Finanzen + Vorsorge Zusatzklauseln bei Kreditverträgen werden strenger

Wer Geld von der Bank haben will, muss seit der Finanzkrise immer mehr Nebenbedingungen und Pflichten akzeptieren. Firmen droht die Kündigung, wenn sie gegen die so genannten Covenants verstoßen. Doch auch ihre Einhaltung kann teuer werden.

Ein Kreditvertrag war früher eine einfache Angelegenheit: Geregelt waren Kreditsumme, Laufzeit, Zins, Raten und Sicherheiten. Diese Zeiten sind vorbei. „Früher hatten Kreditverträge fünf Seiten, heute können es bis zu 500 sein“, sagt Axel Dippmann, Rechtsanwalt und Partner bei CMS Hasche Sigle in Berlin.

Der Grund: Immer häufiger sind die Verträge mit Zusatzklauseln gespickt, den sogenannten Covenants. Das sind ausführliche Nebenbedingungen und zusätzliche Pflichten für den Kreditnehmer. Laut Unternehmensberatung Roland Berger ist dabei nicht nur die Zahl der Covenants gestiegen, sie sind auch strenger geworden.

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Grundsätzlich lassen sich drei Arten von Covenants unterscheiden: Die einen bestimmen, was der Unternehmer während der Laufzeit des Kredits nicht tun darf, wie zum Beispiel die Gesellschaftsstruktur zu verändern. Man spricht dabei von einer Change-of-Control-Klausel. „Damit will die Bank sicherstellen, dass das Geschäftsmodell beibehalten wird“, sagt Rüdiger Rass, Leiter der Abteilung Financial Engineering bei der Commerzbank.

Covenants geben einem Unternehmer oft auch genau vor, was er tun soll. Zum Beispiel, dass er eine gültige Betriebserlaubnis für seine Maschinen haben muss. In so gut wie jedem Fall vereinbaren Bank und Kreditnehmer auch Financial Covenants. Sie verpflichten den Unternehmer, über spezielle Bilanzkennzahlen Rechenschaft abzulegen. In komplizierten Verfahren werden bei der Bank Daten und Werte miteinander verrechnet. Wenn sich die Zahlen verschlechtern, folgen Sanktionen.

„Financial Covenants sind wichtig für die Risikovorsorge der Bank“, sagt Wilhelm Mickerts, geschäftsführender Partner der Beratungsgesellschaft Accuracy in Frankfurt. Die Bank will so sicherstellen, dass Unternehmen liquide, rentabel und nicht verschuldet sind. Also kreditwürdig. Zu diesem Zweck legen sie bestimmte Ober- und Untergrenzen fest.

Verstößt der Kreditnehmer gegen die Limits, hat er den Covenant gerissen. Jeder Verstoß führt automatisch zu einem außerordentlichen Kündigungsrecht für die Bank. „Die Bank hat in der Regel kein Interesse daran, einen Kredit vorzeitig zu kündigen“, sagt Timo Ullrich, Koordinator Corporate Finance der Hamburger Sparkasse.

Allerdings blüht dem Kreditnehmer einiges, wenn er die Grenzen übertritt: eine Strafzahlung, ein höherer Zins, die Bank behält weitere Kredittranchen ein oder verlangt weitere Sicherheiten. Dieses Korsett ist in der Krise enger geworden.

Mittlerweile ist es so gut wie unmöglich, einen größeren Kredit zu bekommen, ohne quartalsweise drei bis vier exakt definierte Kennzahlen bei der Bank einzureichen. Viele Unternehmen brauchen dazu die Hilfe externer Berater. „Das heißt, Covenants bedeuten indirekte Kosten für Unternehmer“, sagt Mickerts von Accuracy. Unternehmer sollten deshalb darauf achten, dass sie nicht alle Covenants stillschweigend akzeptieren.

Verträge sind Verhandlungssache. Zudem achten viele Unternehmer bei Finanzkennzahlen nicht ausreichend auf saisonale Schwankungen. Das kann etwa in der Baubranche schnell zu Schwierigkeiten führen. Sollte man doch einmal die Latte reißen, ist es wichtig, weiterzumachen. „Unternehmer sollten proaktiv auf die Banken zugehen“, rät Anwalt Dippmann.

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