Finanzen + Vorsorge Schatzmeister

Sie sind erfolgreiche Unternehmer: Erst sammeln sie erlesene Kunst, dann geben sie den Werken ein glamouröses Heim. Und schaffen damit weit über ihre Region hinaus strahlende Anziehungspunkte.

Schneeweiß und wie schwerelos schwebend liegt der elegante Museumsbau aus Glas, Aluminium und afrikanischem Granit zwischen den alten Bäumen der legendären Lichtentaler Allee, wo einst das Kur-Leben von Baden-Baden pulsierte.

Wer Frieder Burdas Kunstmuseum betritt, findet erlesene
Meisterwerke – genießt aber auch von großzügigen Fenstern
gerahmte Ausblicke in die umgebende Parklandschaft. „Ich
will, dass die Öffentlichkeit an dieser Kunst teilnehmen kann“,
erklärt Burda sein Engagement.

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Das Engagement kunstsinniger Unternehmer prägt die
deutsche Museumsszene seit dem 19. Jahrhundert. Ohne
Gaben großzügiger Kaufleute wären weltberühmte
Sammlungen wie in Berlin oder Köln nie entstanden. Neu ist,
dass Unternehmer der Öffentlichkeit ganze Museen nach
eigenem Geschmack und mit eigenem Geld bescheren.

Vielleicht liegt es am Rückzug der öffentlichen Hand; mehr
noch haben Firmenchefs indes das Kunstengagement als Teil
der Corporate Citizenship entdeckt. Bundestagspräsident
Norbert Lammert nannte dies „Vorbild für die private
Kunstförderung in Deutschland“, als er Burda mit dem Preis
der Europäischen Kulturstiftung auszeichnete.

Der Verleger-Sohn wuchs mit großer Kunst auf. Gemälde von
Beckmann, Kirchner und Nolde hingen im Elternhaus. Er
kaufte früh Bilder seines Lieblingsmalers Gerhard Richter und
bekennt sich zu einem subjektiven Kunstgeschmack, mag es
farbenfroh und lehnt allzu provokative sowie schockierende
Werke ab.

Besonders verbunden – auch ganz persönlich – fühlt Burda sich
dem Spätwerk von Pablo Picasso. Der Maler verbrachte seine
letzten Lebensjahre im südfranzösischen Mougins, Burdas
Zweitwohnsitz. Darum wollte er zunächst dort sein Museum
einrichten, entschied sich aber doch für Baden-Baden – seine
Heimatstadt.

Reinhold Würth packt die Kunstleidenschaft genauso
pragmatisch an wie das Geschäft. Er findet es „einfach
ineffizient“, wenn von seinen vielen tausend Kunstwerken
immer nur ein paar Dutzend gezeigt werden können. Darum
ließ er gleich zwei – eher am Zweck orientierte – Kunsthallen in
die spitzgiebligen Innenstädte von Schwäbisch Hall und
Künzelsau bauen.

François Pinault sammelte zunächst Luxusfirmen wie Gucci.
Entdeckte überdies sein Faible für moderne Kunst, kaufte
schnell viele Werke und entschied dann: Sie brauchen eine
hochkarätige Schmuckschatulle in bester Lage. Er fand den
imposanten Palazzo Grassi am Canal Grande in Venedig. Haus
und Ausstellung sind ein Besuchermagnet.

Es müssen jedoch nicht immer prominente Unternehmer sein.
Der Mittelständler Manfred Vetter hat im Stillen viel für seine
Region geleistet. In seiner Heimatstadt Neustadt/Weinstraße
gründete der heute
70-Jährige das Otto-Dill-Museum,
zu Ehren des gleichnamigen Landschafts- und Tiermalers.

Der liebte das gute Leben, war indes oft knapp bei Kasse.
Darum bezahlte er die Möbel, die er bei Manfred Vetters
Vorfahren erstand, ab und an mit seinen Ölbildern. Fünf davon
erbte der Unternehmer, der sein Vermögen mit einem
„hydraulischen Hebekissen“ begründete. Das Werkzeug nutzen
weltweit Feuerwehren und Rettungsdienste, um mit
minimalem Aufwand tonnenschwere Trümmerstücke oder auch
Flugzeug- und Schiffswracks zu bewegen. Binnen 40 Jahren
baute Selfmademan Vetter in Kerpen einen Betrieb mit 90
Mitarbeitern auf.

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Ein Stück Heimat

Nebenher sammelte Vetter weiter Dill-Bilder. „Das war
natürlich ein Stück Heimat und Erinnerung“, erklärt er seine
Vorliebe für den eher unzeitgemäß und gefällig malenden
Künstler. Als die Wände seines Wohnsitzes Burg Langendorf
nicht mehr ausreichten, reifte der Plan eines Museums.
Neustadt lag nahe, denn auch Otto Dill stammte von dort.
Mit dem 2001 eingerichteten Museum – 160 Bilder auf 320
Quadratmetern Ausstellungsfläche – wirbt die Stadt heute um
Touristen.

In die „Manfred Vetter Stiftung für Kunst und Kultur“ brachte
der Unternehmer 5,5 Millionen Euro ein, davon 2,5 Millionen in
bar. Rund 45. 000 Euro jährlich kostet der Museumsbetrieb.
Mittelfristiges Ziel sind zehn Millionen Euro Stiftungskapital.
„Die Rechnung ist einfach“, warnt Vetter vor zu sparsam
ausgestatteten Stiftungen, „es müssen so viel Zinsen anfallen,
dass die Einrichtungen ordentlich finanziert werden können.“

Frieder Burda glaubt, es werde künftig immer mehr Museen
privater Sammler geben. Die in Zeiten leerer öffentlicher
Kassen ohne finanzielle Hilfe des Staats auskommen müssen.
Manfred Vetter verkaufte 2004 sein Unternehmen: fünf Kinder,
aber kein Nachfolger. Sein Museum wird ihn noch lange
überdauern.

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