Finanzen + Vorsorge Stiftung Warentest kritisiert „Abzocke mit Dispozinsen“

Die Stiftung Warentest hat die Dispozinsen von 1538 Banken ermittelt.

Die Stiftung Warentest hat die Dispozinsen von 1538 Banken ermittelt.© Stiftung Warentest

Wer sein Girokonto überzieht, zahlt bei der einen Bank nur 4,2 Prozent Zinsen, bei der anderen 14,75. Dabei leihen sich die Banken das Geld zur Zeit fast umsonst.

Viele Banken verlangen von ihren Kunden laut Stiftung Warentest noch immer überhöhte Dispozinsen. Wer sein Girokonto überzieht, zahlt bis zu 14,75 Prozent Zinsen, ergab ein Vergleich für die Zeitschrift „Finanztest“. Besonders Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken im ländlichen Raum nutzten ihre Monopolstellung aus und schröpften die Kunden, kritisierte Stiftungsvorstand Hubertus Primus am Dienstag in Berlin. „Die größten Abzocker sind ausgerechnet die Kleinsten.“

Die Tester verglichen die Konditionen von 1538 Banken und stießen auf große Unterschiede. Der günstigste Anbieter verlangte für den Dispo 4,2 Prozent. Der Durchschnitt lag bei 11,31 Prozent. Die Stiftung hält Dispozinsen von deutlich unter 10 Prozent für angebracht. „Es gibt kaum Verbraucher, die den Dispo nicht zurückzahlen“, sagte Primus, die Ausfallquote liege bei 0,2 Prozent.

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Nach der Untersuchung lässt auch die Transparenz der Banken zu wünschen übrig. Nur gut ein Viertel antwortete der Stiftung, bei den meisten Geldhäusern mussten die Tester persönlich erscheinen, um nachzufragen – und bekamen selbst dann nicht immer Antwort. In vielen Fällen habe es keinen Preisaushang in der Filiale oder auf der Website gegeben, kritisierte Primus.

„Banken haben Verbraucher als billige Geldquelle entdeckt“

„Die Banken haben den Verbraucher als billige Geldquelle entdeckt.“ Denn sie bekämen das Geld viel billiger. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank hat aktuell ein Rekordtief von 0,5 Prozent erreicht. Untereinander liehen sich die Banken das Geld für 0,22 Prozent.

Die Bundesregierung forderte die Institute auf, das „Zinsversteckspiel“ zu beenden. Ein Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums erinnerte an die Zusage der Branchenverbände vom Juni, die Höhe der Dispozinsen für alle Verbraucher transparent  ins Netz zu stellen. „Den Ankündigungen müssen Taten folgen – und zwar ohne Ausnahme.“

Bankenverbände reagierten unterschiedlich auf die Untersuchung

Der Bundesverband deutscher Banken sprach von einem guten Ergebnis für die privaten Banken. Vertreter von Volksbanken und Sparkassen kritisierten dagegen, der Zinsvergleich lasse die Berechnungsgrundlagen der Geldhäuser außer Acht. Die jederzeit verfügbaren Dispokredite verursachten höhere Kosten als andere Kredite.

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