Gründung „Alle müssen lernen, dass ein harter Wettbewerb existiert“

Es ist die erste Unternehmensausgliederung (Spin-off) der privaten Jacobs University Bremen: die Phytolutions GmbH, gegründet von Stefan Rill und der Meeresforscherin Claudia Thomson.

Die Firma entwickelt und vertreibt Verfahren, um aus Meeresalgen zum Beispiel Treibstoffe, Chemikalien oder Baumaterialien herzustellen. Im Interview berichtet der Geschäftsführer über seine Erfahrungen in der engen Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft.

Herr Rill, Sie waren bereits 15 Jahre lang Unternehmer. In welchen Punkten unterscheidet eine Gründung aus eigener Kraft von einem Spin-off?

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Der Vorteil ist, man startet mit seiner Geschäftsidee nicht bei Null, sondern hat schon in der Universität einen Großteil der Forschungs- und Entwicklungsarbeit leisten können. Die enge Verbindung mit der Hochschule ermöglicht es uns außerdem künftig, schneller und einfacher gemeinsame Projekte einzuführen. Zudem fällt uns die Akquise von gut ausgebildetem Personal leichter und wir profitieren vom Forschungs- und Kooperationsnetzwerk der Jacobs University.

Haben Gründer, die zuvor in der Forschung waren, besondere Probleme in der Startphase?

Der Alltag in der Forschung unterscheidet sich immens vom dem in der freien Wirtschaft. Alle müssen nun lernen, dass ein harter Wettbewerb existiert und sie Dienstleistungen erbringen müssen. Sie müssen jetzt ihre Kunden identifizieren, deren Wünsche erkennen und diese befriedigen. Das alles fällt einem nicht immer leicht, wenn man zuvor Jahre in einem Forschungslabor verbracht hat.

Unterscheidet sich ein Spin-off einer Uni von dem eines Großunternehmens?

Ich denke, Firmen, die aus einer Hochschule ausgegliedert werden, haben leichteren Zugang zu Technologien und Innovationen. Konzern-Spin-offs fällt dagegen der Marktzugang leichter. Ideal ist selbstverständlich, wenn das Unternehmen sowohl eine unternehmerische als auch eine wissenschaftliche Basis aufweist.

Die unternehmerische Komponente bringen dann Sie in die Geschäftsführung mit ein?

Das ist richtig. Ich weiß, wie dynamisch eine junge Firma sein muss, um sich am Markt behaupten zu können. Und ich habe Erfahrungen beziehungsweise Kontakte, wenn es um Steuerberater, Juristen oder Unternehmensberater geht.

Phytolutions ist im Juni 2008 gestartet – welche Pläne haben Sie für die kommenden Jahre?

Vorweg: Ich halte es für absurd, Businesspläne aufzustellen, die mehr als 24 Monate im Voraus gelten – viele Faktoren sind dann einfach zu unsicher. Unsere Firma ist hervorragend gestartet. In den ersten vier Wochen haben wir bereits Aufträge im Wert von 500.000 Euro erhalten. Wenn wir im ersten Geschäftsjahr eine Million Euro Umsatz erzielen, erreichen wir eine schwarze Null. Und für 2009 peilen wir die Zwei-Millionen-Grenze an.

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