Finanzen + Vorsorge So gibt’s ein Happy End

Mezzanine-Kapital ist immer nur auf Zeit verliehen. Wie Unternehmer den Ausstieg planen.

Rund zwei Millionen Euro legte die West-LB dem
Wärmepumpenbauer Klemens Waterkotte im vergangenen Jahr
für den Ausbau seines Unternehmens auf den Tisch.
Mezzanine-Kapital, das er ähnlich frei investieren kann wie
Firmengelder – und das sogar in der Bilanz zu den
Vermögenswerten zählt.

Trotzdem fühlt Waterkotte sich eher wie ein Schuldner, der
einen Tilgungsplan erfüllen muss. „Ich lege regelmäßig Geld
zurück“, erklärt der Firmenchef, der einen Betrieb mit rund 100
Mitarbeitern führt. Denn er weiß: Kurz nach dem Jahreswechsel
2013 fordert die Bank das Kapital zurück. „Und dann will ich
nicht mit leeren Händen dastehen.“

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Mezzanine-Kapital, wie es Waterkotte von seiner Bank bekam,
ist immer nur ein Angebot auf Zeit. Das Geld steht
üblicherweise für sieben Jahre zur Verfügung. Danach ist
Zahltag – und der lässt sich in der Regel auch nicht verschieben.
Schließlich stecken hinter den meisten aktuellen Angeboten
Fonds, deren Investoren nach derselben Zeit ihr Geld
wiedersehen wollen – möglichst gut vermehrt und ohne weitere
Verzögerung.

Vor drei Jahren kamen solche Angebote gerade für kleinere
Unternehmen auf den deutschen Markt. Seither sind über drei
Milliarden Euro in den Mittelstand geflossen – aus Fonds, hinter
denen entsprechend starre Konstruktionen stecken. „Die
Laufzeit ist bei solchen Standardangeboten nicht verhandelbar“,
bestätigt Stephan Klier, der den Geschäftsbereich Mezzanine-
Finanzierungen bei der Dresdner Bank leitet. Und die Mittel
werden von heute auf morgen fällig gestellt.

Wenig Spielraum am Ende

„Wer das Geld dann nicht in der Kasse hat, kann große
Schwierigkeiten bekommen“, warnt Experte Klier. Denn
während die Anbieter beim Einstieg „geduldige“ Eigenmittel
versprechen, welche die Bilanz schonen und Investitionen
erleichtern, ist ihr Spielraum am Vertragsende begrenzt.

Mittelstandsberater Hans Oswald Mattern aus Olfen im
Münsterland, der bereits mehrere Unternehmen bei der
Aufnahme von Mezzanine-Kapital betreut hat, beurteilt die
neuen Angebote daher mit gemischten Gefühlen: „In den
ersten Jahren halten sich die Geldgeber weitgehend aus dem
Tagesgeschäft raus“, sagt er. „Wenn das Ende naht, kann der
Ton rauer werden.“

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Chefs müssten daher das Geld festhalten, das sie mithilfe von
mezzaninem Kapital verdienen. Neben dem Liquiditätsengpass
droht dann möglicherweise auch noch ein Schuldenloch in der
Bilanz – denn ein Jahr vor Fälligkeit verliert das Mezzanine-
Kapital in der Regel seinen Eigenkapitalcharakter. Im Extremfall
kann das die Existenz des Unternehmens gefährden. Wer sich
vor solchen Risiken schützen will, sollte konsequent sparen –
ganz ähnlich wie bei einem Darlehen, das nicht jährlich,
sondern komplett am Ende zu tilgen ist.

Zudem lohnt es, frühzeitig mit Banken oder anderen
Mezzanine-Anbietern über Anschlussfinanzierungen zu
verhandeln, sodass neues Geld in die Kasse kommt, sobald das
alte fällig wird. Wer schließlich Gefallen an der Zusammenarbeit
mit fremden Investoren gefunden hat, kann auch über einen
Teilverkauf der Firma nachdenken. Dann folgt dem zeitlich
eingeschränkten womöglich unbegrenztes Eigenkapital.

Auch Wärmepumpenbauer Klemens Waterkotte hat schon
einmal bei der West-LB gefragt, ob sie dem jetzigen Vertrag
vielleicht ein neues Mezzanine-Angebot folgen lässt. Zugleich
zahlt er die Tranche im Geiste schon mal ab. „Ich kann einfach
besser schlafen, wenn ich weiß, dass ich im Ernstfall genügend
Geld zusammen habe“, sagt der Ingenieur.

Sein Fazit: Langfristig können Mezzanine-Finanzierungen
Eigenkapital nicht ersetzen. „Doch als Anschubfinanzierung für
wachsende Firmen sind sie bestens geeignet“, sagt Waterkotte.

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