Gründung Die besten Franchise-Gründer 2011

Mit gutem Konzept und klugem Unternehmergeist konnte Tobias Schmidt die Jury überzeugen und belegt mit Zoo&Co den ersten Platz als bester Franchise-Nehmer. Aber auch Willi Fuchs auf Platz zwei und Doris Weber auf dem dritten Rang haben ihr unternehmerische Kompetenz erfolgreich unter Beweis gestellt. Drei Porträts.

 

Der Laden lebt Tobias Schmidt, Zoo&Co

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Früher gingen bei Tobias Schmidt nur leblose, abgepackte Sachen wie Futter, Kauknochen oder Katzenstreu über den Ladentisch. Heute wuselt, kreucht und piept es häufiger mal an der Kasse. Früher war Schmidt Franchisenehmer bei einem Tierbedarfshändler, der auf das Discount-Prinzip setzte und damit auf schnellen Umschlag unkomplizierter Ware. Heute ist er beim Konkurrenten Zoo&Co. Konkurrenzfähige Preise muss er auch hier bieten – doch das Konzept bietet ihm viel mehr Raum, sich weiter zu entwickeln. Wie etwa die Möglichkeit, Nager, Reptilien oder Vögel ins Angebot zu nehmen. „Lebende Tiere zu verkaufen – das ist wohl das Anspruchsvollste, was man als Franchisenehmer machen kann“, sagt der ehrgeizige 31-Jährige.

Schmidt fühlt sich bei Zoo&Co gut gefordert und gefördert. Als er etwa einmal kurzfristig an einer Messe teilnahm, kamen zur Unterstützung Manager aus der Zentrale und packten vor Ort mit an. „Das motiviert unheimlich“, sagt Schmidt. „Bei anderen Franchisegebern sieht man die Geschäftsführung vielleicht gerade mal auf dem jährlichen Regionaltreffen.“ Er versucht, die Erfahrung weiterzugeben und ist selbst ständig in seinen Filialen unterwegs, um den Marktleitern unter die Arme zu greifen.

Jedem seiner mittlerweile drei Läden ist unmittelbar eine Tierarztpraxis angegliedert. Die Ärzte sind selbstständig, haben aber einen Mietvertrag mit Schmidt und übernehmen die Betreuung der Tiere im Laden. Wenn Mieze oder Bello also mal keinen Appetit haben oder von Flöhen gepiesackt werden, kann Herrchen beim Einkauf direkt noch fachkundigen Rat holen. In seinem Sortiment achtet Schmidt auf eine breite Auswahl an Spezialnahrung. „Das Personal muss deswegen sehr gut geschult sein“, sagt er. Das ist zeitintensiv – und nicht immer unkompliziert. „Viele Bewerber wollen einfach nur verkaufen und sind es nicht gewohnt, dass sie die Kunden intensiv beraten sollen“, hat Schmidt beobachtet. Der Aufwand bei der Personalsuche lohnt sich, denn die Kunden sind zufrieden: Schmidt startete Ende März 2010 als Franchisepartner bei Zoo&Co und erwirtschaftete schon im ersten Jahr einen Umsatz von ca. 1,35 Mio. Euro.

Schmidts Personalarbeit hat die Jury überzeugt: „Er hat es in kürzester Zeit von fünf auf 25 Mitarbeiter plus fünf Auszubildende gebracht. Das ist aus Sicht unseres Hauses – das für den Ausbildungspakt der Bundesregierung mitverantwortlich zeichnet – eine beeindruckende Leistung“, sagt Jutta Kollberg, Jurymitglied und Oberamtsrätin im Bundeswirtschaftsministerium.

Schmidt eröffnet in Kürze seinen vierten Markt. Und will auch dort wieder engagierte Auszubildende einsetzen. Verkaufstalent und ein Gespür für die Bedürfnisse der Kunden reichen dabei allerdings nicht aus. Schmidt: „Wer diesen Job machen will, muss Tiere lieben.“

Im Namen der Versicherung Willi Fuchs, Rainbow International

Mitten im größten Chaos kam Willi Fuchs ein Gedanke, der sein Leben umkrempeln sollte. Wochenlang hatten sich die Arbeiten auf der Baustellen seines Kunden zuvor schon hingezogen. Ein Wasserschaden sollte behoben werden und der Versicherungsfachmann hatte zahlreiche Handwerker engagiert, um die Wohnung wieder herzurichten. Doch ob nun Putzer, Fliesenleger oder Maler – irgendeiner der beteiligten Betriebe ließ immer einen Termin platzen. Mehr und mehr Beschwerden des Kunden liefen bei Fuchs auf. „Es war offensichtlich, dass es da eine Marktlücke gab: Ein professioneller Sanierer, der alles aus einer Hand anbietet und den Versicherungsmakler entlastet, fehlte“, sagt der 52-Jährige. „Und genau das wollte ich machen.“

Er googelte und stieß auf Rainbow International – ein System, das auf Schadensmanagement und Sanierungsservice spezialisiert ist. Zusammen mit seiner Frau besuchte Fuchs die Zentrale und einzelne Betriebe. „Transparenz war mir wichtig“, sagt er. Dann ging alles ganz schnell. Sie entschieden sich für Darmstadt als Standort, der erste überhaupt von Rainbow in Hessen. Die Finanzierung übernahm die Hausbank, die sich durch Fuchs schnell von den Erfolgsaussichten des Konzepts überzeugen ließ.

Seit Mitte 2010 bietet er nun Versicherungskaufleuten – also seinen früheren Kollegen – Lösungen aus einer Hand an, als „spezialisierter Dienstleister für Versicherungen“, wie er sagt. „Die müssen nur noch den Auftrag vergeben und werden dann informiert, wenn der Fall abgeschlossen ist“, sagt Fuchs. Der große Vorteil der Kooperation: Fuchs hat praktisch keine Zahlungsausfälle, da er fast vollständig Versicherungsfälle bearbeitet.

Fuchs organisiert den Ablauf und stellt sicher, dass es nicht zu Verzögerungen kommt. Er arbeitet größtenteils mit Angestellten zusammen, deren Arbeit er selbst koordinieren kann. Um Kundenwünsche schnell zu erkennen, ist er auch ständig selbst auf den Baustellen unterwegs. Die Jury des Franchise-Gründer-Preises war davon beeindruckt, wie Fuchs den Menschen in den Mittelpunkt seines Schaffens stellt und so Begeisterung bei seinen Kunden auslöst. In den ersten sechs Monaten lag sein Umsatz bereits bei 330.000 Euro – Tendenz steigend.

Auch der Umstand, dass der frühere Versicherungsfachmann Fachfremder ist, war ausschlaggebend: „Das Handwerk ist in der Franchisebranche chronisch unterrepräsentiert“, sagt Jurymitglied Holger Schwabe von der KfW-Bankengruppe. „Fuchs selbst ist kein Handwerker, orchestriert aber erfolgreich ein Team von Handwerkern. Das ist bemerkenswert.“ Ihm kommt aber natürlich zugute, dass er seine Kunden, die Versicherer, in und auswendig kennt. Fuchs: „Das hilft gigantisch.“

Eine Familienangelegenheit Doris Weber, Town&Country

Immobilienmaklerinnen, die gibt es wie Sand am Meer. Aber Frauen, die Häuser bauen? Fehlanzeige. Die Branche ist eindeutig männlich dominiert. Umso erstaunlicher ist Doris Webers Karriere. Bei der gelernten Floristin wies lange nichts darauf hin, dass in ihr unternehmerisches Talent schlummern könnte. Rund 25 Jahre, ein Vierteljahrhundert, arbeitete die 57-Jährige zuletzt in der Personalabteilung eines mittelständischen Bauunternehmens – bis die Firma Insolvenz anmeldete.

Für Weber folgte eine Phase der Orientierung. Sie surfte im Internet nach Chancen und Möglichkeiten, hörte sich bei Bekannten um und stieß irgendwann auf Town&Country. Ein System, dessen Franchisenehmer individuelle Häuser für ihre Kunden bauen. Weber musste eine ganze Zeit überlegen, ob sie so ein Projekt würde stemmen können. Die Entscheidung fiel schließlich gemeinsam mit ihrem Sohn. Der Betonbaumeister führte damals ein kleines Bauunternehmen mit drei Angestellten, war aber schnell von der Idee begeistert, bei seiner Mutter mit einzusteigen. Heute ist er als angestellter Betriebsleiter für den technischen Bereich verantwortlich, Weber als Franchisenehmerin hat das Kaufmännische und Strategische im Blick.

Nachdem die beiden Anfang 2010 allein loslegten, wuchs ihr Betrieb mittlerweile auf zehn Mitarbeiter an – vom Architekten über die Bauzeichnerin bis zum technischen Innendienst sind alle wichtigen Baubeteiligten in der Firma vertreten. „Wir sind von Auftrag zu Auftrag mitgewachsen“, sagt Weber. Ihr war bewusst: Der Hausbau verspricht keine schnellen Umsätze. Erst nach einem halben Jahr kam das erste Geld rein. „Man braucht am Anfang einen langen Atem“, sagt sie rückblickend.

Bei Weber klingt das allerdings fast ein wenig kokett. Denn die Gründerin hat eine beispielslose Erfolgsstory hingelegt: Bereits in ihrem ersten Jahr schloss sie Verträge über 36 Bauvorhaben ab. Es gibt Franchisepartner, die Mühe haben, am Anfang überhaupt Verträge abzuschließen. Weber kam zwar zugute, dass ihr Gebiet im Speckgürtel von Köln liegt – wo die Kaufkraft sehr hoch ist. Allerdings werden dort auch nicht mehr Baugenehmigungen als an vergleichbaren Standorten vergeben.

Aus Sicht der Jury ist deswegen entscheidend Webers Persönlichkeit für ihren Erfolg verantwortlich. Allein schon ihr Lebenslauf beeindruckt: „Von der Floristin über die Personalabteilung zur Hausbauerin – Doris Weber ist geradezu ein Musterbeispiel dafür, wie Franchise auch Menschen zum Erfolg führen kann, die zuvor einen ganz anderen Lebensweg eingeschlagen hatten“, lobt Marco Hero, Jurymitglied und Rechtsanwalt in der Kanzlei Tigges.

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