Finanzen + Vorsorge Warum ein Rating für die Banken wichtig ist

Banken, die Geld an Unternehmen verleihen, müssen das spätestens ab 2006 nach neuen brancheninternen Regeln tun. Diese sorgen im deutschen Mittelstand unter dem Stichwort Basel II für Unruhe. Besonders das für die Kreditinstitute dann obligatorische Rating bereitet deutschen Firmenchefs erhebliche Kopfschmerzen.

Die neuen Richtlinien nach Basel II verlangen von den Banken, dass sie ihre Risiken besser abfedern. Die Kreditinstitute müssen vor allem darauf achten, wie hoch das Risiko ist, verliehene Gelder nicht mehr wieder zu bekommen. Um die Gefahr von Kunden-Pleiten besser abschätzen zu können, verlangen die neuen Richtlinien vor jeder Kreditzusage ein Rating des Unternehmens. „Wie die Note unter einer Klassenarbeit, ist das Rating ein Urteil über die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens“, sagt Jan Offerhaus, Rating-Experte bei der Münchner Unternehmensberatung HHMC.

„Diese Überprüfung auf Herz und Nieren, zeigt, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Kredit ausfällt“, so Experte Jan Offerhaus. Ein sehr gutes AAA-Rating beispielsweise bedeutet, dass die untersuchte Firma geliehenes Geld nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,03 Prozent nicht zurückzahlen kann. Bei einem schlechten CCC-Rating liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde seinen Kredit nicht zurückbezahlt, dagegen bei nahezu 15 Prozent. Dieses höhere Risiko lassen sich die Banken bezahlen.

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Bisher galt für Banken die Regel, dass Kredite mit pauschal acht Prozent der ausgegebenen Summe Eigenkapital hinterlegt werden. Die neuen Vorschriften besagen dagegen, dass die Banken für höhere Kreditrisiken bei schlecht geführten Unternehmen mehr Kapital als Sicherheit zurücklegen müssen. Für gut geführte und damit risikolose Firmen im Gegenzug weniger.

So steigen die Kosten der Bank nach den neuen Regeln bei einem fünf Millionen Euro Kredit an eine Firma mit schlechtem Rating um rund 10.000 Euro. Diese höheren Kosten lassen sich die Banken bezahlen. Folge: Der Kunde zahlt höhere Zinsen.

Für Kunden mit guten Ratings gilt das umgekehrt. Die Bank muss hier nach den neuen Richtlinien weniger Kapital als Sicherheit hinterlegen. Das Darlehen für das geldsuchende Unternehmen wird billiger. Jan Offerhaus: „Mit den Ratings ihrer Kunden kann die Bank dem Geldmarkt beweisen, an wen sie ihr Kapital verleiht. Dieser kann die Risiken nachvollziehen und legt die Kosten fest.“

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