Finanzen + Vorsorge Russische Investoren auf Firmenschau in Deutschland

Investoren aus Russland sind auf Werbetour in der Bundesrepublik. Erst kam Russlands Wirtschaftsminister nach Berlin. Nun ist ein von Kremlchef Putin befeuerter Staatsfonds in der Hauptstadt auf Partnersuche. Im Visier stehen vor allem kleinere und mittlere Unternehmen mit moderner Technologie.

Erstmals seit 13 Monaten stottert der Konjunkturmotor der Energiemacht Russland. Kapital in Milliardenhöhe fließt aus dem größten Land der Erde ab. Investitionen gehen zurück. Die Negativnachrichten für den Kreml, der das Land von PR-Strategen gern in leuchtenden Farben malen lässt, sind unübersehbar.

Die Weltbank senkte die Wachstumsprognose für Russland dieses Jahr um
0,3 Punkte auf 3,3 Prozent. Im Europavergleich kann sich das zwar sehen lassen. Aber Analysten in Moskau betonen, dass das rückständige Land mit Heißhunger auf Technologien so nicht vom Fleck komme.

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Bei allen Problemen in der Eurozone sehen die Russen vor allem in Deutschland beste Chancen, Geldquellen anzuzapfen. „Deutsche Investoren müssen keine Angst haben. Unser Image ist viel schlimmer als die Wirklichkeit“, meint Kirill Dmitrijew, Chef des 2011 gegründeten Russischen Staatsfonds für Direktinvestitionen (RDIF). Er ist im Auftrag von Kremlchef Wladimir Putin an diesem Dienstag in Berlin bei einem Investitionsforum auf Partnersuche.

Allein 2012 betrug der Kapitalabfluss aus Russland nach Angaben der Zentralbank rund 56,8 Mrd. US-Dollar (43,6 Mrd. Euro). Die Summe ausländischer Investitionen in Russland sank im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2011 um knapp 20 Prozent auf 154,6 Mrd. Dollar, wie die Statistikbehörde Rosstat mitteilt.

Tief sitzt bei den Russen die Angst, dass die Preise für ihr Öl und andere Rohstoffe fallen und dann Löcher in das von diesen Verkäufen abhängige Budget reißen. Der Vizeminister für wirtschaftliche Entwicklung, Andrej Klepatsch, räumte jüngst „Bremseffekte“ ein, die stärker als erwartet seien.

Die aktuelle Stimmung sei eher trübe, meinen westliche Wirtschaftsvertreter in Moskau. Der Markt mit den mehr als 140 Millionen Menschen bleibe zwar interessant. Wer aber sein Geld anlegen wolle, meinen Analysten in Moskau, suche sich heute lieber Länder, die mehr Sicherheiten bieten. Vor allem aber habe auch der Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation WTO nicht die erhofften Vorteile gebracht. Ausländische Unternehmen beklagen zunehmenden „Protektionismus“.

Und auch in russischen Medien ist seit langem wieder das Wort von einer drohenden neuen Krise zu lesen. Unternehmen streichen demnach Stellen. Es herrsche Stagnation, die Privatisierung von Staatskonzernen komme nicht voran, heißt es kritisch. Der Pessimismus verstärke sich. Experten wie Sergej Ulatow von der Weltbank sehen den Ausweg in mehr Investitionen und höherer Arbeitsproduktivität.

Zehn Milliarden Dollar habe Putins Fonds zur Verfügung für die nächsten fünf bis zehn Jahre, sagt RDIF-Manager Dmitrijew. Vor allem kleinere und mittlere Unternehmen in Deutschland mit moderner Technologie, die zu wenig Eigenkapital haben, würden gesucht. „Wir locken nicht einfach Investoren nach Russland, sondern schießen Staatsgelder zu. Das erhöht das Vertrauen“, sagt Dmitrijew. Auch ihm ist klar, dass Russland wegen seiner Bürokratie, Korruption und oft beklagten Justizwillkür nicht den besten Ruf bei Anlegern genießt.

„Russland wird mit Hinweis auf Demokratiedefizite oft unfair aussortiert“, sagt der in den USA ausgebildete Dmitrijew in Moskau. Kommentatoren hingegen kritisieren, dass der Staat weiter Einfluss nehme auf die Investorengewinnung. Ähnliche Fonds haben in den vergangenen 20 Jahren in Russland keine sichtbaren Spuren hinterlassen, schrieb die Wirtschaftzeitung „Wedomosti“.

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