Finanzen + Vorsorge Verbesserte Konjunkturerwartungen könnten Baugeld verteuern

Die Anleihemärkte haben am Donnerstag die leichten Kursgewinne des Wochenverlaufes aufgrund positiver Konjunkturindikatoren in den USA und in Deutschland wieder abgegeben. Besonders überraschend für die Marktteilnehmer war der weitere, deutliche Anstieg des deutschen Ifo-Geschäftsklimaindex für Februar von 101,8 auf 103,3. Damit hat dieser Indikator den höchsten Stand seit 14 Jahren erreicht.

Getragen wird das Ergebnis dabei nicht nur von der weiterhin sehr positiven Einschätzung der Exportkonjunktur, sondern ebenso von einer Verbesserung im Dienstleistungssektor. Das nährt die Hoffnung auf einen höheren Wachstumsbeitrag der Binnenwirtschaft.

Damit steigt aber zugleich die Wahrscheinlichkeit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen erhöht. Sie könnte die verbesserten Aussichten nutzen, um durch kleine Zinsschritte Spielraum für die zukünftige Geldpolitik zu gewinnen.

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Besonders das hohe Geldmengenwachstum und die hohen Energie- und Rohstoffpreise werden von der EZB seit Längerem mit Argwohn betrachtet – und als Anlass für eine schrittweise Straffung der Zinspolitik gesehen.

Da die aktuellen Arbeitsmarktdaten in den USA das Bild von robustem Wachstum bestätigen, erwartet Interhyp in den nächsten Monaten auch von der US-Notenbank noch zwei weitere Leitzinserhöhungen auf dann 5,00 Prozent. Unter diesen Voraussetzungen erscheinen uns die derzeitigen langfristigen Kapitalmarktzinsen als zu niedrig. Interhyp sieht weiteren Spielraum für einen Anstieg der Baugeldzinsen.

Für Immobilienkäufer und Umschulder empfiehlt sich daher rasches Handeln. Besonders lange Zinsbindungen von 15 oder 20 Jahren sind aufgrund der sehr flachen Zinsstrukturkurve immer noch historisch günstig. Auch Volltilger-Darlehen sind ratsam. Diese stellen mit einer erhöhten Tilgung sicher, dass der Darlehensnehmer zum Laufzeitende des Kredits schuldenfrei ist.

Umschuldungsinteressenten sollten auf jeden Fall die Prolongationsangebote ihrer bestehenden Darlehensgeber sehr sorgfältig mit den besten Angeboten im Markt vergleichen. Ein Bankenwechsel zum Ablauf der Zinsbindung kostet im Normalfall zwischen 300 und 600 Euro und kann mehrere Tausend Euro sparen.

Auch Forward-Darlehen werden von der flachen Zinsstrukturkurve begünstigt und machen eine frühzeitige Absicherung von Prolongationen interessant, die erst in zwei bis drei Jahren anstehen. Kaufinteressenten können derzeit die günstigen Zinsen mit sehr attraktiven Immobilienpreisen verbinden. Nach zehn Jahren der Stagnation könnten die Immobilienpreise besonders in den gefragten Ballungsräumen von einer Konjunkturerholung deutlich profitieren. Die massiven Aufkäufe von deutschen Wohnimmobilien durch internationale Investoren sind ein Vorbote dieser Entwicklung.

Tendenz

kurzfristig: aufwärts

mittelfristig: aufwärts

Der aktuelle Zinskommentar stammt von Robert Haselsteiner, Vorstand der Interhyp AG. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Investment Banking – unter anderem im Fixed Income Bereich – bei Salomon Brothers und Goldman Sachs. Die Interhyp AG ist ein unabhängiger Immobilienfinanzierer, der seinen Kunden Zugang zu Finanzierungsangeboten von über 40 Banken, Bausparkassen und Versicherungen bietet.

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