Gründung „Facebook ist ein Zeitfresser“

Wer über Facebook, Twitter oder eine andere Internet-Community Kunden anlocken und pflegen will, muss Zeit und Arbeit aufwenden. Zu viel, meinen die Mitglieder des Gründer- und Mentorennetzwerks Forum Kiedrich. Wie zum Beispiel Thomas Barella, Finanzvorstand der Interexa AG aus Mainz. Sein IT-Haus bietet Software und Dienstleistungen für Banken an.

Herr Barella, welche sozialen Netzwerk im Internet nutzt Ihr Unternehmen?

Wir sind in mehreren Communities unterwegs, um möglichst viele Interessenten zu erreichen. Zwei Beispiele: Mögliche Kooperationspartner stoßen auf Xing zu uns. Potenzielle Mitarbeiter werden über Jobportale auf uns Aufmerksam.

Anzeige

Legen Sie auch Wert auf reale Treffen mit Geschäftspartnern?

Aber selbstverständlich. Wir halten die Chancen für äußerst gering, dass beispielsweise aus einem Twitter-Informationsbeitrag tatsächlich eine Wertschöpfung entstehen kann, die am Ende zu einem Geschäftsabschluss führt. Deshalb wollen wir dort auch nicht in Vorleistung gehen und personelle Kapazitäten aufbieten. Den Risikomanagement-Experten der Banken, der unsere Software-Lösung einführen soll, sprechen wir in der Regel entweder gezielt an, oder wir lernen ihn auf Fachkonferenzen kennen.

Es heißt doch immer, dass über die sozialen Netzwerke leichter und kostengünstiger neue Kunden gewonnen werden können.

Unsere Meinung ist da eine ganz andere. Wir erleben etwa Facebook als eine Plattform, die dem Austausch persönlicher Vorlieben oder persönlicher Eindrücke dient. Deshalb kommen wir zu der Einschätzung, dass sich die „Fans“ unseres Geschäfts dort nur einfinden, wenn persönliche Kontakte bereits bestehen. Vor diesem Hintergrund halten wir Facebook im Augenblick für einen kostenintensiven Zeitfresser.

Aber müssen nicht gerade Sie als IT-Unternehmer auf das Internet als Kommunikationsweg der Zukunft setzen?

Über die künftigen Geschäftsbeziehungen und vor allem auch die Art der Kommunikation machen wir uns sehr intensiv Gedanken. Wir erkennen zwei gegenläufige Tendenzen: Zum einen einen sehr informellen, lockeren Ton im Internet, wie er beispielsweise in Blogs vorkommt. Und zum anderen eine sehr formale Kommunikationsstruktur in der realen Welt, etwa bei der Erstellung von Angeboten.

Ihr Fazit, wenn Sie an den Social-Community-Hype denken, der vielerorts angepriesen wird, fällt also negativ aus?

Im Moment ja. Als kleinerer Mittelständler können und dürfen wir uns neuen Kommunikationswegen gegenüber nicht verschließen. Aber derzeit bewahrt uns eine gewisse Grundskepsis davor, unprofitable Ausflüge in alle möglichen Netznischen zu starten.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...