Finanzen + Vorsorge US-Zinserhöhung beruhigt die Märkte

Mit der jüngsten Leitzinserhöhung um weitere 0,25 Prozent hat US-Notenbankchef Alan Greenspan zum zehnten Mal die Geldmarktzinsen auf jetzt 3,50 Prozent angehoben. Die Ankündigung, diese Politik der kleinen Schritte beizubehalten, hat den zuletzt von kräftigeren Renditeanstiegen gekennzeichneten US-Anleihemarkt beruhigt.

Die US-Notenbank geht offensichtlich weiterhin davon aus, dass die amerikanische Wirtschaft wächst. Sie versucht, mit den Zinsanhebungen Spielraum für eventuelle Leitzinssenkungen zu schaffen. So kann sie bei nachlassendem Wirtschaftswachstum positive Impulse geben.

Bisher funktioniert diese Feinsteuerung ausgezeichnet und die Leitzinsanhebungen haben die langfristigen Zinsen nur geringfügig ansteigen lassen. In Euroland hat sich die Konjunkturstimmung leicht aufgehellt. Nach den vielen enttäuschenden Indikatoren vergangener Monate deuten aktuelle Daten darauf hin, dass der Konsum anzieht und die Investitionsfreude zunimmt.

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Es besteht jedoch weiterhin kein Grund zur Euphorie, auch wenn die Talsohle erreicht zu sein scheint. Vor diesem Hintergrund dreht sich auch die Einschätzung der Marktteilnehmer in Bezug auf die zu erwartende Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Stimmen nach einer weiteren Leitzinssenkung werden leiser. In den kommenden Wochen ist entsprechend mit stabilen, eher sogar mit etwas höheren Kapitalmarktzinsen zu rechnen.

Die Konjunkturindikatoren in den nächsten Monaten werden darüber entscheiden, ob auch die EZB den Kurs der kleinen Zinsanhebungen einschlägt und damit möglicherweise den Abwärtstrend bei den Kapitalmarktzinsen umkehrt. Trotz der jüngsten Konditionsanstiege können in Deutschland jedoch weiterhin Baukredite zu niedrigen Zinsen aufgenommen werden.

Während Spekulanten jede kleine Zinsbewegung nutzen, sollten Häuslebauer, Umschulder und Immobilienkäufer bei der Kreditaufnahme langfristig denken. Die Rückzahlung eines Darlehens nimmt schließlich einen Zeithorizont von 20 bis 25 Jahren ein. Sie müssen abschätzen, welche Konsequenzen zukünftige Zinsanstiege haben. Denn: Nach Ablauf der Zinsbindung steht oft eine Anschlussfinanzierung der Restschuld an.

Liegen die Konditionen für einen Anschlusskredit in fünf oder zehn Jahren um 2 oder 3 Prozent über den heutigen Billigzinsen, verteuert sich die Anschlussfinanzierung. Entsprechend wichtig ist es, die heutigen Traumkonditionen langfristig zu sichern. Der historische Durchschnitt der 10-jährigen Konditionen liegt immerhin bei rund 7 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie heute.

Finanzierungskunden sollten daher die gesamte Finanzierung oder zumindest einen Teil der Finanzierungssumme auf 15 oder 20 Jahre festzurren, was für Planbarkeit und Sicherheit sorgt. Der verbleibende Teil der Finanzierungssumme kann gegebenenfalls durch eine Darlehenstranche mit variabler Verzinsung oder kürzerer Laufzeit dargestellt werden. Dies senkt die laufenden Kosten und eröffnet Flexibilität.

Wem diese Option wichtig ist, der sollte zu Kombidarlehen greifen. Wichtig ist in jedem Fall die Tilgungshöhe. Die Tilgung sollte mindestens 2 Prozent pro Jahr betragen, um eine Rückzahlung des Kredits innerhalb von rund 25 Jahren sicherzustellen. Auch Interessenten, die bisher aufgrund der schlechten Konjunkturlage zaghaft waren, sollten die Rechnung Eigentum statt Miete aufmachen. Mit dem richtigen Absicherungskonzept gegen Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit können sie sich den Traum vom eigenen Heim heute zu extrem günstigen Konditionen erfüllen und ruhig schlafen.

Die Bestsätze für Annuitätendarlehen für 5 Jahre liegen derzeit bei 3,04 Prozent, für 10 Jahre bei 3,58 Prozent, für 15 Jahre bei 3,87 Prozent, für 20 Jahre bei 4,04 Prozent effektiv.

Tendenz:

kurzfristig: seitwärts

mittelfristig: aufwärts

Verfasser des Zinskommentars ist Robert Haselsteiner, Gründer und Vorstand der Interhyp AG. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Investment Banking – unter anderem im Fixed Income Bereich – bei Salomon Brothers und Goldman Sachs.

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