Finanzen + Vorsorge Verbraucherstimmung steigt auf Fünf-Jahres-Hoch

Die TV-Abteilung eines Kaufhauses

Die TV-Abteilung eines Kaufhauses© Yuri Arcurs - Fotolia.com

Die Konsumstimmung in Deutschland ist auf ein Fünf-Jahres-Hoch geklettert. Selbst die Zypern-Krise mit der Zwangsabgabe auf hohe Sparguthaben hat das nicht geändert. Im Gegenteil: Sie sorgt dafür, dass das Geld bei so manchem Verbraucher lockerer sitzt.

 

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Die Stimmung der deutschen Verbraucher ist so gut wie seit Jahren nicht mehr. Obwohl der konjunkturelle Gegenwind zunimmt, sind die Konsumenten aufgrund ihrer guten persönlichen Lage ausgesprochen optimistisch. Selbst die Eskalation der Schuldenkrise in Zypern habe die Konsumstimmung hierzulande nicht nachhaltig dämpfen können, teilte das Marktforschungsinstitut GfK am Dienstag in Nürnberg mit. „Offenbar sehen die Konsumenten angesichts stabiler Arbeitsmarktzahlen und Einkommenssteigerungen ihre eigene wirtschaftliche Situation sehr gelassen.“

Entsprechend beschwingt war im April die Kauflaune der Verbraucher. Weniger optimistisch zeigten sich die Bürger jedoch mit Blick auf die Konjunktur. Dennoch stieg der von der GfK ermittelte Konsumklimaindex für Mai auf den höchsten Wert seit Oktober 2007: Er kletterte von revidiert 6,0 Zählern im April auf nunmehr 6,2 Punkte.

Von der Zypern-Krise ließen sich die Deutschen die Lust am Geldausgeben also nicht verderben. Im Gegenteil: Die umstrittene Entscheidung, zur Krisenbewältigung erstmals auch Einlagen von mehr als 100 000 Euro heranzuziehen, stützte den Höhenflug des hiesigen Konsumklimas sogar. „Allein die Tatsache, dass es grundsätzlich möglich ist, dass der Staat an die Ersparnisse geht, schreckt die Verbraucher auf“, erläuterte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl in. Viele seien besorgt, dass es ihnen eines Tages ähnlich ergehen könnte.

Sparneigung auf historischem Tiefstand

Die Sparneigung der Deutschen sei im April auf einen historischen Tiefstand gefallen. Die Bereitschaft zum Sparen gilt als Spiegelbild der Anschaffungsneigung, die zuletzt leicht zulegte. Gestützt von der stabilen Beschäftigung, den Einkommenszuwächsen und einer niedrigen Inflation erreichte dieser Teilindikator den höchsten Wert seit mehr als einem Jahr.

Schließlich sei der Konsum eine der wenigen Alternativen zu einem Konto bei der Bank, erklärte Bürkl. „Ich kann an die Börse gehen und spekulieren. Aber nach dem Platzen der Dotcom-Blase sind viele Bundesbürger da doch etwas vorsichtiger geworden.“ Zumal auch das Vertrauen in die Finanzmärkte nach der Lehman-Pleite noch immer ramponiert sei.

„Von daher sucht man eine werthaltige Anlage. Das Geld (…) wird nicht „sinnlos“ konsumiert, sondern es werden werthaltige Anschaffungen erworben, vor allem Immobilien“, berichtete der Konsumexperte. Dazu passt, dass der Einzelhandel trotz der guten Konsumstimmung momentan keine großen Sprünge macht. Die Umsätze sanken im März im Vergleich zum Vorjahr nominal um 1,4 Prozent und preisbereinigt um 2,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Allerdings hatte der März 2013 zwei Verkaufstage weniger als der März 2012. Bereits im Februar waren die Umsätze preisbereinigt um 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Konjunkturoptimismus lässt nach

Der Handelsverband HDE sprach von einer stabilen Entwicklung und zeigte sich zuversichtlich für das Gesamtjahr 2013. „Vor uns liegt das gesamte Sommergeschäft. Insofern erwarten wir eine gute Entwicklung“, sagte HDE-Sprecher Kai Falk.

Der Konjunkturoptimismus der Befragten ließ im April nach drei Anstiegen in Folge jedoch leicht nach und rutschte unter seinen langjährigen Durchschnittswert. „Offenbar gewinnen die Konsumenten mehr und mehr den Eindruck, dass die für dieses Jahr vorhergesagte moderate Erholung der deutschen Wirtschaft eher schleppend verlaufen wird oder sogar ganz unterbleiben kann“, erläuterte die GfK.

 

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