Gründung „700.000 Euro hab ich schon reingesteckt“

Zwanzig Jahre arbeitete Jan Bredack im Management von Daimler. Dann wollte er etwas ganz Neues machen und eröffnete vor einigen Monaten den ersten veganen Supermarkt in Deutschland. Impulse.de sprach mit dem 39-Jährigen über seine Pläne.

impulse.de Ist es nicht sehr wagemutig, in Deutschland eine Supermarkt-Kette zu eröffnen? Schließlich ist hier der Lebensmittelmarkt sehr umkämpft und margenschwach.

Bredack Ja, das ist ein Wagnis, aber Veganz ist ja kein klassischer Supermarkt. Wir haben etwas geschaffen, was es so in Europa noch nicht gibt. Unsere Produkte beziehen wir alle von einzelnen Händlern. Wir haben achtzig Händler weltweit und müssen da noch die Logistik steuern. Das unterscheidet uns von einem herkömmlichen Bio-Supermarkt in Berlin, der von einem bis maximal zwei Großhändlern ausgeht. Deshalb ist unser Konzept auch nicht so leicht zu kopieren. Wir haben rund 6000 Produkte gelistet. Ob Duschgel, Hundefutter oder Nahrungsmittel – alle unsere Artikel sind ohne tierische Stoffe hergestellt.

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impulse.de Gibt es denn nicht schon genug Supermärkte mit veganem Angebot in Berlin?

Bredack Es gibt so kleine Lädchen, allerdings sind das keine Supermärkte und sie haben nichts mit uns zu tun. Bei uns gibt es ein Vollsortiment, etwa so wie bei Rewe oder Kaiser’s. Unsere Zielgruppe ist zudem ausreichend groß: Laut der Veganen Gesellschaft Deutschland ernähren sich bundesweit mehr als 600.000 Menschen vegan. Wir kommen auch zur richtigen Zeit, denn wir bekommen derzeit Anfragen aus Indien, aus China – von überall rufen die Leute an und fragen, ob sie Franchise-Nehmer werden können – und das für eine Firma die ein halbes Jahr am Markt ist und gerade mal so ein kleines Lädchen hier in Berlin aufgemacht hat!

impulse.de Wie reagieren Sie auf die Anfragen?

Bredack Im Moment konzentriere ich mich auf meinen Fahrplan: erst mal die nächste Filiale in Berlin aufmachen und eine in Leipzig. Danach gehe ich nach Hamburg, nach Frankfurt und nächstes Jahr nach Wien. Danach, wenn wir diese Wegstrecke hinter uns haben, dann kann man über Franchise nachdenken.

impulse.de Wie finanzieren Sie ihr Startup?

Bredack Im Moment habe ich alles selbst finanziert, das sind jetzt in der Expansion 700.000 Euro. Das hört sich viel an, hat aber maßgeblich damit zu tun, dass wir sehr viel in Logistik und in den Warenbestand investieren müssen um unser Sortiment präsentieren zu können. Aktuell führe ich Investoren-Gespräche, in den nächsten Wochen werden die Verträge unterschrieben und dann ist unsere Expansion zumindest für dieses Jahr erstmal gesichert. Zum einen sind das Privatinvestoren, die wirklich gar nichts mit dem Business zu tun haben, aber zum Teil auch Lieferanten. Namen kann ich nicht nennen.

impulse.de Wie viel Zeit war nötig, bis Sie die erste Filiale eröffnen konnten?

Bredack Zwei Jahre. Da hatten wir auch schon Mitarbeiter, aber ich selbst war noch bei Daimler. Ich habe Leute eingestellt, die operative Arbeit gemacht haben, die Lieferantenverträge ausgehandelt haben und so weiter.

impulse.de Wie ist das für Sie persönlich, jetzt ihr eigenes Business zu machen?

Bredack Wenn das Knall auf Fall gekommen wäre hätte ich sicherlich meine Schwierigkeiten, aber das war ein Prozess. Dadurch, dass ich mich selbst vor drei Jahren entschlossen habe, vegan zu leben hat sich sowieso etwas getan, denn das ist ja nicht nur eine Ernährung, sondern eine Lebensweise – und man kriegt auf viele Dinge einen anderen Blick.

Ich war bei der Daimler AG sicherlich nicht der aufstrebende Shooting-Star. Und auf diese ganzen Annehmlichkeiten, Fahrer, Assistenz und so, auf die konnte ich dann gut verzichten. Eine Anekdote dazu: In Moskau, da bin ich mal mit einem Vorstandsmitglied auf einem Fluss rumgeschippert. Nachdem ich ihm von meiner veränderten Lebensweise – Stichwort: Vegan – erzählt habe, hat er mich allen Ernstes gefragt, wie lang ich denn noch bei Daimler arbeiten werde. Tatsächlich hatte ich den Autobauer ein halbes Jahr später verlassen. Mit meiner geänderten Lebensweise fühlte ich mich dort nicht mehr richtig aufgehoben.

impulse.de Wo wollen Sie in fünf Jahren stehen?

Bredack In fünf Jahren möchten wir in jeder deutschen Stadt mit mehr als 500.000 Einwohnern mindestens eine Anlaufstelle haben, wir möchten in Europa in jeder größeren Metropole vertreten sein und dort mit unserer Marke, mit unserem Angebot, eine Alternative zu den herkömmlichen Bio-Supermärkten sein. Und wenn möglich auch weltweites Franchise anbieten.

impulse.de Wie soll ihr Geschäftsmodell funktionieren? Wie sieht ihre Strategie aus?

Bredack Wir sind jetzt schon dabei, die Logistik zu verfeinern, und in Amerika eine feste Logistikstation einzurichten. Auch dort sind wir mittlerweile bekannt, die vegane Szene in den USA kennt uns und das ist für uns ein riesiges Privileg. Ich erwarte, dass die groém Ketten spätestens in fünf Jahren reagieren werden, also entweder, dass sie eine eigene Marke aufmachen oder wie auch schon in Ketten in Amerika, einen größeren Bereich in jedem Supermarkt.

impulse.de Wie viel Umsatz planen Sie?

Bredack Momentan liegen wir deutlich über den Prognosen. Wir werden etwa 1,5 Mio. Euro Umsatz mit einem Laden pro Jahr machen können.

impulse.de Was planen Sie in näherer Zukunft?

Bredack „Im Moment bin ich dabei, die zweite Filiale in Berlin und die in Leipzig aufzubauen und eine Hauptstation für Logistik im süddeutschen Raum, damit wir auch später München, Wien, Frankfurt, Karlsruhe bedienen können und auch Zürich steht für nächstes Jahr auf dem Programm. Aber ganz aktuell in naher Zukunft ist jetzt Geld einzusammeln bei den Investoren und in Berlin und Leipzig dann Nägel mit Köpfen zu machen. Die Eröffnungen sind in Berlin im Juni und in Leipzig im Juli geplant.

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