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Die Renditen von gebrauchten Lebenspolicen sind für Anleger attraktiv - wenn die Qualität der anbietenden Fonds stimmt.

Thomas M. Pohlig bringt den Erfolg geschlossener Fonds, die auf gebrauchte Lebensversicherungen setzen, auf den Punkt: „Renditen bis zu acht Prozent sind in einer Zeit niedriger Zinsen ein Ergebnis, das
sich sehen lassen kann.“ Mit seiner Meinung steht der Chef der Vermögensverwaltung
Habbel, Pohlig & Partner, die seit zehn Jahren geschlossene Fonds unter die Lupe nimmt,
nicht allein da.

Rund zwei Milliarden Euro legten deutsche Investoren 2006 in Lebensversicherungsfonds
an. Das Angebot ist jedoch für Laien undurchschaubar. Mehr als 30 sogenannte Policenfonds kämpfen derzeit um die Gunst der
Kunden – mit Angeboten aus den USA, Großbritannien und Deutschland. impulse sagt, worauf beim Kauf zu achten ist.

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Verkauf statt Kündigung

Die Konstruktion der Lebensversicherungsfonds ist einfach: Will ein
Sparer seine Police kündigen, muss er hohe Abschläge auf den tatsächlichen
versicherungsmathematischen Wert hinnehmen. Statt zu kündigen, verkauft er den Vertrag an eine auf den Handel mit gebrauchten Policen spezialisierte Firma, die ihm mehr zahlt als die Versicherungsgesellschaft . Diese Firma überweist weiter die Prämien für den Vertrag und streicht am Ende die Versicherungssumme ein – einschließlich der angesammelten Gewinnanteile. Der Policenhändler wiederum verkauft die Verträge an Fondsgesellschaft en, die daraus die Beteiligungspakete für die Investoren
schnüren.

Meist jedoch sammeln die Fondsgesellschaft
en erst das Geld der Anleger ein und gehen dann auf die Suche nach Policen. Blind Pool ist der Fachausdruck für dieses Verfahren, das den Fondsmanagern freie Hand bei der Auswahl der Anlageobjekte lässt. Deshalb ist
die Entscheidung, welcher Fonds gewählt
wird, besonders wichtig. „Denn nur, wer die richtigen Partner hat, kann auf Dauer Gewinne machen“, erläutert Steffen Möller, Chief Executive Analyst der Scope Analysis GmbH, die für impulse die aktuellen Angebote in Bezug auf Finanzkraft der Versicherungsgesellschaften, Lebenserwartung des Verkäufers und
Wirtschaftlichkeit geprüft hat. Spitzenreiter
bei der Rendite sind der in US-Policen
investierende Life Bond 3 mit 8,1 und der in britische Verträge anlegende Prorendita 3 mit 7,7 Prozent.

Den grundlegenden Unterschied zwischen US-, britischen und deutschen Zweitmarktpolicen fasst Analyst Möller so zusammen: „Investoren, die sich für US-Zweitmarktpolicen entscheiden, kennen die Höhe der Summe, die ausgezahlt wird, aber
nicht den Zeitpunkt. Bei deutschen und britischen Policen ist es umgekehrt. Hier steht der Zeitpunkt der Auszahlung fest, jedoch nicht die Höhe der Beträge.“

Ursache dafür sind die unterschiedlichen
Versicherungsgewohnheiten in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Deutschland. Jenseits des Atlantiks werden in erster Linie Policen abgeschlossen, die zahlen,
wenn der Kunde stirbt. Damit steht der von der Versicherung zu zahlende Betrag schon bei Vertragsabschluss fest, jedoch nicht, wann er anfällt. Anders in Europa. Hier sind
meist Renten- und Kapitallebensversicherungen üblich, die zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgezahlt
werden. In welcher Höhe Gewinnbeteiligungen
bis dahin gutgeschrieben werden, ist dagegen ungewiss.

Für Vermögensberater Pohlig sind Zweitpolicenfonds eine sichere Anlage. Zum einen, weil das Risiko aufgrund der Vielzahl von Policen in den einzelnen Fonds breit gestreut ist. Zum anderen, weil in den deutschen und britischen Lebensverträgen Auszahlungen garantiert sind, die auch fällig sind, falls keine Gewinnbeteiligungen ausgeschüttet werden.

„Wer wegen der Rendite ein höheres Risiko nicht scheut, entscheidet sich für amerikanische Zweitmarktfonds“, rät der Wiesbadener. „Anleger, die mehr Wert auf Sicherheit legen, kaufen britische oder deutsche Policen.“ Dabei erzielen Verträge von
der anderen Seite des Ärmelkanals in der Regel höhere Renditen als deutsche, so der Experte. „Denn die englischen Assekuranzen dürfen mehr Geld in Aktien anlegen als die deutsche Konkurrenz.“ Über 20 Prozent des Vermögens sollten Fondsliebhaber jedoch aus Gründen der Diversifikation nicht investieren.

Hinzu kommt: Den Initiatoren von deutschen Policenfonds könnte das 2008 in Kraft tretende Versicherungsvertragsgesetz die Renditen versalzen. Denn die dann vorgeschriebenen höheren Rückkaufwerte und
die Beteiligung der Kunden an den stillen Reserven werden die Kassen der Assekuranzen belasten und die Gewinne schmälern. Doch Gerd A. Bühler vom Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen gibt sich optimistisch: „Der Wert einer Police wird so schon in den ersten Jahren deutlich steigen,
sodass sich ein Kauf für uns früher lohnt als heute.“ Letztlich werden jedoch die Renditen der Policenfonds geringer werden und damit auch die Gewinne der Anleger.

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