Finanzen + Vorsorge „Selbst härteste Regelungen verhindern Exzesse nicht“

Schärfere gesetzliche Regelungen für Managerbezüge? Nach Einschätzung von Gunther Friedl, Professor für Betriebswirtschaftslehre in München, ist dieser Ansatz wenig effizient. Seiner Meinung nach müssen Bezüge vor allem transparenter werden.

Deutschland sollte nach Expertenmeinung auf eine schärfere gesetzliche Regulierung der Managergehälter verzichten. Stattdessen sei es sinnvoller, die neuen Vorschläge der Regierungskommission für gute Unternehmensführung („Corporate
Governance“) umzusetzen, sagte Gunther Friedl, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität München. „Selbst die härtesten Regelungen können Exzesse nicht komplett verhindern.“

Die Pläne der schwarz-gelben Koalition, Beschlüsse der Hauptversammlungen über das Vergütungssystem für die Aufsichtsräte verbindlich zu machen, sieht Friedl aber positiv. „Aus meiner Sicht ist das ein sinnvolles Instrumentarium.“ Bisher waren diese Beschlüsse nicht bindend. Dennoch sei man mit der Einbeziehung der Aktionäre bei der Frage der Managergehälter bereits deutlich weiter als die Schweiz. Dort sollen nach einem Referendum vor drei Wochen die Aktionärsrechte in diesem Punkt nun gestärkt werden.

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Individuelle Deckelungen festlegen

Friedl erstellt regelmäßig Studien zu Managergehältern für die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die von der Regierungskommission erarbeiteten Änderungsvorschläge können aus seiner Sicht für deutlich mehr Transparenz bei der Gehaltsstruktur der Manager und bei der Deckelung von Vergütungen sorgen. Eine solche Deckelung sollte nach Ansicht Friedls für jedes Unternehmen individuell festgelegt werden. „Den Deckel könnte man festmachen an den Bonuszahlungen.“

Hier habe sich aber mittlerweile bereits eingebürgert, Boni auf höchstens die doppelte Höhe eines Fixgehaltes zu beschränken. Dass das Thema bereits bei den Unternehmen angekommen sei, zeige das Beispiel Volkswagen: Nach heftiger Kritik an der Höhe des Gehalts von VW-Chef Martin Winterkorn hatte der Aufsichtsrat des Autobauers eine Neuregelung der Bonuszahlungen beschlossen, auf deren Basis Winterkorn nun weniger Geld für das vergangene Jahr bekommt – der VW-Chef bekommt nach rund 17,5 Millionen Euro für das Jahr 2011 nun
14,5 Millionen Euro.

Pensionszahlungen – „ein Buch mit sieben Siegeln“

Auch in puncto Transparenz sieht Friedl vor allem bei den 30 DAX-Konzernen Fortschritte. Wieviel ihre Vorstände verdienen, lasse sich mittlerweile recht gut aus den Geschäftsberichten herauslesen. „Wenn man in den Indizes weiter runtergeht, dann wird das deutlich schlechter.“ Auch hier böten die Vorschläge der Kommission Verbesserungen.

Wichtig findet Friedl auch den Ansatz, mehr Klarheit bei den Pensionszahlungen zu schaffen, die bisher „ein Buch mit sieben Siegeln“ seien. „Das lässt sich auch für Experten nur schwer beurteilen, was sich da eigentlich an Verpflichtungen dahinter verbirgt“, sagte der Experte. Vergütungs-Exzesse sieht er dann gegeben, wenn die Leistung eines Vorstandsmitglieds in keinem Zusammenhang mehr mit seinem Gehalt stehen. „Also immer dann, wenn offensichtlich Fehlentscheidungen getroffen worden sind, die das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht haben und das Vorstandsmitglied trotzdem hohe Bonuszahlungen erhält.“

Für Fehler persönlich gerade stehen

Andererseits müsse man auch an Unternehmen in Schieflage denken, für die erfahrene Sanierer gebraucht werden. „Denen muss man dann natürlich auch eine Risikoprämie zahlen, weil die natürlich ihren guten Ruf aufs Spiel setzen, wenn es ihnen nicht gelingt, das Unternehmen zu sanieren.“

Friedl findet es zugleich wichtig, Manager für Fehlleistungen stärker in die Pflicht zu nehmen. „Bisher sind die Bonusregelungen so ausgestaltet, dass schlimmstenfalls kein Bonus gezahlt wird. Das sollte man sicher stärker in die Richtung treiben, dass bei einer negativen Entwicklung des Unternehmens der Manager im Prinzip persönlich dafür gerade stehen muss.“

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