Finanzen + Vorsorge Mangelhafte Information bei Vermögensanlagen

Hotels, Schiffe oder Solarparks: Für viele Projekte sammeln Fonds das Geld ein. Anlegern sollte ein neuer Beipackzettel die Übersicht erleichtern. Doch nach einem Jahr ziehen Verbraucherschützer eine ernüchternde Bilanz.

 

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Wer sein Geld in Vermögensanlagen stecken will, erhält auf den neuen Beipackzetteln der Anbieter nur unzureichende Informationen. Das ergab eine Untersuchung der Stiftung Warentest und des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv). Von 24 Informationsblättern erfüllte demnach keines die gesetzlichen Anforderungen. „Viele juristische Wortfloskeln, wenig Informationen, die Inhalte sind viel zu allgemein gehalten, Geschäftsrisiken werden nur vage beschrieben“, sagte Studienleiter Stephan Kühnlenz am Dienstag in Berlin.

Die dreiseitigen Vermögensanlage-Informationsblätter (VIB) sind seit knapp einem Jahr vorgeschrieben. Kunden erhalten sie zusätzlich zum bis zu 200 Seiten langen ausführlichen Prospekt. Für geschlossene Fonds, Genussrechte, Namensschuldverschreibungen und stille Beteiligungen sollen die Beipackzettel auf höchstens drei DIN-A4-Seiten die Anlagestrategie erklären sowie die Risiken, Kosten und die Provision für den Vermittler durchschaubar machen.

Kaufnebenkosten häufig verschwiegen

Die Verbraucherschützer fanden anderes: Werbende Bilder zu einem Hotelfonds – aber keine Angaben zum Standort und zur Auslastung, ein Solarparkfonds-Beipackzettel ohne Angaben zur erwarteten Stromproduktion, ein Immobilienfonds, der ausschließlich mit steigenden Mieten rechnet. Häufig würden auch Kaufnebenkosten wie Maklergebühren und Notarhonorare verschwiegen, sagte Kühnlenz. „Aus der Qualität des Informationsblatts lässt sich nicht schließen, ob eine Anlage etwas taugt.“

Der Verband Geschlossene Fonds hob hervor, seine Empfehlungen für die Beipackzettel richteten sich nach den gesetzlichen Vorgaben. „Das VIP hat aber nicht den Anspruch, den Verkaufsprospekt komplett abzubilden“, betonte Hauptgeschäftsführer Eric Romba. „Er ist eine Grundlage, um beispielsweise zwei Angebote zu vergleichen.“ Maßgeblich bleibe der detaillierte Prospekt. Romba bot den Verbraucherschützern aber Gespräche über Verbesserungen an.

vzbv: Bei 50 bis 70 Prozent der geschlossenen Fonds haben Anleger Geld verloren

„Die Produkte brauchen einen klaren Warnhinweis“, forderte Dorothea Mohn, Anlageexpertin der Verbraucherzentralen – nach dem Vorbild der Gesundheits-Warnhinweise auf Zigarettenschachteln. Bei 50 bis 70 Prozent der geschlossenen Fonds, die in den letzten zwanzig Jahren aufgelegt worden seien, hätten die Anleger Geld verloren.

Nach Branchenangaben verwalten geschlossene Fonds in Deutschland knapp 195 Milliarden Euro. Finanziert werden damit etwa Immobilien, Schiffe, Solaranlagen und Flugzeuge.

2 Kommentare
  • Christian Leuschner 6. Juni 2013 12:19

    Die VIP sind ein Schritt in die richtige Richtung. Selbst Profis fällt es schwer die umfangreichen Fondsprospekte zu lesen und zu verstehen. Wie soll das dem „Normalanleger“ zuzumuten sein. Emissionshäuser müssen klar auf Risiken und die „Weichkosten“ hinweisen. Wie soll sonst ein Anleger erkennen können, wo die Risiken seiner Anlage liegen, wenn diese nicht vom Emittenten in transparenter Form offengelegt werden.
    Wahrscheinlich wird es auch auf Anlegerseite immer Leute geben, die bei einer verlustreichen Anlage, den Emittenten in Anspruch nehmen wollen, selbst wenn der Anleger die Risiken kannte. Aber je deutlicher diese dargestellt werden, desto geringer wird auch später die Prozessquote sein.
    In ähnlicher Form gilt die Offenlegung der sog. Weichkosten, bei den die Vertriebskosten oft den größten Teil ausmachen. Dies sollte ebenfalls dem Kunden klar sein. Selbst ein hervorragendes Anlagemodell kann nicht funktionieren, wenn die tatsächliche Anlagequote zu niedrig ausfällt.

  • Andreas R. J. Schnee-Gronauer 23. Mai 2013 09:31

    Ich kenne aus Mandaten beide Seiten: die der Emittenten, die in der Pflicht stehen, einen „wasserdichten“ Prospekt/VIP zu gestalten und die der Anleger, die ihr Geld verloren haben.

    Die Emittenten müssen den Spagat hinbekommen, sich möglichst umfassend abzusichern und gleichzeitig echte Probleme – so sie es denn gibt – nicht auf dem Silbertablett zu präsentieren. Heraus kommt dann eben oft typisches „Juristen-Blabla“ das man nur decodieren kann, wenn man die Fachsprache kennt.

    Aber auch gut gemachte Prospekte bringen nur etwas, wenn sie gelesen werden. Und seien wir ehrlich: nicht alle Anleger machen sich die Mühe, sich durch die Unterlagen zu arbeiten und eigene Überlegungen anzustellen. Dies zeigen ja gerade die vielen Fälle, in denen mit hanebüchenen Modellrechnungen Anleger geködert wurden.

    Gelegentlich hat man auch den Eindruck, dass der Anwalt des Anlegers, der Ansprüche durchsetzen soll, wenn der Fonds nicht zahlt, der erste ist, der die Prospekte liest. Was nicht zuletzt auch an der bereits angesprochenen umständlichen Sprache der Dinger liegt.

    Ich halte die VIP für einen guten Anfang; auch Warnhinweise schaden nicht, was aber aus meiner Sicher der Knackpunkt ist, sind kritische Anleger, die Zeit und Know-how genug haben sich intensiv mit den Anlagen und deren Risiken zu befassen – oder eben die Finger davon lassen.

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