Gründung Finanzierungshilfen im Überblick

Wer sich Unterstützung durch öffentliche Gelder sicher will, sollte sich sowohl im Kreis der Geber, als auch in den Varianten der Förderprogramme gut auskennen. Eine Übersicht.

Ob die Erhaltung oder die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Gründung neuer Firmen, die Sicherung bestehender Betriebe oder die Unterstützung bestimmter Regionen – bis zu 2000 Förderprogramme versprechen in Deutschland Unterstützung mit staatlichen Geldern. Unterschieden wird zwischen Programmen, die direkt von der EU initiiert werden oder die mit Hilfe von Rahmenplänen in nationalen Initiativen umgesetzt werden.

Wofür gibt es Förderprogramme und woher stammt das Geld?

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EU-Finanzmittel, die direkt in Brüssel abgerufen werden, unterliegen meist einem sehr komplizierten Antragsverfahren. So müssen die Unternehmen zahlreiche Formulare ausfüllen – und das gleich in mehreren Sprachen. Die Mühe kann sich lohnen: Die EU übernimmt in einigen Fällen bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten.

EU-Rahmenprogramme, wie zum Beispiel das 7. EU-Forschungsrahmenprogramm , werden innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten auf die jeweiligen Ministerien übertragen. In Deutschland sind häufig das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie oder das Bundesministerium für Bildung und Forschung beteiligt. Zusätzlich bietet die KfW Mittelstandsbank Beteiligungen und Kredite aus dem so genannten ERP-Programm an.

Innerhalb der einzelnen Bundesländer sind ebenfalls die Ministerien für Wirtschaft, Arbeit oder Forschungfür die Vergabe von öffentlichen Mittel zuständig. In einigen Ländern wurden auch spezielle Förderbanken gegründet oder die Aufgabe an regionale Partner delegiert.

Über die zuständigen Ansprechpartner für Landesprogramme oder regionale Wirtschaftsförderungen können am besten die Industrie- und Handelskammern beziehungsweise die Handwerkskammern Auskunft erteilen. Einen schnellen Überblick über die in Frage kommenden Förderungen vermittelt auch die Welche Arten von Förderprogrammen gibt es?

Es können folgende Varianten unterschieden werden:

Zuschuss

Dieser Betrag muss vom Unternehmen nicht mehr zurückgezahlt werden – es handelt sich dabei also um eine klassische Subvention. Bezahlt werden zum Beispiel Ausgaben für Beratungen, Schulungen oder Mitarbeiter mit Spezialaufgaben beziehungsweise Investitionen in neue Maschinen oder Büroausstattungen. Je nach Programm übernimmt der Kapitalgeber den kompletten Betrag oder nur einen bestimmten Anteil.

Öffentliche Beteiligung

Beteiligungsgesellschaften der öffentlichen Hand werden von Banken, Versicherungen, Verbänden, Kammern, den Bundesländern und vom Bund initiiert. Sie stellen auf Antrag den Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung – meist in Form einer stillen Beteiligung und ausschließlich im eigenen Bundesland.

2009 investierten diese so genannten Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften 137 Mio. Euro in mehr als 400 Betriebe. Die Höhe des Engagements beginnt bei 50.000 Euro und endet bei einzelnen Programmen bei maximal 5 Mio. Euro. Finanziert werden Expansionen, Nachfolgeregelungen oder Umstrukturierungen, aber niemals Sanierungsfälle. Die Gesellschaften sind nicht am Verkaufserlös ihres Investments beteiligt, sondern erhalten vom Unternehmen eine jährliche Vergütung, die aus einem gewinnunabhängigem und einem gewinnabhängigen Anteil besteht. Hinzu kommen noch eine Garantieprovision und eine Bearbeitungsgebühr. Insgesamt muss der Firmenchef mit jährlichen Kosten von rund zehn Prozent der Beteiligungssumme rechnen.

Nachrangdarlehen

Bis zu 60 Prozent der Investitionskosten in neue Maschinen, Umbauten oder die Schulung von Personal können via Nachrangdarlehen finanziert werden. Dies sind Darlehen, bei denen der Kapitalgeber mit seinen Ansprüchen hinter anderen Zahlungsverpflichtungen zurücksteht. Der so genannte Rangrücktritt sorgt zum Beispiel dafür, dass im Insolvenzfall erst alle anderen Banken- und Lieferantenverbindlichkeiten bedient werden. Allerdings steht das Nachrangdarlehen noch vor den Ansprüchen der Gesellschafter.

Auf Grund des Rangrücktritts fallen die Zinsen höher aus als bei einem herkömmlichen Darlehen. Allerdings liegen sie meist günstiger als die Konditionen für Kontokorrentkredite.

Weitere Varianten der staatlichen Förderung

Förderdarlehen

Dies sind zinsgünstige Darlehen, die zum Beispiel von der KfW Mittelstandsbank oder den Banken der Länder ( etwa der Förderbank für das Land Nordrhein-Westfalen) gewährt werden. Sie werden für Investitionen in Immobilien oder Maschinen, in die Betriebsmittelausstattung oder auch gänzlich ohne speziellen Verwendungszweck gewährt. Allerdings muss die Firma penibel nachweisen, wofür sie das geliehene Geld ausgegeben hat.

Förderdarlehen werden häufig in Kombination mit Ausfallbürgschaften – hier wird der Hausbank bis zu 100 Prozent des Ausfallrisikos abgenommen – oder anderen Förderprogrammen vergeben.

Öffentliche Bürgschaften

Sind alle bankenüblichen Sicherheiten gebunden, kann ein Unternehmen die öffentlichen Bürgschaftsbanken um Unterstützung bitten. Sie übernehmen im jeweiligen Bundesland Ausfallbürgschaften gegenüber den Hausbanken für Kredite, die zum Beispiel der Gründung oder der Expansion dienen. Auch Leasing- oder Beteiligungsfinanzierungen werden so ermöglicht. Ausgeschlossen sind jedoch Investitionen in Sanierungsfälle.

Für einen einzelnen Betrieb werden Ausfallbürgschaften in Höhe von maximal 2 Mio. Euro übernommen – in einigen Bundesländern bestehen Sonderregelungen. An Kosten fällt neben einem einmaligen Bearbeitungsentgelt noch eine jährliche Provision (zirka ein Prozent der besicherten Summe) an.

Wie bei allen Förderprogrammen, erfolgt die Antragstellung in der Regel über die Hausbank. In einzelnen Bundesländern bietet sich mit der Offerte „Bürgschaft ohne Bank“ jedoch die Möglichkeit, kleinere Summen im direkten Kontakt mit den öffentlichen Instituten abzusichern.

Wann muss der Förderantrag gestellt werden?

Unabhängig von der Kapitalquelle und der Variante gilt: Der Antrag auf Förderung muss unbedingt vor Beginn der jeweiligen Investitionstätigkeit gestellt und bewilligt werden. Bis eine Zu- oder Absage erteilt wird, können jedoch schon einmal Wochen oder sogar Monate vergehen.

Unternehmer, die nicht so lange auf Unterstützung warten können oder wollen, sollten deshalb den Förderantrag so formulieren, dass wenigstens die künftigen Investitionen mit öffentlichen Geldern finanziert werden – den Start muss er dann allerdings aus der eigenen Tasche zahlen.

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