Gründung Chefsessel statt Hartz IV

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten nimmt die Zahl an Firmengründungen unter den Arbeitsuchenden zu. Dies meldete jetzt die Bundesagentur für Arbeit (BA). Seit Jahresbeginn begleiteten die regionalen Jobcenter rund 12.000 Empfänger des Arbeitslosengelds II (ALG II) in die Selbstständigkeit. Tendenz stark steigend.

Die BA-Berater unterstützen dabei vor allem bei der Entwicklung einer zukunftsträchtigen Geschäftsidee oder bei Finanzierungsfragen und geben praktische Tipps zur Geschäftseröffnung. Die Helfer arbeiten dabei mit den örtlichen Kammern, den Kreditinstituten, Arbeitgeberverbänden und Bildungsträgern zusammen.

Zudem unterstützen die BA-Mitarbeiter die Jungunternehmer finanziell: Maximal 24 Monate lang gewährt sie das so genannte Einstiegsgeld, das zwischen 50 und 100 Prozent der Regelleistung betragen kann. Darüber hinaus gewährt sie Zuschüsse (maximal 5000 Euro) oder Darlehen, mit denen sich die Gründer die notwendige Betriebs- oder Geschäftsausstattung kaufen können. Dazu gehören zum Beispiel PC, Software, Telefonanlage, Mobiliar oder ähnliches. Außerdem lassen sich darüber auch Ausgaben für Marketing, Vertrieb, Fahrzeuge oder Maschinen finanzieren.

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Firmenchefs, die zuvor Hartz-IV-Empfänger waren, sind bei ihren Gründungen durchaus erfolgreich. Fast 90 Prozent der Selbstständigen arbeiten ein halbes Jahr nach der Förderung noch in ihrem eigenen Betrieb, so die BA. Weiterhin erfreulich: Wer die ersten zwei Jahre übersteht, schafft im Durchschnitt sogar zwei neue Arbeitsplätze.

Allerdings hat die Bundesagentur für Arbeit auch eine schlechte Nachricht zu vermelden: Immer mehr Unternehmer können mit ihrem Einkommen nicht mehr das Existenzminimum absichern. Ende 2008 zählten die Nürnberger rund 114.000 selbstständige ALG-II-Empfänger. Zum Vergleich: Zwei Jahre zuvor waren es nur etwa 56.000 Personen.

Mehr als die Hälfte der hilfsbedürftigen Firmenchefs lebt von weniger als 400 Euro monatlich und hat deshalb zusätzlich Hartz IV beantragt. Als Ursachen nennen die Job-Experten die derzeit schlechten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und sinkende Auftragseingänge.

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