Finanzen + Vorsorge Starthilfe für die Messe-Premiere

Mit Geld und guten Ratschlägen wollen Bund, Länder und Messegesellschaften Erstaussteller locken - doch viele Newcomer wissen gar nichts davon.

Als Thomas Langenberg vor gut zwei Jahren am Startup-Wettbewerb der Cebit teilgenommen hatte, beschloss er, schon bald auf der weltgrößten Messe für Informationstechnik auszustellen. Halalati heißt die Firma, die er kurz vorher mit Studienkollegen gegründet hatte; die Firma entwickelt Gewinnspielprogramme für Facebook. Beim „Innovators‘ Pitch“ der Großmesse erklärten die Gründer 2010 ihr Geschäftsmodell. Und nahmen die Erkenntnis mit: „Vor-Ort-Kontakte sind in diesem Markt unerlässlich.“

Der Schritt zum ersten Stand fiel Langenberg und seinen Kollegen leicht. Denn sie entdeckten das Messeförderungsprogramm des Bundes für junge innovative Unternehmen. „Wir hatten schon ein Gründerstipendium bekommen und dachten, da gibt es doch bestimmt noch mehr“, erzählt Langenberg. Auf der Webseite des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle wurde er fündig: „Wir haben einfach den Antrag heruntergeladen und ausgefüllt.“

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Ein Volltreffer: Nur 600 Euro kostete Halalati der Stand, 2800 Euro schoss der Bund zu. Weil sich Langenberg zusätzlich darum bemühte, dass eine „Guided Tour“ Station bei ihm machte, herrschte am Stand reger Andrang. „Zweimal am Tag wurden Gruppen mit 24 Unternehmen zu uns geführt“, sagt Langenberg. „Und das völlig kostenlos.“

Es ist genug für alle da

Langenbergs Erfahrungen zeigen: Wer sich kümmert, kommt preiswert zum Messestand – und kann noch jede Menge weiterer Hilfen mitnehmen. Die Konkurrenz ist überschaubar, da manche Angebote so unbekannt sind, dass mehr Geld zur Verfügung steht als abgerufen wird. Kerstin Scheffler, Referentin für Ausstellerförderung beim Messedachverband Auma, rät: „Jeder sollte die Chancen nutzen, die Fördermittel bieten.“

Vor allem für Messepremieren liegt Geld bereit: Neben dem Innovationsprogramm des Bundes existieren in den meisten Bundesländern ähnliche Angebote für die Beteiligung an deutschen Messen. Wer sich auf eine Auslandsmesse wagt, kann auf Gemeinschaftsständen unterkommen, Veranstalter und Standbauer buhlen mit Komplettpaketen und Coachings um neue Kunden.

Teilweise starten sie sogar zu regelrechten Werbeoffensiven, um ihre Hallen mit Neulingen zu füllen. So wunderte sich Steffi Plikat, die mit ihrem Modelabel Peppa Grace Bettwäsche und Vorhänge entwirft, als sie auf der Hamburger Designmesse Early Bird von einer Mitarbeiterin der Messegesellschaft Frankfurt angesprochen wurde. Ob sie nicht Lust hätte, sich im Januar 2012 auch auf der Weltleitmesse Heimtextil zu präsentieren, wollte die Werberin wissen. Die Messe stellt rabattierte Messeplätze in exklusiver Lage bereit und hilft bei der Pressearbeit.

Für Plikat kam das Angebot zur richtigen Zeit: „Ich habe ja noch nie auf einer so großen Messe ausgestellt. Da kommen ganz banale Fragen auf, zum Beispiel, welchen Teppich man in so einem Messestand am besten verlegen lässt.“ All das ist inzwischen gelöst: Ab 11. Januar zeigt Plikat im Bereich „New@More“ für kleines Geld ihre neue Kollektion.

Das erste Mal ist umsonst

Bei manchen Veranstaltungen gehen die Messegesellschaften noch weiter: So können sich auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente Nachwuchsdesigner im Bereich „Talents“ sogar völlig kostenlos präsentieren, in anderen Städten sind ähnliche Angebote zu finden.

Wer wie Andreas Meyer, Geschäftsführer des Schokoladenherstellers Vivani, auf Messen im Ausland sein Glück versuchen möchte, hat wiederum die Chance auf einen Platz beim Auslandsmesseprogramm des Bundes. Hauptvorteil hier: Steht auf der Messe ein Gemeinschaftsstand, wird für die Teilnehmer in der Ferne fast alles vorbereitet. So reiste Meyer jüngst zur Messe Biofach ins indische Bangalore, mit seiner Schokolade im leichten Fluggepäck. Der Stand war bereits vollständig eingerichtet, inklusive deutschsprachiger Leitung.

Geld gibt es für Auslandsmessen zwar nicht, aber die Förderung kommt den Unternehmen indirekt zugute. Neben der Organisation vor Ort können die Aussteller mit vergünstigten Plätzen auf dem Gemeinschaftsstand rechnen. Nicht nur der Bund stellt Stände in aller Welt bereit: Auch hier sind wieder viele Bundesländer aktiv.

Platz Da! Wo Messeneulinge Geld bekommen
Der erste Auftritt ist dem Staat und vielen Messeveranstaltern eine Menge Geld wert. Die wichtigsten Fördertöpfe von Bund, Ländern und Veranstaltern im Überblick:
Bund: Inland Bis zu 80 Prozent der Kosten für Miete und Standbau erstattet das Messeprogramm für junge innovative Unternehmen, das 2007 startete. Voraussetzung: Die Firma darf höchstens zehn Jahre alt sein, gefördert werden außerdem nur Gemeinschaftsstände. Vom Bund kommen auf Antrag und gegen Beleg 500 bis 7500 Euro pro Messe zurück. www.bafa.de
Bund: Ausland Für die Teilnahme an Auslandsmessen gibt es kein Geld, aber indirekte Hilfen. All jene Unternehmer, die sich einem der 263 Gemeinschaftsstände des Bundes anschließen, bekommen den Standplatz zum Festpreis, außerdem organisatorische und technische Unterstützung. Wer mitwill, sollte sich spätestens sechs Monate vor Messebeginn bewerben, das erhöht die Chancen. www.bafa.de
Ländertöpfe Alle Bundesländer außer Hamburg und Schleswig-Holstein bieten ebenfalls Förderprogramme für Messen in Deutschland an. Bei der Auslandsmesseförderung gibt es von sämtlichen Bundesländern Angebote. Teilnehmen können immer nur Firmen aus dem jeweiligen Land. www.auma.de
Veranstalter Messegesellschaften bieten für einzelne Messen oft vergünstigte oder gar kostenlose Stände für Erstaussteller an. Tipp: Möglichst schon sechs Monate im Voraus direkt beim Veranstalter nachfragen: Gerade kostenlose Gemeinschaftsstände sind begehrt.
Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 01/2012.

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