Finanzen + Vorsorge Schuldenkrise mit Wucht an Märkten zurück – Sorge über Portugal

Die europäische Union

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Die Unruhe an den Märkten ist wieder aufgeflammt: Die Regierungskrise in Portugal und neue Diskussionen über einen Schuldenerlass für Griechenland schüren die Nervosität. Die Börse in Lissabon bricht ein, die Anleiherenditen schießen nach oben.

An den europäischen Finanzmärkten ist die Schuldenkrise mit Wucht zurückgekehrt. Die Kurse portugiesischer Staatsanleihen gerieten am Mittwoch infolge der schweren Regierungskrise in Lissabon massiv unter Druck. Im Gegenzug stieg der Zinssatz für richtungsweisende zehnjährige Anleihen erstmals im laufenden Jahr wieder über die Marke von sieben Prozent – eine enorme Belastung für das angeschlagene Euroland. Die Nervosität wurde zudem durch die wiederaufflammende Diskussion über einen Schuldenerlass für Griechenland geschürt. Das trug an den wichtigsten Börsen in Europa zu kräftigen Verlusten bei. Auch der Euro geriet unter Druck.

Portugal steht derzeit unter dem Euro-Rettungsschirm und ist deswegen nicht auf die Kreditaufnahme am Anleihemarkt angewiesen. Allerdings will sich das Land im Laufe des nächsten Jahres wieder selbstständig refinanzieren. Die hohe Nervosität der Anleger zeigt, wie stark das Vorhaben von der politischen Stabilität abhängt. Zeitweise sprang die Rendite zehnjährigen Papiere in der Spitze um deutlich mehr als einen Prozentpunkt auf bis zu 7,77 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Mitte November vergangenen Jahres. Der Leitindex an der Börse in Lissabon brach ein.

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Auslöser sind Rücktritte wichtiger Minister in der Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho. Die Mitte-Rechts-Koalition steht nach gut zwei Jahren vor dem Aus: Nur einen Tag nach dem Rücktritt von Finanzminister Vítor Gaspar stellte am Dienstag Außenminister Paulo Portas sein Amt zur Verfügung. Anleihe-Experten der Commerzbank sprachen von Chaos, das einen „äußerst negativen Nachgeschmack hinterlassen dürfte“.

Lage in Griechenland sorgt für zusätzliche Nervosität

Nach Einschätzung der Experten zeigt der rasante Anstieg der Zinssätze die größte Schwäche des Anleihekaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB). Seit Mitte 2012 hatte die EZB mit dem sogenannten OMT-Programm die Panik an den Anleihemärkten eindämmen können, indem sie unbegrenzt Anleihekäufe versprach. Sie verlangte zugleich aber Reformen und Ausgabendisziplin.

Neben Portugal sorgt die Lage im Euro-Krisenland Griechenland für zusätzliche Nervosität bei den Anlegern. Hier machen die öffentlichen Geldgeber Druck, weil es bei der Umsetzung vereinbarter Reformen hapert. Auch die Bundesregierung drängt zu weiteren Reformschritten. Zudem kommt die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) angestoßene Debatte um eine abermalige Schuldenerleichterung für Athen nicht aus den Schlagzeilen.

Neben portugiesischen Anleihen gerieten zur Wochenmitte auch Schuldpapiere der Euro-Krisenländer Spanien und Italien unter Druck. Die Rendite für zehnjährige Papiere aus Spanien stieg um 0,13 Prozentpunkte auf 4,74 Prozent, die Rendite italienischer Titel erhöhte sich um 0,12 Prozentpunkte auf 4,55 Prozent. Dagegen profitierten die als besonders sicher geltenden deutschen Bundesanleihen von der angespannten Lage. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe sank um 0,07 Prozentpunkte auf 1,63 Prozent.

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