Finanzen + Vorsorge Zypern-Zwangsabgabe schockt Finanzmärkte

Flagge, Zypern

Die Flagge Zyperns weht im Wind.© Alexander Lebedev - Fotolia.com

Zyperns Banken haben über Jahre riskante Geschäfte betrieben - auch mit Griechenland. Jetzt steht das Land vor einem Staatsbankrott. Dass erstmals Bankkunden mit zur Kasse gebeten werden, hat Anleger weltweit aufgeschreckt.

Der Schock über die geplante Zwangsabgabe auf zyprische Bankeinlagen hat die Finanzmärkte am Montag in Aufruhr versetzt. Kurzzeitig brach der Euro massiv ein. Der Kurs der europäischen Gemeinschaftswährung sackte zeitweise bis auf 1,2883 Dollar ab und damit auf den tiefsten Stand seit drei Monaten – später konnte er sich auf gut 1,29 Dollar erholen.

Die in den vergangenen Wochen boomenden Aktienmärkten in Europa zeigten anfangs kräftige Verluste, konnten aber ebenfalls im Tagesverlauf einen Großteil wieder wettmachen. Vor allem Finanzwerte brachen ein. Am Morgen waren die asiatischen Börsen regelrecht abgestürzt, hatten sich aber am Dienstag wieder erholt.

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Kontobesitzer in Zypern sollen per Zwangsabgabe zusammen etwa 5,8 Milliarden Euro zwangsweise von ihren Einlagen an den Staat abtreten- im Gegenzug zum 10-Milliarden-Hilfspaket für das Euro-Krisenland.

„Hier wurde ein Exempel statuiert, das Gewaltmonopol des Staates eindrucksvoll vorgeführt“, kommentierten Analysten vom Bankhaus Metzler die jüngsten Beschlüsse der Euro-Finanzminister zur Rettung Zyperns. Experten sprachen von „Zwangsenteignung“, „Beschlagnahme“ und einem „beispiellosen Vorgang“.

Ökonomen warnen vor neuer Marktpanik

Ökonomen warnen vor Ansteckungseffekten und neuer Marktpanik im Euroraum. Die Finanzminister des Währungsraums wollten sich am Abend per Telefon kurzschalten. In Zypern wird derweil an einer schonenderen Lösung für Kleinanleger gearbeitet – nach dpa-Informationen sollen Kleinstsparer mit Guthaben bis zu 20.000 Euro ausgenommen werden. Die Banken bleiben bis einschließlich Mittwoch geschlossen.

An den Märkten sorgte die sich abzeichnende Aufweichung der Zwangsabgaben für etwas Beruhigung. Die Verluste beim Euro und an den Aktienmärkten verringerten sich bis Handelsschluss. Der festere Dollar lösten einen deutlichen Rückgang bei den Ölpreisen aus.
Zeitweise kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Mai-Lieferung 108,42-Dollar. Das waren 1,40 Dollar weniger als am Freitag.

Auch der deutsche Aktienmarkt reagierte zunächst mit Abschlägen, – zur Handelseröffnung war der Index um 1,75 Prozent abgerutscht. Nach einem ersten Schreck konnten sich der Dax wieder auf über 8000 Punkte hochrappeln – er schloss mit einem moderaten Minus von 0,40 Prozent bei 8010,70 Punkten.

Gold als sichere Anlage gesucht

Der EuroStoxx 50 schloss 0,74 Prozent niedriger bei 2705,47 Punkten. Die Leitindizes in London und Paris gaben ebenfalls nach. In New York lag der Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa mit 0,07 Prozent leicht im Minus. Die asiatischen Börsen fielen am Morgen kräftig. In Tokio schloss der Nikkei-225-Index mit einem Minus von 2,71 Prozent auf 12
220,63 Punkte.

Gold war dagegen als sichere Anlage gesucht. Zu Wochenbeginn stieg der Preis für eine Feinunze (etwa 31 Gramm) erstmals seit Ende Februar über die Marke von 1600 Dollar. In der Spitze kostete das gelbe Edelmetall gut 1608 Dollar. Das waren rund 16 Dollar mehr als am Freitag.

An den Anleihemärkten stiegen die Renditen für Papiere der Euro-Krisenländer. Die Risikoaufschläge für Staatspapiere aus den Krisenländern legten zeitweise um mehr als 20 Basispunkte zu. Die Kosten für Versicherungen gegen Zahlungsausfälle der angeschlagenen Eurostaaten zogen ebenfalls massiv an.

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