Rürup-Rente Für wen lohnt sich eine Rürup-Rente?

Spätestens ab Rentenbeginn müssen viele Ihr Sparschwein plündern. Doch mit der passenden Renten kann das Porzellan-Schwein vielleicht noch ein paar Jahre länger leben.

Spätestens ab Rentenbeginn müssen viele Ihr Sparschwein plündern. Doch mit der passenden Renten kann das Porzellan-Schwein vielleicht noch ein paar Jahre länger leben.© michaeljayberlin / Fotolia.com

Sie steht seit Jahren in der Kritik. Und trotzdem kann es sich für Selbstständige, Freiberufler und Gut-Verdiener lohnen, die Rürup-Rente mal etwas genauer zu betrachten. Denn die Steuerersparnisse sind beträchtlich.

Die Basisrente, auch Rürup-Rente genannt, wurde 2005 eingeführt. Ihr Ziel war es, dass auch Selbstständige staatlich gefördert für das Alter vorsorgen können. Seither hat sie viel Kritik einstecken müssen und wurde bereits als „Rürup-Rentchen“ verspottet. Und tatsächlich ist der Garantiezins für neu abgeschlossene Rentenversicherungen in den vergangenen Jahren immer weiter gesunken – seit Januar 2017 liegt er nur noch bei 0,9 Prozent. Klingt nicht gerade attraktiv. Und doch kann die private Vorsorge interessant sein. „Sie ist eine Alternative für alle, die keinen staatlich geförderten Riester-Vertrag oder keine Betriebsrente abschließen können“, erklärt Theo Pischke von der Stiftung Warentest.

Besonders Viel-Verdiener profitieren.

Die Rürup-Rente ist eine Rente für Gutverdiener, die hohe Steuern zahlen. „Versicherte können die eingezahlten Beiträge als Sonderausgaben in ihrer Steuererklärung geltend machen“, erklärt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Für das Jahr 2017 gilt ein Höchstbetrag von 23.362 Euro. Maximal können 84 Prozent abgesetzt werden. Das heißt konkret: „Alleinstehende können bis zu 19.625 Euro und Ehepaare oder eingetragene Lebenspartner bis zu 39.250 Euro steuerlich geltend machen“, sagt Klocke. Dieser Prozentsatz steigt in den kommenden Jahren und liegt ab 2025 bei 100 Prozent.

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Drei Optionen zur Auswahl.

Laut Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gibt es in Deutschland rund zwei Millionen Rürup-Verträge. Bei der Rürup-Rente gibt es drei Optionen:

  • Die fondsgebundene Versicherung (Fondspolice): Die Anbieter legen die Beiträge der Kunden in Fonds an. Es gibt keine Beitragsgarantie, das heißt, es ist nicht garantiert, dass zumindest die Beiträge, die man eingezahlt hat, für eine Rente zur Verfügung stehen. Die Fondspolice ist also eine risikobehaftete Variante: Es gibt keine Kapitalgarantie, dafür aber bessere Ertragsaussichten (beziehungsweise Verlustrisiken).
  • Der Fondssparplan: Während es für die Fondspolice zahlreiche Anbieter gibt, gibt es nur zwei verschiedene Fondssparpläne, DEKA (Sparkassen) und DWS (Deutsche Bank). Bei Fondspolicen können Sie die Fonds selbst auswählen. Bei Fondssparplänen geht das nicht.
  • Die klassische Rentenversicherung: „Klassisch“ bedeutet, dass die Versicherer investieren die Beiträge der Kunden sicherheitsorientiert investieren.  Damit sind zwar keine großen Erträge zu erwarten, man trägt aber auch nicht dass Risiko, dass die Rente deutlich geringer ausfällt, als erwartet.

„Wer seine Rente sicher planen will, sollte die klassische Form wählen“, rät Theo Pischke. „Die Mindestrente steht hier zu Vertragsbeginn fest“, erklärt er. Durch Überschüsse, die die Versicherer erwirtschaften und an ihre Kunden weitergeben, kann die Rente noch weiter steigen. „Doch das ist in der derzeitigen Niedrigzinsphase keinesfalls mehr selbstverständlich“, sagt Pischke.

Versteuerungspflichtig

Trotz der sofortigen Steuervorteile sollten Rürup-Sparer wissen, dass sie ihre Rente nachgelagert versteuern müssen:

  • Renteneinstieg 2017: Für Personen, die beispielsweise 2017 in Rente gehen, liegt der steuerpflichtige Anteil der gesetzlichen Rente bei 74 Prozent. Dieser wird bei ihnen festgeschrieben.
  • Renteneinstieg 2040: Für neu hinzukommende Rentner steigt der Anteil in den kommenden Jahren an. Für Personen mit Rentenbeginn im Jahr 2040 liegt er bei 100 Prozent. „Sie müssen dann also ihre Rürup-Rente ab der ersten Zahlung voll versteuern“, erklärt Klocke.

Vertrag nicht einfach kündbar

Wenn Sie über den Abschluss einer Rürup-Rente nachdenken, sollten Sie sich vorab genau informieren, denn: Versicherte können den Vertrag nicht einfach kündigen. „Denn das bewirkt nur eine Beitragsfreistellung“, erklärt Hentschel. „Das eingezahlte Kapital behält der Vertragspartner meist so lange, bis er dem Kunden eine monatliche Rente auszahlen kann.“ Anders als bei der Riester-Rente sind Kapital- oder Teilauszahlungen hier nicht möglich. Versicherte können keinen Rückkaufwert verlangen.

Rürup-Rente lohnt ab einer Bezugsdauer von 20 Jahren

Dafür erhalten Sie als Versicherte die Rürup-Rente ab dem Renteneintritt ein Leben lang. „Ob Sie die eingezahlten Beiträge am Ende vollständig wieder rausbekommen, hängt von der Höhe der garantierten Rente und Ihrer eigenen Lebenserwartung ab“, sagt Pischke. „Bei einer Rentendauer von unter 20 Jahren lohnt sich die Rürup-Rente in der Regel nicht“, gibt er zu bedenken. Wer seine Lebenserwartung also nicht so hoch einschätzt, sollte vielleicht besser flexibler für das Alter sparen.

Flexibler Vertrag für Selbstständige

Als Selbstständiger oder Freiberufler wissen Sie ja selbst, dass der monatliche Verdienst nicht immer ganz absehbar ist. Daher empfiehlt Pischke: „Der Rürup-Vertrag sollte flexibel sein.“ Versicherte sollten auch Sonderzahlungen leisten können, wenn es die Auftragslage hergibt – und zwar zu den gleichen Bedingungen, die beim Vertragsabschluss gegolten haben. „Bei finanziellen Engpässen hingegen sollte der Versicherte die Beiträge möglichst kostenfrei aussetzen können“, sagt er. Dann müssen sie später aber mit Einbußen bei der garantierten Mindestrente rechnen.

Auf geringe Effektivkosten achten

Wenn Sie bei Anbietern nach Angeboten suchen, sollten Sie auf die Effektivkosten achten: „Je geringer sie sind, desto mehr kann in den Spartopf fließen, und umso höher ist letztlich die Rente“, erklärt Pischke. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt große Unterschiede: Die garantierte Mindestrente für einen 40-jährigen Modellkunden lag je nach Anbieter zwischen 559 Euro und 647 Euro pro Monat. Voraussetzung: Der Versicherte zahlt 27 Jahre lang einen Beitrag von 6000 Euro pro Jahr ein. Nur drei von 18 getesteten Angeboten erhielten eine gute Bewertung („Finanztest“, Ausgabe 12/2016).

Hentschel rät: „Bei den Verträgen sollten Sie auf die garantierte Rente und die genaue Leistung achten.“ Insgesamt soll das laut GDV einfacher werden: Anbieter der Rürup-Versicherung müssen seit 2017 die Produktinformationsblätter in einer vom Gesetzgeber vorgegebenen Form gestalten – also einheitlich über garantierte Leistungen, mögliche Wertentwicklungen, Kosten sowie über die Chancen-Risiko-Klasse informieren. Auch die Berechnungsmethode sei klar definiert.

3 Kommentare
  • Wilfried Strassnig Versicherungsmakler 22. Februar 2017 20:06

    Bei der Allianz nervt mich, dass schon mehrmals die Zinsen gesenkt wurden, die Dividen gleich blieben oder sogar stiegen.
    Aktien derAllianz o.K. ,Versicherungen schon aus moralischen Gründen, nur wenn es keine bessere Alternative gibt!!!

  • Wilfried Strassnig Versicherungsmakler 22. Februar 2017 20:01

    Wieder der alte Fehler. Konservative Anlage-ohne den Steuervorteil und nur die garantierte Rente berechnet. Allein bei 35% Steuervorteil, bei Gutvedienern wohl real erzielbar, reduziert sich die notwendige Laufzeit schon fast um 50%. Das ist alles andere als unerheblich!!! Nimmt man jetzt noch eine Anlage im Fondsbereich sind die Erträge wohl deutlich höher. Dies reduziert die Laufzeit noch einmal erheblich.
    Neudeutsch-eine geile Anlage!
    Allerdings gibt es einige Kniffe die nur wenige beherrschen. Kunden helfe ich gerne, ein Anruf genügt….

  • Andreas Sahm 22. Februar 2017 14:35

    Eigentlich eine gute Beschreibung.
    Aber wieder eine Vereinfachung, die allen Lesern, die sich -statt sich unabhängig und fachkundig beraten zu lassen- nach „einfachen Merksätzen“ suchen, auf eine falsche Pauschalaussage lenken: „Lebenserwartung sollte mindestens 20 Jahre betragen“.

    Das stimmt definitiv so nicht, denn es hängt auch noch von vielen anderen (teilweise genannten) Faktoren ab.
    Und, liebe Redakteure, wie lautet denn aus Ihrer Sicht die Alternative für sicherheitsorientierte Sparer, die noch Bedarf zur Verbesserung Ihrer Altersvorsorge haben?
    Sparen auf ein Tagesgeldkonto zu 0,5% p.a. oder weniger bei einem Kaufkraftverlust von 1,5% -2 % p.a.?
    Oder gar „sichere“ Rentenfonds oder Staatsanleihen mit Negativrenditen (nach Kosten) und vorprogrammierten Kursverlusten bei auch nur leichtem Anstieg des Zinsniveaus?

    Dann doch lieber eine (Basis-)Renten-Versicherung, die bei guten Gesellschaften (z.B. Allianz Leben) derzeit immerhin noch 3,7% Gesamtverzinsung brutto bzw. ca. 2%-2,5% p.a. netto abwirft.

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