Finanzen + Vorsorge So besorgen sich Firmen frisches Geld

Für kleine Mittelständler gibt es attraktive Alternativen zum Kredit: Spezialisierte Beteiligungsgesellschaften steigen schnell und unkompliziert als stille Gesellschafter ein.

Inzwischen kann Harald Gosch wieder ruhig schlafen. Vor gut zwei Jahren war das noch ganz anders: Seine Handwerksfirma Gosch Bau stand kurz vor der Pleite. Wichtige Firmenkunden hatten ihre Aufträge für Rohr- und Kabelleitungen, die Spezialität des Hauses, stark zurückgefahren. Auch auf die Privatkunden war plötzlich kein Verlass mehr, sie orderten kaum noch neue Pflaster für ihre Hauseinfahrten.

In der Folge brach der Umsatz des Familienbetriebs aus Hartenholm in der Nähe von Hamburg dramatisch ein. Und dann, mitten in der Krise, drehte auch noch die Hausbank plötzlich den Geldhahn zu. Gosch hatte keinen Kredit mehr, um Aufträge vorzufinanzieren und wichtige Maschinen anschaffen zu können, erzählt der Firmenchef, während er im grünen Firmenshirt auf seinem Betriebshof steht.

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Goschs größte Furcht: dass in dieser prekären Situation auch noch die Deutsche Telekom, sein wichtigster Kunde, abspringen könnte und ihre Glasfaserkabel künftig von der Konkurrenz verlegen lässt.

Gerade kleine Mittelständler geraten vielfach in solche vertrackten Situationen. Schließlich sind die Banken bei ihnen oftmals besonders zögerlich: Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 1 Mio. Euro berichten dreimal so oft von Problemen bei der Kreditaufnahme wie Firmen mit Einnahmen von mehr als 50 Mio. Euro, ergab eine Umfrage der KfW und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

Der häufigste Grund ist eine dünne Eigenkapitaldecke und ein entsprechend schlechtes Rating – ein Problem, das sich angesichts strengerer Eigenkapitalvorschriften für die Banken („Basel III“), die von 2013 an schrittweise in Kraft treten, weiter verschärfen dürfte. Hinzu kommt: Zahlreiche Alternativen zum Bankkredit, wie etwa Kapital von Private-Equity-Unternehmen, kommen für kleine Unternehmen nicht infrage, weil die benötigten Summen für diese Investoren in der Regel viel zu niedrig sind. Selbst die Mittelstandsfonds der Landesbanken stehen meist erst ab einer Beteiligungssumme von 1 Mio. Euro bereit.

Doch es gibt auch für die Kleinen interessante Angebote. Passende Finanzierungen bieten etwa die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBG) in den Bundesländern an, die sich als stille Gesellschafter an Unternehmen beteiligen. Das Konzept ist einfach: Eine MBG stellt Kapital – mitunter schon ab 25.000 Euro – zur Verfügung, meist für zehn Jahre und ohne dafür Sicherheiten zu verlangen. In manchen Ländern geht es sogar noch eine Nummer kleiner. Die Bayerische Beteiligungsgesellschaft (BayBG) startete im April ein Programm mit der Einstiegssumme ab 10.000 Euro. Das Geld gibt es meist schnell und unkompliziert – dafür ist es teuer. Die Vergütungen liegen über den banküblichen Kreditzinsen.

Für Handwerker Harald Gosch war die MBG Schleswig-Holstein die Rettung in der Not. Der Finanzierer, an dem unter anderem die Dachverbände der Sparkassen und Volksbanken sowie die Commerzbank beteiligt sind, investierte Anfang des vergangenen Jahres 88.000 Euro in das Unternehmen. Mit Erfolg: Dank der Geldspritze meisterte der Handwerksbetrieb das maue Geschäft, ausgelöst durch die Wirtschaftskrise, und wuchs auch noch kräftig. Heute stehen auf dem Firmenhof ein neuer Transporter und die dringend benötigten Spezialmaschinen für den Kabelleitungsbau. „Außerdem haben wir sechs neue Mitarbeiter eingestellt“, erzählt der Firmenchef. Auch der Gewinn ist um gut 50 Prozent gestiegen.

Und das trotz der fälligen Zinsen für den Kapitalgeber. Harald Gosch zahlt ein jährliches Fixum von neun Prozent und zusätzlich eine gewinnabhängige Vergütung von weiteren drei Prozent pro Jahr.

Win-win-Situation
Die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften unterstützen Firmen in ihrem Bundesland. Sie investieren bis zu 15 Jahre lang bis zu 2,5 Mio. Euro. Die Tabelle zeigt eine Auswahl; die vollständige Übersicht unter: www.bvkap.de. Daneben gibt es private Geldgeber wie die HCM Handwerk Capital Management.
Anbieter Beteiligungshöhe Zielgruppe Konditionen Laufzeit
BTG Hamburg keine Untergrenze alle Branchen feste Vergütung: 9,0 Prozent p. a.*, gewinnabhängige Vergütung: 3,0 Prozent p. a.*** i. d. R. 10 Jahre
BayBG ab 10.000 Euro etablierte Handwerks-, Handels- und Gewerbebetriebe, die seit mindestens 5 Jahren auf dem Markt sind feste Vergütung: 8,0 Prozent p. a.*, gewinnabhängige Vergütung: 1,0 Prozent p. a.* 10 Jahre
MBG Baden-Württemberg ab 25.000 Euro alle Branchen feste Vergütung: zwischen 6,25 und 11,0 Prozent p. a.*, je nach Bonität; gewinnabhängige Vergütung: zwischen 1,75 und 3,0 Prozent p. a.* max. 10 Jahre
MBG Schleswig-Holstein ab 25.000 Euro etablierte Handwerks-, Handels- und Gewerbebetriebe, in der Regel älter als drei Jahre feste Vergütung: 9,0 Prozent p. a.*, gewinnabhängige Vergütung: 3,0 Prozent p. a.* 10 Jahre
Handwerk Capital Management ab 10.000 Euro alle Branchen feste Vergütung: 12 Prozent p. a.*, gewinnabhängige Vergütung: 1 bis 2 Prozent p. a.** 5 Jahre

* auf das eingesetzte Beteiligungskapital; ** auf die zu erwartenden durchschnittlichen Jahresergebnisse; *** auf 50 % des Gewinns, maximal jedoch 3 % der Einlage; Quelle: eigene Recherche

Doch an anderer Stelle sinken die Kosten. Denn die Banken werten eine stille Beteiligung als Eigenkapital. Die Firmen, die sich auf diese Weise einen Gesellschafter ins Haus holen, verbessern somit ihr Rating und zahlen oft weniger für laufende Darlehen. So überweist Gosch für seinen Kontokorrentkredit jetzt nur noch knapp zehn statt 14,5 Prozent Zinsen bei seiner Hausbank. Inzwischen erhielt er auch einen zweiten Kontokorrentkredit von einer anderen Bank. Kein Wunder, sondern Ergebnis seiner besseren Eigenkapitalausstattung. Dank der MBG-Beteiligung stieg Goschs Eigenkapitalquote auf üppige 50 Prozent.

Das Modell fordert Disziplin

Zudem schont das Modell die Liquidität, wenigstens zunächst. Unternehmer müssen meist erst ab dem sechsten Jahr oder am Ende der Laufzeit zurückzahlen: „Der Kapitaldienst ist oft niedriger als bei Fremdkapital“, sagt Gerd-Rüdiger Steffen von der MBG Schleswig-Holstein. Und falls es dennoch nicht reicht? „Dann besteht die Möglichkeit, die Beteiligung um fünf Jahre zu verlängern, mit jährlicher Tilgung.“ Allerdings sollten die Unternehmer nach einiger Zeit diszipliniert Geld zurücklegen, um das Kapital zurückzahlen zu können, rät Steffen. Damit sich am Ende nicht plötzlich wieder ein neues Finanzloch auftut.

Was viele Unternehmer besonders schätzen: Sie müssen der MBG kein Mitspracherecht bei der Führung des Unternehmens einräumen. Stille Beteiligungen seien für Unternehmer attraktiv, „die sich nicht ins Handwerk pfuschen lassen wollen“, sagt Birgit Felden, Vorstand der auf den Mittelstand spezialisierten Unternehmensberatung TMS. Es handle sich um ein „tolles Konzept“, dessen Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft sei.

Schnelles Geld, ein besseres Rating, kein Machtverlust – diese Vorteile locken immer mehr Unternehmer. Allein im ersten Quartal sind mehr als 20 Anfragen für Beteiligungen bis zu 100.000 Euro auf den Tischen der Sachbearbeiter der MBG Schleswig-Holstein gelandet. Im vergangenen Jahr bewilligten die Kieler bereits 32 Antragstellern Kapitalspritzen von durchschnittlich 60.000 Euro.

Private Anbieter fordern mehr

Auch Herbert Grunwald entschied sich aus diesen Gründen für eine stille Beteiligung, als er mit seinem Unternehmen Aqua-Protect, einem Spezialisten für die Sanierung von Trinkwasserleitungen, expandieren wollte. 250.000 Euro brauchte er, unter anderem für den Kauf zuvor teuer geleaster Geräte und einen neuen Vertriebsmitarbeiter.

Doch er wollte nicht die komplette Summe von der Hausbank leihen. Also besorgte er sich den Rest Anfang 2012 kurzerhand von der MBG Baden-Württemberg. Für die von Bund und Land geförderte Gesellschaft habe er sich ganz bewusst entschieden, sagt der 62-jährige Unternehmer: „Die MBG war in den Konditionen günstiger als die anderen Anbieter.“

Neben den Finanziers der Länder gibt es auch einige private Kapitalgeber, die sich schon mit fünfstelligen Summen engagieren. Allerdings fordern sie für stille Beteiligungen häufig höhere Vergütungen. So berechnet etwa die HCM Handwerk Capital Management aus Quickborn, die Unternehmen Summen ab 10.000 Euro zur Verfügung stellt – meist für fünf Jahre -, ein jährliches Fixum von zwölf Prozent. Hinzu kommen eine Gewinnbeteiligung von ein bis zwei Prozent sowie bis zu 3000 Euro für einen Businessplan, der mit der Finanzierungsgesellschaft erstellt wird – oft die Voraussetzung für den Einstieg des privaten Gesellschafters.

Dennoch läuft das Geschäft von HCM-Geschäftsführer Franco Ottavio Mathias: „Wir kriegen pro Tag ein bis zwei Anträge rein“, sagt er: „Die Unternehmen haben ordentlich zu tun, aber sie kriegen es oft nicht finanziert.“ Zu den hohen Konditionen erklärt er: „Wir sind ja nicht der Messias. Wir wollen Geld verdienen.“

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 07/2012.

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