma und Familie auch voneinander abgeschottet sein mögen – in dieser einen Person fallen sie doch immer zusammen. Was das bedeuten kann, lässt sich bei spektakulären Pleiten wie der von Anton Schlecker begutachten.

Mitgefangen, mitgehangen

Der Unternehmer und seine Firma – eine enge Bindung. Manche Verquickung muss aber gar nicht sein. Eine Übersicht:

Verflechtung Was tun?
Unternehmen in Rechtsform mit persönlicher Haftung Umwandlung in Rechtsform mit beschränkter Haftung (z. B. GmbH). Achtung: Trotzdem haftet der Chef voll, wenn er Pflichten verletzt.
Persönliche Haftung für Firmenkredite Verhandeln hilft, oft sind private Sicherheiten gar nicht nötig. Sinnvoll: Privates und Geschäftliches unterschiedlichen Banken anvertrauen.
Pensionszusagen an geschäftsführende Gesellschafter Die werden für Firmen zur Last, solange der frühere Chef lebt. Deshalb stets rückdecken, also versichern, auch wenn das nachträglich teuer ist.
Gesellschafterdarlehen Sind wie Pensionszusagen steuerlich durchaus interessant, aber in Krisen als Nachrangdarlehen hochriskant. Vorm Ruhestand besser auflösen.
Forderungen der Gesellschaft an den Gesellschafter Genauso riskant ist es, sich bei der eigenen Firma Geld zu leihen. Geschieht kurioserweise oft parallel zu Gesellschafterdarlehen. Dann saldieren!
Gewinnvorträge Sind Gewinne noch nicht ausgeschüttet, wird es vor dem Ruhestand höchste Zeit. Fehlt Geld, um die Ansprüche zu befriedigen, Raten vereinbaren.
Betriebsaufspaltung von Grundbesitz und Tagesgeschäft Soll entflechten, hat aber Tücken. Wer die Immobilie ohne Betrieb vererben oder verkaufen will, muss Steuern zahlen. Steuerprofi hinzuziehen!
Gesellschaftervertrag Gehört eine Firma mehreren Unternehmern und einer kündigt, müssen die anderen ihn auszahlen, und das kann teuer werden. Verträge prüfen!
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