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Neue Rechte für Kunden – das verspricht die EU- Vermittlerrichtlinie. Was Unternehmer erwarten können.

„Vom 22. Mai an gehen die Uhren beim Versicherungsverkauf
anders“, prophezeit Herbert Löffler, Vorstand im Ergo-Konzern,
dem zweitgrößten Versicherungsunternehmen Deutschlands.
Dann tritt die Vermittlerrichtlinie der Europäischen Union in
Kraft. Sie schreibt den Policenverkäufern umfassende Beratung
ihrer Kunden ins Stammbuch.

Insbesondere Firmenchefs, deren Versicherungsschutz für das
Unternehmen meist individuell zusammengestellt werden
muss, können von ihrem Versicherungsmakler oder anderen
Assekuranzexperten mehr erwarten als bisher. „Eine in
regelmäßigen Abständen vorgenommene Risikoanalyse wird zur
Pflicht für jeden gewissenhaften Makler“, erläutert Hans-Ludger
Sandkühler, Vorstand beim Bochumer Institut der
Versicherungsmakler (IVM), dem in erster Linie Vermittler mit
mittelständischer Kundschaft angehören. Unterlaufen dem
Makler bei der Beratung Fehler, haftet er. Nach dem neuen
Recht hat der Unternehmer nun erstmals einen direkten
Anspruch auf den Ersatz von Schaden. „Und dieser lässt sich
jetzt leichter nachweisen als jemals zuvor“, so Sandkühler.

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Beratungsprotokoll hilft

Denn zu jedem Gespräch über mögliche Versicherungen gehört
nach neuem Recht ein Beratungsprotokoll. Darin werden die
Gründe für die Wahl beziehungsweise das Unterlassen des
Versicherungsschutzes für jedes einzelne Risiko erfasst und
sowohl vom Firmenchef als auch vom Vermittler
unterschrieben. Anhand dieser umfassenden Dokumentation
lässt sich dann im Ernstfall schnell feststellen, ob der Vermittler
falsche oder unzureichende Policen verkauft hat.
Auch Unternehmern, die feststellen, dass Mitbewerber
beispielsweise bei vergleichbaren Risiken höhere Rabatte
erhalten, hilft ein Blick in die Protokolle. Diese können dann
Anlass für ein neues Gespräch mit dem Versicherungsmakler
sein.

Doch was nützt ein Anspruch auf Schadenersatz, wenn beim
Vermittler, der falsch beraten hat, nichts zu holen ist? Bisher
konnte das durchaus passieren. Zumal sich jeder, der Policen
verkaufen wollte, Versicherungsmakler oder -vermittler nennen
durfte. Die EU-Vermittlerrichtlinie sorgt jetzt für klare
Verhältnisse. „Wer mit Versicherungen sein Geld verdienen
will“, erläutert Carlos Reiss, Geschäftsführer des renommierten
Versicherungsmaklers Hoesch & Partner in Frankfurt, „muss
eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung
abschließen.“ Als Mindestsummen hat der Gesetzgeber eine
Million Euro pro Schaden und 1,5 Millionen Euro pro Jahr
vorgegeben. „Firmenchefs, die hohe Werte versichern wollen“,
rät Reiss, „sollten darauf bestehen, dass ihr Assekuranzexperte
größere Summen abgeschlossen hat.“

Doch damit nicht genug der neuen gesetzlich vorgeschriebenen
Sicherheitsmaßnahmen für Versicherungskunden.
Unternehmer können demnächst schon vor der ersten
Kontaktaufnahme mit ihrem Versicherungsexperten feststellen,
ob er über ein Mindestmaß an Fachwissen verfügt. Denn ohne
einen entsprechenden Nachweis ist die nach dem neuen Gesetz
obligatorische Registrierung bei der zuständigen Industrie- und
Handelskammer nicht möglich. Eine entsprechende Übersicht
steht ab Ende Mai 2007 im Internet unter www.impulse.
de/vermittler
).

Neu ist zudem, dass Makler gegen Honorar beraten dürfen. „So
können Firmenchefs ihre bestehenden Verträge prüfen lassen,
ohne den Versicherer zu wechseln“, sagt Maklerchef
Sandkühler. Kommt es doch zu einem neuen Abschluss, wird
das Honorar mit der Provision verrechnet.

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