Finanzen + Vorsorge Warum Chefs keine Kredite mehr wollen

Bankfinanzierung: nein danke. Das denken inzwischen viele Unternehmer und setzen auf alternative Finanzierungen. Eine neue  Studie  zeigt, wie das geht.

Über 150 Jahre lang kam der „Lahrer Anzeiger“ ohne Kredite aus. „Alle Investitionen haben wir aus dem Eigenkapital gestemmt“, so Reinhard Teufel, Geschäftsführer des Druck- und Verlagshauses. Für die neue großformatige Druckmaschine im Wert von zwei Millionen Euro reichte das eigene Portemonnaie allerdings nicht.

Teufel: „Unsere Haus­banken wollten gerne Kredite geben. Aber die Konditionen waren nicht gut. Außerdem sollten wir Grund­stücke, Gebäude und Maschinen als Sicherheit stellen.“ Zu viel, fand der Drucker, und fragte bei Leasing-Gesell­schaften nach Finanzierungen. Er wurde fündig. Denn überraschenderweise waren hier nicht nur die Konditionen besser. „Auch die Abwicklung funktionierte reibungslos.“

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Teufel ist einer von vielen Unternehmern, die im vergangenen Jahr der Kreditfinanzierung den Rücken gekehrt haben. Stattdessen setzen sie auf Leasing – und läuten damit einen grundlegenden Wechsel in ihrer Firmenfinanzierung ein, so der erste Teil der neuen Studie „Excellence Barometer 2005“ (ExBa 2005) zum Thema Finanzierung.

Jene Unternehmen, die gleichwohl weiterhin Kredite in Anspruch nehmen, tun dies immer seltener bei den Großbanken. Vor allem kleine und mittlere Firmen sind mit dem Leistungsangebot, der Betreuung und der Transparenz bei den großen Instituten unzufrieden. Bevorzugte Finanzierungspartner sind die Sparkassen und Volksbanken. „So wie sich die Firmenfinanzierung wandelt, ändert sich auch das Verhältnis der Unternehmen zu den Banken“, sagt Roman Becker, Geschäftsführer der Meinungsforscher von Forum.

Erfolgreich finanzieren

Die ExBa-Studie ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V., des Mainzer Marktforschungsunternehmens Forum und impulse. Über 800 Fir­men­lenker wurden befragt, um die aktuellen Entwicklungen bei der Firmenfinanzierung zu erheben. Die Unternehmer gaben Auskunft über Finanzierungsinstrumente, Zinskonditionen, Bonitätsentwicklung, Finanzkennziffern und über die Zusammenarbeit mit ihrer Bank.

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Wichtigste Erkenntnis: Erfolgreiche Unternehmer wenden sich vom Kredit ab. Beispiel: der Automobilzulieferer Sigfried Templin aus Coppenbrügge. Mit 100 Mitarbeitern erwirtschaftet die Firma 30 Millionen Euro Umsatz. Eigenkapitalquote: 26 Prozent. Rolf Deitert, kaufmännischer Leiter: „Bisher haben wir Investitionen immer mit einem Mix aus Eigenkapital und Fremdkapital finanziert. Unsere neue Außenrundschleifmaschine leasen wir jedoch komplett. Damit halten wir unsere Eigenkapitalquote hoch. Das ist wichtig für unser Bankenrating.“

Die ExBa-Zahlen bestätigen den Trend. Seit 2004 ist die Anzahl der Mittelständler, die ihre Investitionen mit langfristigem Fremdkapital finanzieren, von 50 auf 43 Prozent gesunken. Auch die kurzfristige Kreditlinie nehmen statt 69 Prozent nur noch 52 Prozent regelmäßig in Anspruch. Stattdessen setzen die Unternehmen auf Leasing. Druckereibesitzer Teufel: „Das Wichtigste ist heute bilan­zieller Spielraum. Da Leasing-­Investitionen nicht in der Bilanz auftauchen, haben wir plötzlich Freiräume für neue Bankkredite.“

Die ExBa 2005 belegt die Hinwendung der Unternehmer zum Leasing eindrucksvoll. Seit dem vergangenen Jahr hat sich mit 71 Prozent die Zahl der Leasing-Nutzer mehr als verdoppelt (Vorjahr: 33 Prozent). Außer der Finanzierung aus einbehaltenen Gewinnen wird keine externe Finanzierungsart häufiger genutzt.

Alle anderen Quellen wie Fördermittel oder Kapitaleinlagen nutzen die Firmenchefs deutlich seltener. Öfter wird
indes auf Beteiligungskapital zurückgegriffen. Inzwischen setzen sieben Prozent der Mittelständler Venture-Capital oder Private-Equity ein. Vor einem Jahr waren es noch vier Prozent.

Leasing im Aufwind

Die Leasing-Gesellschaften merken den Stimmungswechsel zu ihren Gunsten deutlich. „Wir hatten im letzten Jahr das beste Ergebnis unserer Firmengeschichte“, berichtet Harald Frings, Sprecher der Geschäftsführung der ASL Auto Service-Leasing. Kollege Hans Mahn, Vorstand der Albis Leasing, bestätigt: „Weil die Banken sich zurückziehen, die Kapital­decke dünn ist, überdenken Unternehmer ihren Finanzierungsmix.“

Für jene Unternehmen, die weiterhin auf Fremdkapital setzen, sind Sparkassen und Volksbanken die ersten Ansprechpartner. Die Großbanken verlieren hingegen rasant an Bedeutung. Dieses Studien­ergebnis bestätigt Firmenchef Deitert: „Wir arbeiten nur noch mit zwei Instituten zusammen: der Volksbank und der Sparkasse.“

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Das liegt vor allem am Kreditgeschäft. Unternehmer, die nach wie vor mit Fremdkapital finanzieren, gehen zu den öffentlich-rechtlichen oder den genossenschaftlichen Instituten. Beide Institutsgruppen haben ihre Kreditanforderungen weit weniger verschärft als die Großbanken.

Weil sich die Firmenchefs daher in Scharen von den privaten Instituten abwendeten, versuchte die Deutsche Bank im vergangenen Jahr verstärkt, wieder mit den Mittelständlern ins Kreditgeschäft zu kommen. Offenbar wenig erfolgreich. Denn nach wie vor rangiert der Branchenprimus in Sachen Kundenzufriedenheit im Mittelstand an letzter Stelle. Die Aktion lief deshalb ins Leere, weil die Kreditvergabe per se derzeit nicht das entscheidende Thema für Unternehmer ist. Denn das Angebot an Fremdkapital ist bei allen Instituten viel größer als die Nachfrage. Vor allem die Großbanken bieten mehr Geld als nötig an.

Punkten können die Banken derzeit vor allem mit Beratung, Produktkompetenz oder Transparenz. So schneiden die Volksbanken bei der Kundenberatung, die Sparkassen beim Dienstleistungsangebot besonders gut ab. Die Deutsche Bank kassiert allerdings Pluspunkte für Produktkompetenz und -vielfalt. Am zufriedensten sind die Firmen aber insgesamt wieder mit Volksbanken und Sparkassen.

Einen Bedeutungsverlust verzeichnet hingegen die Hypovereinsbank, die als einzige deutsche Großbank Punkte bei den Unternehmen in Sachen Gesamtzufriedenheit verlor. Geht der Trend so weiter, übernimmt sie bald die rote Laterne von der Deutschen Bank. Denn Letztere ist entschlossen, den deutschen Mittelstand wieder zurückzuerobern.

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