Gründung Crowdfunding: Wie die Gründer von „Bright Up“ Geld im Internet einsammeln

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Maximilian Schmiedel (l.) und Ana Christina Agüer (r.) mit Julia Wehmeier (impulse)

Maximilian Schmiedel (l.) und Ana Christina Agüer (r.) mit Julia Wehmeier (impulse) © impulse

Mit Crowdfunding zur Serienproduktion: 500 Geldgeber wollen die Gründer von „Bright Up“ von ihrer App überzeugen, mit der Lampen im Haus ein- und ausgeschaltet werden können. Der Knackpunkt: Nur wenn sie die komplette Finanzierungssumme einsammeln, wird die erhoffte Geldspritze tatsächlich ausbezahlt.

impulse: Ihr habt ein Jahr nach der Gründung eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Warum?

Ana Christina Agüero: Für ein Technologieunternehmen wie uns ist Crowdfunding wirklich eine spannende Sache. Wir haben einen Seed-Investor, der uns am Anfang Geld gegeben hat und mit dessen Hilfe wir den Prototypen bauen konnten. Für die Serienproduktion fehlt uns aber im Moment das Geld. Venture Capitalists steigen meist erst ein, wenn es schon fertige Produkte gibt, die am Markt erprobt sind. Wir sind genau dazwischen.

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Also macht ihr das nur zum Geld einsammeln?

Maximilian Schmiedel: Wir machen das als Markttest. Wir wollen sehen, ob das Produkt ankommt. In der Kombination, die wir haben, zu dem Preis und mit den Funktionalitäten. Das Crowdfunding-Projekt läuft bis Ende März, bis dahin wollen wir 500 Leute haben, die das Produkt vorbestellen. Danach wissen wir, ob wir den Test bestanden haben.

Agüero: Das würde ich anderen Gründern auch raten. Der erste Schritt ist immer, einen Business Angel zu finden, der den Start erleichtert. Als zweiter Schritt ist Crowdfunding eine gute Möglichkeit.

impulse: Wann ist der richtige Zeitpunkt für Crowdfunding?

Agüero: Das hängt davon ab, ob du schon ein Unternehmen oder erst ein Projekt hast. Uns ging es darum, unser Produkt zu zeigen und herauszufinden, was die Leute darüber denken. Wir haben schon Prototypen der Soft- und Hardware entwickelt. Wir sind sicher, dass unser System funktioniert. Entscheidend ist, ob ich das Geld sofort brauche oder einige Monate bis zum Ende der Crowdfunding-Kampagne warten kann. Das ist wirklich vom Einzelfall abhängig.

Schmiedel: Man muss ja generell ein Produkt haben, das funktioniert. Das war am Anfang bei uns auch nicht so. Gerade, wenn man gleichzeitig Hard- und Software macht. Da kann man keine halbfertige App zeigen. Und auch die Hardware muss die Kernfunktionen schon haben. Bei uns ist das die Funktion, Licht über ein Smartphone ein- und ausschalten zu können. Und das zu entwickeln hat eine Zeit gedauert. Deshalb konnten wir das Crowdfunding auch nicht früher machen.

Wie hoch ist der Aufwand?

Schmiedel: Seit Ende Dezember sind zwei Leute bei uns Vollzeit mit der Kampagne beschäftigt. Wir machen alles selber.

Was kostet so eine Aktion?

Schmiedel: Das ist sehr davon abhängig, was man ausgeben will. Sicherlich kann man sich für 150.000 Euro ein Video drehen lassen und viel Geld in die PR stecken. Da gibt es einige prominente Beispiele, die dann auch mehrere Millionen Euro mit ihrer Kampagne eingesammelt haben. Das konnten wir aber nicht. Wir wollen in erster Linie zeigen, was wir im Team leisten können.

Agüero: Für das Video haben wir mit einem Start-up aus Lüneburg zusammengearbeitet, die haben uns das für recht wenig Geld produziert. Die Gründer haben wir letztes Jahr auf der Cebit kennengelernt. Viele Gründer helfen sich gegenseitig, da lohnt es sich, ein großes Netzwerk zu haben.

Müsst ihr an die Plattform auch etwas zahlen?

Schmiedel: Die Plattform bekommt drei Prozent der Einnahmen als Provision. Und wenn am Ende das Geld überwiesen wird, muss man für die Transaktionen auch nochmal zahlen.

Wie ist bisher die Resonanz auf eure Kampagne?

Schmiedel: Im Moment sieht es ganz gut aus. Wir sind bei etwa 30 Prozent Finanzierung. Wir haben einen Partner kennengelernt, der eine größere Stückzahl bestellen und dann vertreiben will. Die nächsten drei Wochen sind entscheidend. Wir brauchen 130.000 Euro, um unser Ziel zu erreichen. Vor allem aber wollen wir 500 Spender haben, und nicht nur Freunde und Verwandte, die uns Geld geben.

Agüero: Ehrlich gesagt ist es keine leichte Sache, eine Crowdfunding-Kampagne in Deutschland zu machen. Selbst wenn wir Leute für unser Projekt begeistern können: Spätestens bei der Bezahlung haben viele Schwierigkeiten, weil sie zum Beispiel keine Kreditkarte haben. Viele wissen überhaupt nicht, was Crowdfunding überhaupt ist. Wir müssen also oft sehr genau erklären, wie sie uns unterstützen können.
Viele verwechseln unsere Kampagne auch mit Crowdinvesting-Angeboten, wo man als Gegenleistung Anteile am Unternehmen bekommt. Bei uns ist das eine einmalige Spende. Bei uns ist es auch so, dass wir nur das Geld bekommen, wenn wir unser Finanzierungsziel auch erreichen. Wir wollen einfach sicher sein, dass wir genug Geld zur Produktion haben.

Was macht ihr, wenn ihr das Kampagnen-Ziel nicht erreicht?

Schmiedel: Als Start-up braucht man keinen Plan B, sondern einen zweiten Plan A. Das ist unser Ansatz. Wir fokussieren uns komplett auf die Kampagne, weil wir an unser Produkt glauben. Wenn die Leute das nicht so sehen, dann müssen wir uns etwas anderes überlegen, vielleicht zusammen mit Partnern. Im Smart Home Bereich gibt es noch so viele spannende Sachen, die man machen kann.

 

Bright Up wurde Anfang 2013 von vier Studenten des Northern Institutes of Technology Management gegründet, das an der TU Hamburg-Harburg angesiedelt ist: Ana Christina Agüero, Maximilian Schmiedel, Kiran Joseph und Sebastian Rösch. Mit ihrer App auf dem Smartphone können Lampen ein- und ausgeschaltet werden. Damit wird die Beleuchtung zuhause oder im Büro personalisiert und von außen steuerbar. Die Gründer haben bislang Prototypen gebaut und die Technologie entwickelt, für die Serienproduktion sammeln sie bis Ende März Geld über Crowdfunding ein.

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