Finanzen + Vorsorge Sind Finanzberater eigentlich Verkäufer?

Viele Kunden bekommen laut einer Untersuchung der Verbraucherzentrale nicht die Geldanlageprodukte angeboten, die ihrem Bedarf entsprechen.

Viele Kunden bekommen laut einer Untersuchung der Verbraucherzentrale nicht die Geldanlageprodukte angeboten, die ihrem Bedarf entsprechen.© KfW

Wenn es um komplizierte Geldanlagen geht, verlassen sich viele Kunden auf Berater. Die Verbraucherzentralen monieren, dass Empfehlungen zu häufig nicht optimal ausfallen - und kritisieren Fehler im System.

Fonds, Sparpläne, private Rentenversicherungen: Geldanlagemöglichkeiten gibt es viele – manchen geht es dabei um Vermögensaufbau für einen Hauskauf, anderen um Vorsorge fürs Alter. Weil Finanzprodukte nicht ganz einfach zu verstehen sind, vertrauen viele Kunden ihren Beratern. Doch Verbraucherschützer monieren, dass Empfehlungen zu oft nicht passen. Müssen strengere Regeln her?

Was kritisieren die Verbraucherzentralen?

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Viele Kunden bekämen nicht die Finanzprodukte angeboten, die ihrem Bedarf entsprechen, kritisiert der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Das sei in einer Stichprobe für einen Großteil von 298 Fällen festzustellen gewesen – bei 42 Prozent der schon laufenden Verträge und 87 Prozent der neu angebotenen Verträge. Kritischer Punkt: vor allem zu hohe Kosten. Dabei schneiden neue Angebote auch deshalb schlechter ab, weil Abschlusskosten bei bestehenden Versicherungen nach einigen Jahren abgezahlt sind, wie es in der Untersuchung heißt. Bei neuen Empfehlungen waren demnach aber auch 34 Prozent riskanter und 40 Prozent nicht so flexibel wie vergleichbare Angebote.

Welche Ursachen sehen die Verbraucherschützer?

Dass der Verkauf von Finanzprodukten als Beratung firmiere, sei eigentlich ein „Etikettenschwindel“, sagt Dorothea Mohn, Leiterin des Finanzen-Teams beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Denn Berater bekommen Provisionszahlungen, wenn Kunden einen Vertrag abschließen. Das führe zu Interessenkonflikten und damit oft zu Fehlberatungen. Zudem verlassen sich viele Verbraucher mangels eigenen Durchblicks auf Einschätzungen der Fachleute. So hatten laut der Studie acht von zehn Kunden, die zur Verbraucherberatung kamen, kurzfristige Einlagen von bis zu einem Jahr. Wie solche Anlagen funktionieren, wussten aber nur 43 Prozent.

Was sagt die Finanzbranche?

Die Finanzbranche weist die Vorwürfe zurück. Kundenbeschwerden bei der Aufsichtsbehörde BaFin hätten sich in den vergangenen Jahren mehr als halbiert, betont die Deutsche Kreditwirtschaft als Dachorganisation von Banken, Sparkassen und Volksbanken. Wenn ein Berater gegen die Interessen eines Kunden handle, könnten ihm Schadenersatzforderungen drohen, erläutert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Kündigten unzufriedene Kunden den Vertrag schnell wieder, verlören Vermittler einen Teil der Provision.

Welche Änderungen fordern die Verbraucherschützer?

Bei Beratungen dürften keine Provisionen im Spiel sein, sie müssten vom Verkauf getrennt werden, fordert Mohn.

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