Finanzen + Vorsorge Stabwechsel beim Bankenverband

EZB - Frankfurt am Main - Deutschland

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main.© VRD - Fotolia.com

Co-Chef der Deutschen Bank und bald auch Vertreter der Privatbanken in Deutschland: Jürgen Fitschen übernimmt eine weitere Aufgabe. Baustellen hat sowohl die Bank als auch die Branche derzeit genug.

Die deutsche Bankenbranche bekommt ein neues Sprachrohr: Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, übernimmt an diesem Montag (15.4.) das Präsidentenamt beim Bundesverband deutscher Banken (BdB). Damit stellt Deutschlands größtes Geldinstitut für die nächsten drei Jahre wieder den Chef-Lobbyisten der privaten Banken in Deutschland.

Der Niedersachse Fitschen (64) will Banken zurück in die Mitte der Gesellschaft holen. „Kulturwandel“ nennen sie das Projekt Vertrauensgewinn in den Frankfurter Zwillingstürmen der Deutschen Bank, in denen Fitschen seit Juni 2012 gemeinsam mit dem Investmentbanker Anshu Jain die Fäden zieht.

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Zugleich will der Dax-Konzern weiter auf der internationalen Bühne mitspielen und gut verdienen. Dass das ein Balanceakt ist, haben die vergangenen Monate gezeigt: Bei einer Steuerrazzia zum Handel mit Verschmutzungsrechten kurz vor Weihnachten geriet auch Fitschen ins Visier der Justiz, höhere Rücklagen für Altlasten in den USA ließen den ohnehin mageren Jahresüberschuss 2012 schrumpfen.

Um Ausgleich bemühen kann sich Fitschen als BdB-Präsident auch beim Thema Regulierung. Angesichts der Flut neuer Vorgaben für die Branche hatte er beklagt, er habe das Gefühl, „dass es zurzeit ein bisschen wenig Bereitschaft gibt, die richtige Balance zu finden“.
Sein dichtes Netz in Wirtschaft und Politik könnten dem langjährigen Firmenkundenchef der Deutschen Bank helfen, das zu ändern.

Fitschen folgt beim Bankenverband auf Andreas Schmitz. Der Vorstandssprecher der Düsseldorfer Privatbank HSBC Trinkaus hatte die BdB-Präsidentschaft im März 2009 von Commerzbank-Manager Klaus-Peter Müller übernommen. Mitten in der Finanzkrise riss sich damals niemand um den Job: Müller musste den Verband ein Jahr länger repräsentieren, weil sich zunächst kein Nachfolger fand. Auch Schmitz blieb länger – nach Verbandsangaben, um die Neuaufstellung mit dem neuen Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer bis zum Abschluss zu begleiten.

Fitschens Amtsübernahme könnte die traditionell gewichtige Rolle der Großbanken wieder stärken. Vor dem Commerzbanker Müller stand der langjährige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer an der Spitze des Verbandes, der heute 210 Institute vertritt – von der Großbank, über Privatbankiers bis zu Auslandsbanken.

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