Finanzen + Vorsorge Trügerischer Schutz

Der Fall Heros zeigt: Trotz Versicherung drohen Geschäftspartnern herbe Verluste. Wie Firmenchefs Risiken begrenzen.

Der Schock für viele deutsche Einzelhändler
kam Anfang des Jahres.
„Wir betrachten die Transport-
Police für das Heros Geldtransportunternehmen
als von Anfang an
ungültig“, erklärte Jürgen Wörner,
Sprecher der Mannheimer Versicherung
am 11. Januar.

Betroffenheit
nicht nur bei den Großen der Branche
wie Lidl oder Rewe, sondern auch bei
vielen Inhabern selbständiger Edeka-
Läden, die den Transport- und Geldzählservice
von Heros genutzt haben.
Nach der betrügerischen Pleite der Hannoveraner Firma hatten sie fest
mit einer Entschädigung von der Versicherung
gerechnet.
„Ich halte es nicht für vertretbar,
dass eine auch gegen Veruntreuung
abgeschlossene Police nicht mehr gelten
soll, weil das Management betrogen
hat“, erklärt Georg Bräuchle, Geschäftsführer des international tätigen
Versicherungsmaklers Marsh GmbH,
der die Policen für den Geldtransporteur
vermittelt hatte.

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Der Streit zwischen Einzelhändlern
und Versicherung beschäftigt
nun die Gerichte in Hannover und
Hamburg. „Bis da eine Entscheidung
gefallen ist, können Jahre vergehen“,
prophezeit Carlos Reiss, Geschäftsführer
des Frankfurter Versicherungsmaklers
Hoesch und Partner.
Entsprechend lange müssen die Firmen
auf ihr Geld warten – falls die
Gerichte es ihnen zugestehen.

Versicherungs-Check

Doch wie können sich Firmenchefs
vor solchen Ausfällen schützen? Standard-
Bonitätsauskünfte von Creditreform
und Co reichen nicht aus.
„Unternehmer sollten selbst aktiv
werden“, rät Experte Reiss. Firmenchefs,
die bei größeren Aufträgen auf
Nummer sicher gehen wollen, müssen
im ersten Schritt prüfen, ob und
in welchem Umfang der Geschäft spartner
versichert ist. Das gilt
vor allem bei einmaligen Aufträgen
und grundsätzlich bei Großaufträgen.
„Wenn eine schriftliche Ermächtigung
des Versicherungsnehmers vorliegt,
dokumentieren wir auf Anfrage
eines Kunden, welchen Versicherungsschutz
sein Lieferant, Handwerker
oder Anwalt abgeschlossen
hat“, sagt Josef Lölsberg, Leiter der
Fachbereiche Industrie- und Firmenkunden
beim Axa-Konzern.

Ist der
Schutz unzureichend, muss er verbessert
werden. „Solche Summenerhöhungen
sind unproblematisch“, berichtet Jo Müller, bei der Allianz für
den Bereich Vermögensschadenhaftpflicht (Firmen) zuständig. Aber:
„Meist muss der Kunde und nicht die
ausführende Firma die dadurch entstehenden
zusätzlichen Kosten übernehmen
„, so der Münchner.

Gesetzlicher Schutz

Besser dran sind Unternehmer, wenn
sie mit Rechtsanwälten, Steuerberatern,
Architekten, beratenden Ingenieuren
oder Versicherungsvermittlern
zu tun haben. Denn die erhalten
ihre Zulassung nur, wenn sie ihrer
Kammer oder dem Gewerbeaufsichtsamt
eine Haftpflichtpolice vorlegen,
die Kunden bei falscher Beratung
schützt. Ein weiterer Vorteil:
Eine Zahlungsverweigerung der Versicherung,
wie im Fall Heros, ist nicht
möglich. „Nach dem Versicherungsvertragsgesetz
muss eine Pflichtversicherung
immer bis zur gesetzlich
festgelegten Summe zahlen, wenn berechtigte
Ansprüche bestehen – auch
wenn die Police beispielsweise wegen
vorvertraglicher Verletzungen ungültig
ist“, erläutert Ben Fischer von der
Bundesanstalt für Finanzdiensleistungsaufsicht
(Bafin) in Bonn.

Allerdings sind die gesetzlich vorgeschriebenen
Summen nicht allzu
hoch. So gelten für Anwälte gerade
einmal 250.000 Euro als Untergrenze.
Deshalb sollten sich Firmenchefs
auch bei Mitgliedern der beratenden
Berufe nach der Höhe der Versicherung
erkundigen.

Wer als Unternehmer ganz auf
Sicherheit setzen möchte, kann eine
Firmenrechtsschutzpolice abschließen.
„Haftpflichtversicherungen versuchen
oft erst einmal, den Schaden
abzuwehren“, so Versicherungsmakler
Reiss. „Mit dem Rechtsschutz können
Unternehmen sich dann auch auf
langwierige und teure Prozesse mit
den Assekuranzen einlassen.“

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