Finanzen + Vorsorge Wie hilfreich Finpoint ist

Das Online-Portal Finpoint will Unternehmen eine effiziente Suche nach Geldgebern ermöglichen – mit einem Konzept ähnlich dem von Internet-Partnervermittlungen. Wie hilfreich das Konzept in der Realität ist und was Skeptiker dazu sagen.

Michael Klein will Menschen zu­sammenbringen – und zwar übers Internet. Im Visier hat der Gründer des Onlinemarktplatzes Finpoint allerdings keine einsamen Singles. Sondern Mittelständler, die Geld brauchen und bei ihrer Bank vielleicht abgeblitzt sind. Sie sollen auf ­Finpoint Finanzierungspartner finden.

Das Prinzip erinnert stark ans Online-Dating: Unternehmer können ein Profil mit persön­lichen Daten einstellen, Dateien hochladen, Nachrichten austauschen – und sich bei gegenseitigem Gefallen zu einem Date in der realen Welt verabreden. Auf diese Weise hat das im Oktober 2010 gegründete Portal bislang Kre­dite mit einem Gesamtvolumen von 76 Mio. Euro vermittelt, verteilt auf 60 Darlehen. Eine dürftige Bilanz angesichts von rund 1500 derzeit registrierten Firmen auf Kapitalsuche. Finpoint-Gründer Klein sagt jedoch, dass die Erfolgsquote zuletzt deutlich gestiegen sei: „Im Moment erhält etwa jedes fünfte Unternehmen, das sich bei uns anmeldet, eine Finanzierung.“

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Also doch ein attraktives Konzept, um Finanzierungspartner zu finden? Nun ja. Zahlreiche Vorteile von Online-Dating-Börsen suchen Unternehmer auf Finpoint.de vergeblich. Eine große Auswahl, konkrete Partnervorschläge, aktive Suchmöglichkeiten – Fehlanzeige. Die Gefahr, eine Enttäuschung zu erleben, ist groß.

Das wohl ärgerlichste Manko: Suchende sind zur Passivität verdammt. Sie können die registrierten Kapitalgeber nicht selbst kontaktieren, sondern müssen hoffen, von ihnen auserkoren zu werden. Und diese erzwungene Tatenlosigkeit kostet auch noch Geld: Nach einer vier­wöchigen kostenlosen Testphase müssen Unternehmer 180 Euro pro Jahr berappen, plus einmalig 60 Euro für die Anmeldung. Klappt es mit der Finanzierung, zwackt Finpoint zudem 0,75 Prozent der Summe bei Krediten und zwei Prozent bei Mezzanine-Darlehen als Provision ab.

Ob ein passender Partner bei Finpoint wartet, lässt sich kaum abschätzen. Denn Gründer Klein gibt nicht preis, welche Geldgeber auf der Plattform unterwegs sind. „Wir nennen prin­zipiell keine Namen“, sagt er. Anders als beim ­britischen Finpoint-Ableger, wo die Finanziers „auf der Website genannt werden wollen“, sei man in Deutschland „wohl etwas zurückhal­tender“. Insgesamt, so viel verrät Klein, gebe es 130 Geldgeber, die über das Portal potenzielle Kreditnehmer suchen.

Große Skepsis in der Finanzbranche

Dahinter verbergen sich jedoch nicht Banken, sondern einzelne Mitarbeiter von Finanzinsti­tuten, wie Klein bestätigt. Diese versuchen, über das Portal Kunden für ihre Häuser zu gewinnen. Die Kreditinstitute selbst zeigen indes wenig ­Interesse, wie eine impulse-Anfrage bei zwölf Großbanken und Sparkassen zeigt. Einzig die Commerzbank denke darüber nach, Finpoint bei der Mittelstandsfinanzierung zu nutzen. Die meisten Institute, darunter die WGZ Bank, die Hamburger Sparkasse und die Deutsche Bank, machen von dem Angebot laut eigener Aussage keinen Gebrauch und planen es auch nicht.

Ein Kreditgesuch bei Finpoint ist also eher die Anmeldung zu einem Blind Date. Wer das akzeptiert, muss sich noch gegen die vielen Nebenbuhler durchsetzen. Für Geldgeber besonders attraktiv seien Unternehmen, die zwischen 1 und 3 Mio. Euro suchen, eine Immobilie als Sicherheit bieten und eine gute Performance vorweisen, heißt es bei Finpoint.

Finanzierungsexperten wie Elmar Jakob, Geschäftsführer der Corporate-Finance-Beratung Ipontix, sind skeptisch. Die Vermittlung von Krediten übers Internet funk­tioniere vor allem, wenn es um standardisierte Geschäfte wie die Baufinanzierung gehe. „Bei Immobilien gibt es zahlreiche Datenbanken, sodass der Wert in Kombination mit dem Kauf­vertrag und verschiedenen Parametern sehr gut eingeschätzt werden kann“, sagt er. Unternehmensbewertungen seien dagegen deutlich komplexer. Wer will schon am Bildschirm entscheiden, wie viel die elf Jahre alte Druckmaschine noch wert ist, die in der Bilanz auftaucht?

Bei vielen Geschäftsmodellen dürften Geld­geber deshalb direkt weiter zum nächsten Kandidaten klicken. Um die Erfolgschance zu erhöhen, rät Klein den Firmen zu maximaler Offenheit: „Ein für Banken reizvoller Kandidat sollte zwei bis drei Jahresabschlüsse sowie detaillierte Dokumentationen zu den Sicherheiten hochladen – am besten samt Gutachten.“

Sensible Finanzdaten auf eine Internetseite stellen? „Ich habe meine Zweifel, ob sich das in der Praxis bewährt: Mittelständler laden nur ungern Daten im Internet hoch“, sagt Finanzierungsexperte Jakob. Immerhin bleiben die Unternehmer auf Finpoint anonym – auf Wunsch sogar bis zum Schluss. Wenn sie tatsächlich ­eine Kreditofferte erhalten, diese aber ab­lehnen, erfährt der potenzielle Geldgeber nie, wer hinter dem anonymen Profil steckte.

Auch gegen Zugriffe von außen habe man sich abgesichert, beruhigt Klein. „Die Daten der Unternehmen liegen geschützt auf Servern in einem Hochsicherheitsrechenzentrum.“ Der Anbieter, bei dem Finpoint seine Server mietet, Host Europe, hat gerade ein Sicherheitszerti­fikat vom TÜV Austria erhalten.

Bleibt noch die Frage, ob die potenziellen Partner bei Finpoint wirklich seriös sind. Klein sagt, bei den Kreditanbietern würde überprüft, ob sie die notwendige Banklizenz hätten. Nach einem solchen Check hätte sein Team erst kürzlich einen dubiosen russischen Geldgeber von der Plattform geworfen. Das Unternehmen war nicht berechtigt, in Deutschland Darlehen zu vergeben.

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1 Kommentar
  • Jens Richter 21. Juli 2014 22:37

    Sehr soga,r kann man vor allem aus der sicht eines Unternehmers heraus sagen, der weiß wie mühevoll das sein kann wenn man einen Kredit sucht, dann erleichtert man sich so viele Mühen die man alleine mit Termine ausmachen und co hat, alles ist kompakt und easy bei Finpoint (kenne die österreichische Version) und letztlich hat man es selbst in der Hand – sowas hat eindeutig gefehlt.

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