Gründung Förderprogramm Exist: „Wir vergeben 85.000 Euro pro Projekt“

Vor allem junge Gründer arbeiten gerne im Team

Vor allem junge Gründer arbeiten gerne im Team© pressmaster - Fotolia.com

Jung, qualifiziert und einfallsreich: Das Förderprogramm „Exist“ greift Studenten und Absolventen unter die Arme, die sich mit einer guten Idee selbständig machen wollen. Im Gespräch mit impulse.de beschreibt Dietrich Hoffman, Leiter des Programms, die Arbeit von „Exist“ und welche Möglichkeiten Gründer haben, davon zu profitieren.

 

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impulse.de: Herr Hoffmann, was ist die Aufgabe von „Exist“?

Dietrich Hoffman: Das Förderprogramm „Exist“ wurde im Jahr 1998 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiiert und liegt seit 2006 in der Verantwortung des Bundeswirtschaftsministeriums. Ziel war und ist es dem Thema Gründung an Hochschulen einen wichtigen Platz zu geben. Hatten wir mit Beginn des Programms noch zwei Gründerlehrstühle an deutschen Hochschulen, sind es heute über 70. Durch dieses Programm haben wir Strukturen geschaffen, die eine Gründungskultur an Hochschulen ermöglicht und Entrepreneurship fördert.

Gleichzeitig wurden mit dem „Exist Gründerstipendium“ und „Exist Forschungstransfer“ zwei Instrumente für die unmittelbare Förderung der Gründerinnen und Gründer entwickelt, über die bereits mehr als 1000 innovative Gründungen unterstützt werden konnten. Als Projektträger des BMWi für das Programm „Exist“ wickeln wir die gesamte Förderung ab, von der Antragsbegutachtung über die Geldvergabe bis hin zur Überprüfung, ob die Gelder sachgemäß verwendet werden. Darüber hinaus unterstützen wir Gründer in enger Zusammenarbeit mit den Gründungsnetzwerken vor Ort fachlich und administrativ.

 

impulse.de: Gleich zu Beginn die alles entscheidende Frage: Welche Möglichkeiten habe ich, um von „Exist“ gefördert zu werden?

Hoffman: Unser Förderprogramm besteht aus zwei Säulen. Einer Breitenförderung und einem Exzellenzansatz. Das Gründerstipendium als Breiteninitiative umfasst eine einjährige Förderungsphase für die unmittelbare Gründungsvorbereitung innovativer Produkt- und Dienstleistungsgeschäftsideen. Hierbei vergeben wir circa 85.000 Euro pro Projekt. Ein Student erhält zum Beispiel 800 Euro pro Monat, ein Absolvent 2000 Euro und mit Promotion 2500 Euro Unterstützung. Momentan fördern wir in diesem Bereich bis zu 150 Projekte pro Jahr und die Bewilligungsquote bei den Bewerbungen liegt bei über 50 Prozent.

Beim Forschungstransfer liegt unser Anspruch höher. Hier wollen wir Forschergruppen ansprechen, die über exzellente wissenschaftliche Ergebnisse verfügen, deren Umsetzung zu einem Produkt oder Verfahren komplex und noch mit erheblichen technischen Risiken verbunden ist. Die Förderung ist zweistufig und beginnt an der Forschungseinrichtung und mündet in der zweiten Phase im jungen Technologieunternehmen. Zur Förderung gelangen die Forscherteams, die nach einer Begutachtung der Ideenpapiere und der Präsentation ihrer Geschäftsideen vor einer Expertenjury ausgewählt werden.

 

impulse.de: Wie sieht die Förderung dann konkret aus?

Hoffman: Gefördert werden Forscherteams mit bis zu drei Wissenschaftlern und einem Betriebswirt bei besonders anspruchsvollen Projekten auch 24 Monate mit vollen Stellen. Hinzu kommen 70.000 Euro für Sachmittel. Wichtige Voraussetzung ist aber, dass die notwendige Forschungsinfrastruktur von der Hochschule/Forschungseinrichtung zur Verfügung gestellt wird.

In der zweiten Phase erhält das Gründungsunternehmen eine Anschubfinanzierung von 150.000 Euro, wenn die Gründer einen Eigenanteil von 50.000 Euro einbringen. Diese Förderung dient der weiteren Produktentwicklung und soll insbesondere die schwierige Phase der Investorengewinnung überbrücken helfen, die für eine nachhaltige Unternehmensfinanzierung notwendig ist. Über beide Förderphasen begleiten wir die Gründungsvorhaben über einen Zeitraum von durchschnittlich drei Jahren. Pro Jahr werden rund 25 neue Projekte zur Förderung ausgewählt. Rund ein Viertel der eingereichten Projektideen und Gründungsteams erfüllt die hohen Anforderungen.

 

impulse.de: Sie verfügen über ein großes Netzwerk an Hochschulen. Wie sieht die Zusammenarbeit mit den Universitäten genau aus?

Hoffman: Momentan verfügen wir über ein Netzwerk von 200 Initiativen zur Gründungsunterstützung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Im Ergebnis eines bundesweiten Wettbewerbs fördern wir aktuell 22 dieser Einrichtungen als „Gründerhochschule“. Dies geschieht über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren. Die Verbreitung von Unternehmergeist in allen Bereichen der Hochschule, die Unterstützung von Entrepreneuren und die Hilfe bei den ersten Schritten der Unternehmensgründung sollen zu einem ureigenen Verständnis der Hochschulen werden. Zu diesem Zweck pflegen wir auch eine enge Zusammenarbeit mit allen Hochschulen, die aktuell nicht von uns gefördert werden. Zwei Mal jährlich finden dazu „Exist“- Workshops zum Erfahrungsaustausch statt.

 

impulse.de: „Exist“ fördert Gründungen aus der Hochschule heraus, muss ich zwingend Student oder wissenschaftlicher Mitarbeiter sein, um mich bei Ihnen bewerben zu können?

Hoffman: Sie können auch Absolvent sein, um von uns gefördert zu werden, das ist kein Problem, solange der Abschluss nicht länger als 5 Jahre zurückliegt. Jedoch muss der Antrag auf Unterstützung zusammen mit einer Hochschule bzw. dem Gründernetzwerk erfolgen. Uns ist es wichtig, dass die vorhandenen Strukturen und das Umfeld der Hochschulen für die Startphase genutzt werden. Dieser „Schutzraum“ bietet mehrere Vorteile. An erster Stelle steht natürlich die wissenschaftlich-technische Infrastruktur. Man kann aber als „Hochschulprojekt“ ohne größere Probleme mit potentiellen Kunden und auch Mitbewerbern sprechen. Dieses praktische Herantreten an den Markt erleichtert es die Bedürfnisse der Kunden kennen zu lernen. Mit diesem Ansatz sollen die Überlebenschancen der Startups erhöht werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass über das Uni-Netzwerk schneller ein erfolgreiches Startup-Team aufgebaut werden kann.

 

impulse.de: Sie sprachen gerade von Überlebenschancen. Wie viele, der von Ihnen geförderten Unternehmen, überstehen die ersten fünf Jahre?

Hoffman: Momentan erwarten wir die Ergebnisse einer aktuellen Studie. Aber ich kann Ihnen sagen, dass zwischen 80 – 85 Prozent der von uns geförderten Teams tatsächlich auch gründen. Nach fünf Jahren sind noch ca. 75 Prozent am Markt. Eine sehr hohe Überlebensquote im Vergleich zu allen übrigen Gründungsvorhaben.

 

impulse.de: Was sind Ihrer Erfahrung nach die größten Fehler, die Gründer zu Beginn machen?

Hoffman: Was mir immer wieder auffällt, ist die mangelnde Kommunikation. Nicht jeder im Team ist für Führungsaufgaben geeignet und einige sind damit zufrieden, wenn Sie innerhalb ihres Startups wie Angestellte arbeiten können. Die eigenen Vorstellungen und auch die Kompetenzen sollten von vornherein angesprochen, aber auch im Teambildungsprozess hinterfragt werden. Wer steht lieber im Vordergrund und trifft Entscheidungen, wer spricht gerne mit Kunden oder wer agiert lieber im Labor? Wir unterstützen diesen Prozess mit Teamworkshops. Am Ende erhöht das die Überlebenschancen jedes Unternehmens. Erfolgreiche Gründer vollziehen eine Wandlung vom Forscher, Entwickler zum Produzenten, Verkäufer und Unternehmer. Die Begleitung und Beobachtung dieses Reifungsprozesses gestaltet unsere Tätigkeit so abwechslungsreich und anspruchsvoll.

 

Infos:

To dos: So stellen Gründer einen Antrag bei „Exist“

Weitere Informationen finden sie unter: www.exist.de

1 Kommentar
  • […] Das Förderprogramm Exist ist unter studentischen Gründern nachvollziehbarerweise sehr beliebt. Exist greift Studenten und Absolventen unter die Arme, die sich mit einer guten Idee selbständig machen wollen. Das Gründerstipendium umfasst dabei eine einjährige Förderungsphase und ein Fördervolumen von circa 85.000 Euro pro Projekt. impulse.de hat Dietrich Hoffman, Leiter des Programms, getroffen, der im Interview die Details zum Exist-Programm erläutert. Impulse […]

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