Gründung Antragstellung lohnt weiterhin

Ende 2011 wurde der Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit zusammengestrichen. Experte Andreas Lutz nennt neun Tipps, wie angehende Unternehmer auch künftig noch in den Genuss der Förderung kommen.

1. Richtiger Umgang mit der Arbeitsagentur

Die Berater bei den Arbeitsagenturen werden aktiv nach Ablehnungsgründen suchen, um die ihnen vorgegebenen Sparziele – eine Budgetkürzung um 74 Prozent – zu erreichen. Es wird noch wichtiger als bisher, formale Fehler zu vermeiden, die persönliche Eignung überzeugend darzustellen sowie die Gründungsentscheidung und -motivation richtig zu begründen, damit Ihr Antrag bewilligt wird.

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2. Überzeugenden Businessplan schreiben

Ein überzeugender Businessplan wird noch wichtiger als bisher. Sie weisen damit nach, dass Sie nach einer überschaubaren Zeit von den selbständigen Einkünften leben können. Sie dürfen aber auch nicht zu optimistisch planen, da die Arbeitsagentur sonst zum Schluss kommt, dass Sie gar keine Förderung benötigen.

3. Nicht gleich aufgeben

Wenn der Antrag trotz guter Qualität des Vorhabens abgelehnt wird, sollten Sie nicht aufgeben. Es bestehen gute Aussichten, über Widerspruch und oder mit einem Sozialgerichtsverfahren doch noch zur Förderung zu kommen. Viele Arbeitsagenturen werden im Zweifel zunächst ablehnen – in der Hoffnung, dass nur ein Teil der Betroffenen Widerspruch einlegt.

4. Gründungszeitpunkt an die Kassenlage der Arbeitsagentur anpassen

Der Gründungszuschuss wird zur Ermessensleistung. Wenn das vorgesehene Budget am Geschäftsjahresende zur Neige geht, müssen mehr oder sogar alle Anträge abgelehnt werden, bis wieder neue Mittel zur Verfügung stehen. Wer zum richtigen Zeitpunkt gründet beziehungsweise den Antrag stellt, kann seine Chancen verbessern.

5. Richtige Wahl der fachkundigen Stelle

Der Businessplan muss auch künftig durch eine fachkundige Stelle geprüft werden. Durch das Ermessensprinzip wird es regional erhebliche Unterschiede geben: Eine Arbeitsagentur mag auf einen Aspekt der Planung Wert legen, der in einer anderen Region eher schädlich ist. Auch können sich die Kriterien immer wieder ändern. Ein erfahrener Gründungsberater, der die Verhältnisse vor Ort gut kennt und mit allen Formalitäten vertraut ist, kann da weiterhelfen. Vorsicht ist angebracht in Bezug auf Mithilfe vom Steuerberater, da viele Arbeitsagenturen hier Interessenkonflikte vermuten, wie vor kurzem eine Studie der Bundesagentur für Arbeit ergab.

6. Zusätzlichen Finanzbedarf durch Mikrokredite oder Bankdarlehen decken

Wenn der Gründungszuschuss gekürzt wird oder gar nicht zur Verfügung steht, werden zusätzliche Finanzierungsquellen erforderlich, zum Beispiel Mikrokredite. In der ersten Stufe erhält man zwar in der Regel nur einige tausend Euro, bei zuverlässiger Rückzahlung sind in weiteren Stufen dann aber bis zu 20.000 Euro möglich. Deutlich aufwändiger ist das Beantragen eines von der KfW geförderten Darlehens, da hier zunächst die Hausbank zu überzeugen ist.

7. Frühzeitig mit der Vorbereitung beginnen

Künftig muss man fünf Monate vor Auslaufen des Arbeitslosengeld-I-Anspruchs gründen, um Gründungszuschuss zu erhalten. Dem Gründer bleiben also typischerweise sieben Monate ab Beginn der Arbeitslosigkeit. Das heißt: Frühzeitig mit den Vorbereitungen beginnen, um nicht unter Zeitdruck zu geraten. Notfalls sollten Sie den Bezug des Arbeitslosengelds einige Zeit ruhen lassen.

8. Vom ersten Tag an Umsätze generieren

Die Basisförderung (Arbeitslosengeld + 300 Euro Pauschale) wird künftig nur noch sechs statt neun Monate bezahlt. Reicht der Gewinn dann schon zur Deckung des Lebensunterhalts oder müssen Sie noch aus privaten Ersparnissen zuzahlen? Beginnen Sie schon vor der Gründung mit dem Akquirieren, so dass Sie schon im ersten Monat Rechnungen stellen können. Bis die Rechnungen bezahlt sind, dauert es noch lange genug.

9. Geförderte Beratung in Anspruch nehmen

Gründer, die Beratung in Anspruch nehmen, sind erfolgreicher und erreichen den Break-even schneller. Deshalb fördert der Staat Beratung vor und nach der Gründung mit einer Vielzahl von Programmen und übernimmt 50 bis 90 Prozent der Kosten. Ein erfahrener Consultant kann die Chancen, den Gründungszuschuss oder eine zusätzliche Finanzierung zu erhalten, deutlich verbessern. Die Bewilligung des Gründungszuschusses wiederum ist Voraussetzung für ein gefördertes Gründercoaching nach der Gründung.

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