Gründung 25 starke Startups

Von Glückskeks bis Rostsensor: gründerzeit stellt junge Gründer mit besten Erfolgsaussichten vor.

Knusprige Grüße
Die Vorgeschichte klingt nach einem PR-Gag,
stimmt aber: Kai Schmidhuber versteckte den
Heiratsantrag an seine Liebste als Text in ei-
nem selbst gebackenen Glückskeks. Jahre spä-
ter startete er mit seinem Partner Alexander
Otto die Firma Wunschkeks. Liebeserklärun-
gen, Geburtsanzeigen oder Weihnachtsgrüße,
jeder kann seinen Text drucken lassen. Die Gründer von
Wunschkeks füllen Ge-
bäck mit den persönlichen
Botschaften. Sie machen
keine Fernseh- oder Zeitungswerbung. „Wir leben
von Empfehlungen“, sagt
Kai Schmidhuber. Für
zusätzliche Nachfrage sorgt Marketing bei
Facebook und Xing. Dieses Jahr besuchen die
Gründer erstmals auch eine Hochzeitsmesse. www.wunschkeks.de

Vorlaufzeit: 5 Jahre

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Rechtsform: UG (haftungsbeschränkt)

Startkapital: 0 Euro

2 Kleine Doubles
Aus Spanien brachte Jan Christian Seevogel
die Idee für Dumini mit nach Deutschland:
Der Kunde schickt ein Foto von einem Freund
oder Feind, Seevogel modelliert für 90 Euro
Puppenköpfe, die dem Original täuschend
ähnlich sehen. Bestellt wird meist zu Jubi läen
und Hochzeiten. Neue Käufer gewin nen die
Gründer überwiegend per Internetwerbung. www.dumini.de

Vorlaufzeit: 3 Monate

Rechtsform: GbR

Startkapital: 2000 Euro

3 Der virtuelle Steuerberater

Ein weiterer Schritt zum papierlosen Büro: Die
Steuerberater Axel Utecht, Stefan Eichhorn
und Ralf Müller von Baczko bieten ihre Exper-
tise ausschließlich online an. Die Kommunika-
tion zwischen dem Mandanten und seinem
Ansprechpartner in der Webkanzlei findet per
Telefon, E-Mail, iPhone-App oder Skype statt.
Bis zu 70 Prozent Ersparnis seien durch die
Digitalisierung der Standardservices möglich.
Anfangs beobachteten Kollegen das Kölner
Projekt mit Argwohn, inzwischen wollen im-
mer mehr Steuerberater mitmachen. Nach ei-
nem Jahr zählt steuerberaten.de bereits mehr
als 1000 Mandate. „Nächstes Jahr werden wir
Franchise anbieten“, sagt Müller von Baczko. www.steuerberaten.de

Vorlaufzeit: 2,5 Jahre

Rechtsform: GmbH

Startkapital: mehr als 1 Mio. Euro

4 Der Shoppingguide

Kleider gehören zu den meistverkauften Waren
im Internet. In den vielen Shops verliere „man
schnell den Überblick über Qualität und güns-
tige Preise“, sagt Benjamin Günther. Zusammen
mit Max-Josef Meier, Sebastian Schuon und
Anselm Bauer gründete er im November 2008
Stylight. „Bei uns können Nutzer in rund 70
Shops und unter knapp 250 000 Produkten
suchen.“ Als größte Hürde erwies sich für die
Münchner, die 26 Mitarbeiter beschäftigen,
die Finanzierung. „Wir kamen alle direkt von
der Uni und hatten keine Ersparnisse“, sagt
Günther. Eine Venture-Capital-Gesellschaft
ließ sich überzeugen. Zudem gelang es Sty-
light, zwei Business-Angels zu begeistern: den
ehemaligen Chefredakteur des Lifestyle-
Magazins „Maxim“ Stefan Gessulat und den
E-Commerce-Kenner Urs Keller. www.stylight.de

Vorlaufzeit: 6 Monate

Rechtsform: GmbH

Startkapital: 25 000 Euro

5 Maßanfertigung im Web

Zur Abschlussfeier seines Studiums in Paris
musste ein Anzug her. Doch Peter Waleczek
passt keine Kleidung von der Stange. Sein
Glück: In der Modestadt sitzen unzählige
Schneider, die schnell und günstig Maßanfer-
tigungen liefern. „Warum gibt es so etwas nicht
auch im Internet?“, fragte er sich und setzte
die Idee in die Tat um. Mit Tim Arvid Selke
entwickelte er einen Onlineshop. Die Kunden
geben ihre Maße, Farb- und Stoffwünsche ein und erhalten binnen vier Wochen Hemd
(ab 59 Euro) oder Anzug (ab 299 Euro). Derzeit können
Kunden, die beim On-
line-Schneider Herren-
schmiede.de einen Maß-
anzug ordern möchten,
zwischen sieben Basis-
schnitten wählen, hinzu
kommen diverse Hemd-
typen in verschiedenen
Stoffen. In naher Zu-
kunft sollen Accessoires
wie Krawatten das An-
gebot erweitern. Die
Geschäftsidee überzeugte auch einen Venture-
Capital-Geber. www.herrenschmiede.de

Vorlaufzeit: 6 Monate

Rechtsform: GmbH

Startkapital: 28 000 Euro

6 Mehr Schulspaß

Diese Tafel spricht und klingt. Sie nimmt Schü-
ler mit in ferne Länder, spielt Wind- und Was-
sergeräusche oder Tierstimmen vor. Knapp
2000 Euro kostet ein Whiteboard, eine interak-
tive elektronische Tafel. Die passende Software
ist schon für wenige Euro zu haben. Bei der
Herstellung der Programme arbeitet Kids inter-
active mit nahezu allen großen Schulbuchver-
lagen wie Klett, Pons oder Westermann zusam-
men. Zwei Jahre nach Gründung verkaufen die
Erfurter ihre Software vor allem ins Ausland.
„In Deutschland wird diese Unterrichtsform
sehr selten angeboten – hier stehen wir noch
am Anfang“, sagt Gründer Joerg Michel, der
bereits 20 Mitarbeiter beschäftigt. www.kids-interactive.de

Vorlaufzeit: 3 Monate

Rechtsform: GmbH

Startkapital: 25 000 Euro

7 Mehr Gefühl, bitte

Mit Computerspielen sind Frank Gwosdz, Se-
rein Pfeiffer und Daniel Renner aufgewachsen
– als Spieler und Programmierer. In einem
Punkt waren sie jedoch nie zufrieden: mit dem
Verhaltensmuster der digitalen Akteure. Seit
drei Jahren entwickeln sie Technologien zur
Umsetzung von emotionaler und künstlicher
Intelligenz in Spielen. „Die Figuren treffen ihre
Entscheidungen nicht mehr nur auf Basis von
rationalen Parametern, wie etwa dem Abstand
zum Gegner. Sie reagieren kurzfristig auf die
aktuelle Situation, etwa mit Angst oder Vor-
sicht“, sagt Gwosdz. Die gerade vereinbarte Zu-
sammenarbeit mit dem größten europäischen
Entwicklungshaus Bigpoint wird dem Startup
Artifical Technology weiteren Schub geben. www.artificial-technology.com

Vorlaufzeit: 2 Jahre

Rechtsform: GmbH

Startkapital: 1,4 Mio. Euro

8 Innovative Bildsprache

Christian Wiests Firma Ithera Medical arbeitet
mit einer neuartigen Bildgebungstechnologie.
Die Kombination aus Laserlicht und Ultraschall
kann ein elektronisches Bild von lebendem Ge-
webe produzieren. „So lassen sich zum Beispiel
verschiedene Arten von Zellen unterscheiden“,
sagt der Geschäftsführer. Pharmakonzerne und
biomedizinische Labore sollen diese innovative
Technologie einsetzen, etwa bei der Entwick-
lung von neuen Medikamenten. Den ersten Ko-
operationspartner aus der Pharmabranche hat
Wiest bereits gefunden, bis Jahresende sollen
drei weitere Anwender hinzukommen. www.ithera-medical.com

Vorlaufzeit: 6 Monate

Rechtsform: GmbH

Startkapital: 25 000 Euro

9 Tiefe Einblicke

Mit Computern lassen sich im Gesundheits-
wesen nicht nur die Patientendaten verwalten.
Sie können auch bei der Analyse von Krank-
heiten und der Auswahl der Therapie helfen.
Mint Medical hat eine Plattform entwickelt,
mit deren Hilfe Mediziner Daten aus mehreren
Bildaufnahmen auswerten können – egal, ob es
sich um Röntgen-, CT- oder Ultraschallbilder
handelt. „Wir können zum Beispiel automa-
tisch feststellen, ob ein Tumor aufgrund einer
Therapie tatsächlich kleiner wird“, sagt Ge-
schäftsführer Matthias Baumhauer. Eine weite-
re Software hilft bei der Planung von Operatio-
nen. Die Programme kosten bis zu 50 000 Euro
und sollen jetzt europaweit verkauft werden. www.mint-medical.de

Vorlaufzeit: 2 Jahre

Rechtsform: GmbH

Kapital: 150 000 Euro

10 Läuft geschmiert

Mit ihrer Hilfe könnte eine künstliche Hüfte
bald 40 statt 20 Jahre halten. Die Berliner Fir­
ma Kova Medtech arbeitet an einem Schmier­
mittel für Gelenkprothesen. Gründerin Julia
Suvorova und ihre Partner Nanette Gottschalk
und Frank Baldensperger stoßen in einen Milli­
ardenmarkt: Die größten deutschen Kranken­
versicherer haben seit 2003
rund 3,5 Mrd. Euro für Pro­
thesen ausgegeben. Kova
Medtech will deren Lebens­
dauer verdoppeln. Da lässt
sich viel Geld sparen. In
spätestens zwei Jahren soll
das Schmiermittel am Markt sein. Zuvor benötigen die Gründer aber noch einige weitere
Millionen, um Langzeittests durchzuführen.

Vorlaufzeit: 1,5 Jahre

Rechtsform: GmbH in Gründung

Startkapital: 500 000 Euro

11 Guter Riecher

Weil ihm herkömmliche Dunstabzugshauben
nicht gefielen, entwickelte Schreiner Willi
Bruckbauer eigene Modelle: Bei Bora befindet
sich das System direkt im Kochfeld, „ganz nah
bei den Geruchsquellen“, so der 43­Jährige.
Mit fünf Patenten und einem Gebrauchsmuster
hat er sich seine Idee schützen lassen, deutsch­
land­ und europaweit. Seit Mitte 2008 liefert
der Raublinger seine Dunstabzugsfelder seri­
enmäßig aus. Sie kosten rund 2000 Euro. Den
Vertrieb im deutschsprachigen Raum und in
den Beneluxländern haben Außendienstler
übernommen. Noch in diesem Jahr will er
Frankreich, Großbritannien und Spanien mit
seinem Produkt erobern. Sogar aus Südafrika
haben sich erste Interessenten gemeldet. www.boragmbh.com

Vorlaufzeit: 2 bis 2,5 Jahre

Rechtsform: GmbH

Startkapital: 200 000 Euro

12 Die Scharfmacher

Die Kieler Hightech­Firma Raytrix revolutio­
niert die Fotobranche: Vor den Chip der Ray­
trix­Digitalkamera wird eine Glasscheibe mon­
tiert – kaum größer als eine Briefmarke und
mit 40 000 kleinen Linsen versehen. Jede die­
ser Mikrolinsen wirft ein eigenes Bild auf den
Chip. So können die Aufnahmen am Computer
beliebig scharf gestellt werden. Ob Vorder­grund, Mitte oder Hintergrund – allein der Be-
trachter entscheidet, was ihm wichtig ist. Doch
die Kamera kann noch mehr: Mit einer speziel-
len Software lassen sich zudem 3-D-Bilder er-
zeugen, die am Rechner hin und her bewegt
werden können. „Wir haben viele industrielle
Kunden, die unsere Kamera zur Qualitätsprü-
fung einsetzen“, sagt Gründer Lennart Wietz-
ke. Rund 100 Stück will der Kieler bis Ende des
Jahres verkaufen, 2012 soll die 1000er-Marke
geknackt werden. Kosten: zwischen 1000 und
15 000 Euro – je nach Sonderwünschen. www.raytrix.de

Vorlaufzeit: 1,5 bis 2 Jahre

Rechtsform: GmbH

Startkapital: mehrere Hunderttausend Euro

13 Regenjacken für Beton

Schon nach wenigen Jahren lassen Korrosions-
schäden den Beton von Brücken, Parkhäusern
oder Tunneln abplatzen. Bis jetzt. „Mit unse-
rem innovativen Gel konservieren wir den Be-
ton. So können Regen und Schadstoffe nicht
eindringen, aber Wasserdämpfe weiterhin nach
außen abgeleitet werden“, sagt Rüdiger Werp,
Vorstand von Ionys. Die „Goretex-Jacke für
Beton“ kann direkt beim Bau beigefügt oder
nachträglich aufgetragen werden. Ab 2011 soll
das Gel verkauft werden. Ionys will mithilfe
des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT)
alle zwei Jahre einen Baustoff auf den Markt
bringen. Als Nächstes einen Spezialmörtel, der
Risse in Mauern verhindert. www.ionys.de

Vorlaufzeit: 2 Jahre

Rechtsform: AG

Startkapital: 50 000 Euro

14 Von der Rolle

Gehen Außengewinde in Autos, Booten oder
Druckmaschinen kaputt, konnte man sie bisher
nur wegwerfen oder mit einem Gewinde-
schneider reparieren. Dabei wird das Material
regelrecht abgehobelt, was die Gewinde brü-
chig macht. Wenn Gewinde nicht geschnitten,
sondern gerollt werden, wird das Metall hin-
gegen neu verformt und bleibt stabil. Dafür
waren bislang schwere Maschinen nötig. Der
Hannoveraner Gründer Philipp Silberkuhl hat
ein kleines Werkzeug entwickelt, das in jede
Tasche passt. Rund 100 Stück eines Prototyps
hat seine Firma Silbertool bereits verkauft. Mit
einem verbesserten Modell will er ab Herbst
2010 den bundesweiten Vertrieb starten. www.silbertool.de

Vorlaufzeit: ein Jahr

Rechtsform: GmbH

Startkapital: 50 000 Euro

15 Leichtes Eisen

Dieser Gründer ist ein echter Bremser: Holger
Lathwesen werkelt seit Jahren an einer neuen
Bremstechnik für Fahrzeuge. Mit der Sheet
Cast Disc hat er sein Ziel erreicht: bis zu 50
Prozent Gewichtsersparnis. Derzeit werden die
Prototypen mehreren Tests unterzogen. Erst
wenn die bestanden sind, werden die Gründer
das patentierte System in Lizenz an Gießereien
übertragen. Allerdings: Bis dahin werden zwei,
drei Jahre vergehen. Lathwesen und sein Part-
ner Karlheinz Herzog sind noch auf der Suche
nach Risikokapitalgebern. „Rund 1,5 Mio. Eu-
ro benötigen wir für die nächsten drei Jahre.“ www.sc-disc.com

Vorlaufzeit: 3 Jahre

Rechtsform: GmbH

Startkapital: 500 000 Euro

16 Zurück in die Zukunft

Ein alter Hut, mit dem Daniel Mahlmann da
Geld verdienen will. Die Lichtmikroskopie wur-
de bereits in den 60er-Jahren erfunden. Doch
der Physiker ergänzte die Technik jetzt um ein
komplexes computergestütztes Hardware-
steuerungs- und -auswertungssystem. In der
Materialforschung kommt das Spezialmikros-
kop von Incelltec bei der Untersuchung von
Glas, Lichtleitfasern, Zellen oder Linsen zum
Einsatz. „Zurzeit führen wir noch in unseren
Räumen Auftragsmessungen durch“, sagt Pro-
kurist René Mauer. Mitte 2011 soll es die erste
transportable Version und 2012 größere Stück-
zahlen des Geräts geben, das ab 120 000 Euro
aufwärts kostet. Um den Markteintritt abzu-

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